Das Bulldog-Fahren gehörte zum Leben von Alois Eicher einfach dazu – auf unserem Bild links mit seiner Frau Bärbel und Enkel Xaver.
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Das Bulldog-Fahren gehörte zum Leben von Alois Eicher einfach dazu – auf unserem Bild links mit seiner Frau Bärbel und Enkel Xaver.

Nachruf: Alois Eicher (84) war Familienmensch – Sein Herzensprojekt war die Flurbereinigung

Trauer um ein Preisendorfer Original

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Wenn sich was gerührt hat, dann war Alois Eicher glücklich. Wenn seine Enkel um ihn herum waren, seine Kinder und seine geliebte Frau Bärbel. „Du wolltest doch so gern noch bei uns sein“, diesen Spruch hat die Familie für das Sterbebild des Preisendorfers ausgesucht, der nach einem tragischen Unfall mit 84 Jahren verstorben ist.

Preisendorf – Alois Eicher war ein waschechter Preisendorfer. Er stammte vom Bai in Preisendorf, ist dort geboren. Seine Frau lernte er kennen, als sie beim Pointner in Kronacker im Lehrjahr war. „Ich war damals 16, er 26. Das war schon ein großer Altersunterschied, aber Alois hat nie locker gelassen“, erinnert sich Bärbel Eicher mit einem Lächeln im Gesicht. „Er war ja auch ein toller Mann, da hat alles gepasst“ – seine offene und verständnisvolle Art, seine Gradlinigkeit und Ehrlichkeit.

Alois Eicher selbst hatte anlässlich seiner Goldhochzeit vor fünf Jahren erzählt: „Sie hat mich einfach angezogen wie ein Magnet.“ Sogar bis in die Schweiz war er seiner Herzensdame gefolgt, als sie dort ein Auslandsjahr verbracht hat. Alois hat keine Mühen gescheut – und diese Anstrengungen haben sich gelohnt: 1966 läuteten die Hochzeitsglocken.

Die Familie kann sich im Krankenhaus verabschieden - „dafür sind wir unfassbar dankbar“

Das Paar bekam fünf Kinder – die Töchter Edith, Kathrin, Doris und Maria sowie Sohn Alois, die ihren Eltern wiederum zehn Enkelkinder schenkten. Dem Opa bereitete es die höchste Freude, wenn sie zu Besuch kamen. Deshalb hatte er sich zuletzt sehr darüber gefreut, dass eine der Töchter direkt nebenan gerade mit dem Hausbau beginnt. „Er hat richtig auf die Baustelle hingefiebert“, erzählt sein Sohn. Erleben durfte er sie nicht mehr.

Anfang März stürzte Alois Eicher auf der Treppe, er muss wie ins Nichts getreten sein, und verletzte sich schwer. Ein Hubschrauber brachte ihn ins Klinikum Großhadern, aber er wachte nicht mehr auf. Seine Familie war in dieser Zeit bei ihm, konnte sich trotz Corona von ihm verabschieden – „dafür sind wir unfassbar dankbar“, sagt sein Sohn Alois.

Gattin Bärbel wurde sogar ein eigenes Bett ins Zimmer gestellt, damit sie über Nacht bleiben konnte. „Ich bin neben ihm gelegen, habe ihn im Arm gehalten. Das hat so gut getan, denn ich hatte große Angst, dass er alleine sterben muss“, sagt die 74-Jährige. Und so war sie bei ihrem Alois, als er nach etwa einer Woche im Krankenbett für immer einschlief.

Seine Familie ging Alois Eicher über alles, aber auch für die Allgemeinheit hat er sich eingesetzt

Das Ehepaar hat sein Leben lang gearbeitet, den heimischen Hof über die Jahre von Grund auf erneuert. Alois Eicher war Landwirt mit Leib und Seele, bis er und seine Bärbel den Hof in andere Hände übergaben. Danach nutzten sie die freie Zeit zum Reisen – an den Gardasee, nach Dubai, Russland, Amerika oder zum Nordkap. „Wir haben noch so vieles erlebt, das war eine wunderschöne Zeit“, sagt Bärbel Eicher.

Seine Familie ging Alois Eicher über alles, aber auch für die Allgemeinheit hat er sich eingesetzt: in der Kirchenverwaltung, als Kirchenpfleger in Preisendorf, als stellvertretender Ortsobmann im Bauernverband. Er war gesellig und war immer für einen Ratsch zu haben, war Mitglied im Leonhardiverein, bei den Karlsdorfer Schützen, im Kriegerverein, bei der Marianischen Männerkongregation Hohenlinden, bei der Feuerwehr und bei der CSU. Für sie saß Alois Eicher 18 Jahre lang im Forsterner Gemeinderat und lenkte die Geschicke seiner Heimat mit.

Das wohl größte Amt aber war das des Vorsitzenden bei der Preisendorfer Flurbereinigung. Schon im Jahr 1971 hatte Alois Eicher anlässlich des Straßenbaus nach Hohenlinden den Gedanken der Flurbereinigung aufgebracht. Es sollte weitere neun Jahre dauern, bis Bewegung in die Sache kam. Alois Eicher wurde vom Flurbereinigungsamt offiziell damit beauftragt, herauszufinden, ob Interesse an dem Verfahren bestehe. Obwohl der Großteil der Grundbesitzer zustimmte, war noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Es folgten unzählige Sitzungen, Gespräche, Arbeitsstunden und Fahrten nach München. Rund 16 Jahre lang dauerte das Verfahren, erst 1998 war die Flurbereinigung abgeschlossen. Aus dem Fleckerlteppich von mehr als 400 Flurstücken war ein „gut verlegtes Parkett“ mit rund 50 Flurstücken geworden, und auch die Gemeinde profitierte durch Straßenbaumaßnahmen wie dem Radwegebau nach Hohenlinden.

Die Flurbereinigung war sein Herzensprojekt

„Er hat unglaublich viel Zeit und Mühe in das Verfahren gesteckt“, erzählt sein Sohn Alois. „Das war sein Herzensprojekt“, ergänzt Bärbel Eicher. Dabei war ihm immer auch die Natur wichtig: Es wurden ökologische Flächen geschaffen, Hecken und Bäume gepflanzt, Biotope angelegt.

Alois Eicher musste in dieser Zeit viele Rückschläge hinnehmen. Doch locker gelassen hat er nie. Er bewies Durchhaltevermögen in einem Amt, das viel Ärger einbrachte, aber nur wenig Anerkennung.

Seine letzte Ruhestätte hat sein Vater dort gefunden, wo er sein ganzes Leben verbracht hat: in Preisendorf. Zu Beginn der Beerdigung auf dem dortigen Friedhof fielen dicke Schneeflocken vom Himmel, am Schluss kam die Sonne heraus. „Eigentlich hat das Wetter zu seinem Leben gepasst“, sagt Sohn Alois, „erwar ja auch immer bei jedem Wetter draußen“.

Die Beerdigung hielt Pfarrer Stephan Fischbacher, ein Neffe des Ehepaars. „Ich glaube fest daran, dass Alois’ letzter Schritt nicht ins Leere ging, sondern auf den festen Grund des Kreuzes, das auch ihn ins Leben und zur Auferstehung führt“, sagte er in seiner Trauerrede. Diesen tiefen Glauben hatte Alois Eicher. Den Glauben an ein Wiedersehen – auch mit seiner geliebten Familie.

Vroni Macht

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