Forsterns Bürgermeister Rainer Streu vor dem neuen Kinderhaus in Karlsdorf
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Die Fenster sind drin: Bürgermeister Rainer Streu freut sich, dass es beim Kinderhaus in Karlsdorf voran geht.

Bürgermeister Rainer Streu über Herausforderungen und Projekte in Forstern

Von einem „echt intensiven“ Jahr ins nächste

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Kinderhaus, Glasfaserausbau, Ortsdurchfahrt und mehr: Die Themen, die Forsterns Bürgermeister Rainer Streu gerne in der Bürgerversammlung angesprochen hätte, sind vielfältig.

Forstern – Neues Amt, neue Aufgaben – und dann auch noch Corona: Vor allem für die neu gewählten Bürgermeister war 2020 eine besondere Herausforderung. Rainer Streu (AWG) bezeichnet die vergangenen Monate deshalb als „echt intensiv“. Im Falle der Gemeinde Forstern kommt hinzu, dass die Verwaltung nach wie vor nicht ideal besetzt ist. Kämmerer Jochen Goldammer habe ausgerechnet, dass man in den vergangenen 20 Jahren rund drei Millionen Euro an Personalkosten gespart habe, weil Stellen nicht oder nur in Teilzeit besetzt waren. „Das ist enorm“, sagt Streu im Gespräch mit unserer Zeitung.

Elf Vollzeitstellen bräuchte die Verwaltung, für drei habe man umgerechnet noch Platz. Eine Stelle sei ausgeschrieben, und „wir wollen uns weiter verstärken“, stellt Streu klar, denn: „Wir müssen es personell so hinkriegen, dass wir die Anforderungen, die der Bürger an die Verwaltung stellt, auch leisten können.“

Ortsdurchfahrt

Besonders am Herzen liegt Streu die Sanierung und Neugestaltung der Ortsdurchfahrt – eines der Themen, die der 40-Jährige gerne in der Bürgerversammlung angesprochen hätte, die wegen Corona ausgefallen ist. Zur Ortsdurchfahrt habe im November ein Gespräch mit Staatlichem Bauamt und Regierung von Oberbayern stattgefunden. „Wir haben unserem Unmut über den Zustand der Straße und die Gehwegsituation Ausdruck verliehen“, sagt Streu. Baldmöglichst soll es eine Verkehrsschau mit allen Beteiligten geben, um mögliche Verbesserungen auch vor einer Sanierung festzulegen.

Weil die Mittel knapp sind, werden tatsächliche Maßnahmen seitens des Straßenbauamts wohl nicht vor 2024 passieren. Doch die Behörde habe zugestimmt, sich finanziell an einer Vermessung zu beteiligen. „Somit können wir im kommenden Jahr mit den Planungen beginnen“, freut sich Streu.

Das sei auch dringend nötig, denn „die Staatsstraße durchschneidet uns und belastet die Leute ganz erheblich“. An vielen Stellen sie die Fahrbahn zu schmal und in schlechtem Zustand, die Straße vor allem für Fußgänger und Radfahrer gefährlich. Deshalb sei es ihm auch so wichtig, dass die veranschlagten 60 000 Euro für die städtebauliche Integration der Hauptstraße im Haushalt für 2021 verbleiben.

Kinderhaus

Priorität auf der Aufgabenliste fürs nächste Jahr hat die Fertigstellung des Kinderhauses in Karlsdorf. Es muss Ende des Jahres bezugsfertig sein – auch, um Zuschüsse nicht zu verlieren. Kürzlich wurden die Fenster eingebaut, im Januar rücken Elektriker, Heizungsbauer, Lüftungs- und Sanitärbauer an. Gerechnet wird mit Gesamtkosten von 4,7 Millionen Euro. Ist das Kinderhaus fertig, soll der Hort aus den Containern ausziehen – und zwar in die Räume des dann leer werdenden Kindergartens Villa Wirbelwind. Dafür beginnt die Umplanung.

Photovoltaik

Das Kinderhaus soll das erste kommunale Gebäude mit Photovoltaik sein. Geplant sei eine circa 60-KW-Anlage mit Speicher. Für die Bürger wurde das Thema PV mit einem Vortragsabend beleuchtet. Rund 25 Interessierte planen laut Streu derzeit, ihr Gebäude damit auszustatten. Anfang des Jahres soll es zusammen mit Nachbargemeinden weitere Online-Vorträge auch zu den Themen E-Mobilität und Heizungstausch geben.

Glasfaser

Eine weitere Großbaustelle ist im Juli mit dem Glasfaserausbau gestartet. Bis Mitte Dezember wurde gearbeitet, im Februar soll es weitergehen. Ziel der Deutschen Glasfaser sei es, die Endkunden ab April ins Netz zu bringen.

Grund-/Mittelschule

Die Grundschule besuchen derzeit 157 Kinder, die Mittelschule 130 Jugendliche. Letztere Schülerzahl habe sich weiter stabilisiert, was maßgeblich der Offenen Ganztagsschule mit aktuell 50 Kindern in zwei Gruppen zu verdanken sei. Die Resonanz von Lehrern, Eltern und Schülern sei sehr positiv.

Die „Digitalisierung des Klassenzimmers“ nennt Streu ein „heißes Thema“. Man habe sich intensiv mit der Medientechnik beschäftigt. Dass die Schule aus drei Bauabschnitten aus den 50er-, 70er- und 2000er-Jahren besteht, mache dies nicht einfach. Inzwischen sei ein Ingenieurbüro beauftragt, im Januar sollen die Abstimmungsgespräche starten.

„Wir brauchen hier Unterstützung, weil die Anforderungen für die Förderung aus dem Digitalpakt sehr hoch sind“, erklärt Streu diesen Schritt. Bei rund 100 000 Euro Förderung müssten die Rahmenbedingungen zwingend eingehalten werden. Es gehe nicht nur um die Beschaffung von Tafeln, sondern auch um die Zukunftsfähigkeit von Systemen und Infrastruktur. „Es wäre verheerend, wenn wir Ausstattung beschaffen und dann feststellen, dass es nicht läuft.“

Die Schule wurde mit Wlan ausgestattet, man hat Tablet-Koffer bestellt und für Kinder, die kein eigenes Endgerät haben, 26 Leih-Laptops gekauft. Außerdem wurden für alle Klassenzimmer CO2-Ampeln bestellt. Mobile Lüftungsgeräte hingegen seien aufgrund des Lärmpegels keine Option, deshalb werde weiter aufs Lüften gesetzt.

Einkaufsmarkt

In Diskussionen viel Raum eingenommen hat der Edeka-Neubau. „Wir haben jetzt Pläne für eine sinnvolle Nutzung im Obergeschoss. Wir könnten einen ambulanten Pflegedienst in Forstern etablieren und zugleich Tagespflegeplätze schaffen“, freut sich Streu und erinnert daran, dass derartige Plätze in der Projektstudie „Älterwerden auf dem Lande“ ausdrücklich gefordert worden seien.

Pflegezentrum

Unabhängig davon hält man an den Planungen für ein Senioren-Pflegezentrum fest. Gespräche mit Grundstückseigentümern, Investoren und Betreibern laufen, so Streu: „Wir sind zuversichtlich, dass hier bald konkrete Aussagen getroffen werden können.“ Bewegung gebe es auch beim Thema Wohnraum für Einheimische. Der Gemeinderat werde sich hier genaue Rahmenbedingungen überlegen müssen.

Finanzen

Ein wichtiges Thema waren heuer auch die Finanzen (Bericht folgt). Die Gemeinde war mit einem Ist-Fehlbetrag in Höhe von rund zwei Millionen Euro ins Jahr gestartet. „Das zeigt, dass wir schon 2019 auf Kante gefahren sind. Wir müssen schauen, dass wir unsere Finanzen wieder in Schuss bringen“, sagt Streu. Das nächste Jahr dürfte also ähnlich intensiv werden wie 2020.

Bürgerversammlung online

Alle Infos zur Bürgerversammlung werden als Präsentation auf www.forstern.de bereitgestellt.

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