Grün und Gold sind die ursprünglichen Farben des Forsterner Wappens, weiß Ludwig Hiebinger. Die gelbe Farbe hat sich durch Vereinfachung beim Druck eingeschlichen – wie auf dem Wappen oben, das am Maibaum hängt.
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Grün und Gold sind die ursprünglichen Farben des Forsterner Wappens, weiß Ludwig Hiebinger. Die gelbe Farbe hat sich durch Vereinfachung beim Druck eingeschlichen – wie auf dem Wappen oben, das am Maibaum hängt.

Ursprüngliche Farbe im Wappen wird kaum verwendet – Tradition und Fortschritt

Serie Gemeindewappen: Wie in Forstern Gold zu Gelb wurde

  • Veronika Macht
    VonVeronika Macht
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Einst geprägt von Wäldern, später Sitz eines industriellen Produktionsbetriebs, der in guten Zeiten viele hunderte Menschen beschäftigte: Diese Verbindung von Tradition und Fortschritt in Forstern spiegelt sich auch im Wappen der Gemeinde wider. Nur eine Farbe hat sich seit Bestehen des Wappens geändert – nicht offiziell, aber in so ziemlich allen Darstellungen.

Forstern – „In Gold ein grüner Pfahl, beiderseits eine bewurzelte grüne Tanne; der Pfahl belegt mit einem wachsenden goldenen Abtstab, der im Fuß mit einem silbernen Zahnrad überlegt ist“: So lautet die amtliche Wappenbeschreibung, in der Fachsprache Blasonierung genannt, des vom Münchner Heraldiker Emil Werz gestalteten Hoheitszeichens.

„Die zwei Tannen ergeben ein für den Gemeindenamen redendes Bild“, ist auf der Homepage des Hauses der Bayerischen Geschichte, einer Behörde des Freistaats Bayern, zur Wappengeschichte zu lesen. „Der Ortsname ,Forestarin‘, der mit ,bei den Leuten am Forst‘ zu erklären ist, wird durch die Bäume illustriert“, ergänzt Ludwig Hiebinger. Er ist Vorsitzender des örtlichen Vereins für Gartenbau und Heimatpflege und hat vor neun Jahren, als in der Gemeinde das Doppeljubiläum „800 Jahre Forstern/1200 Jahre Tading und Preisendorf“ gefeiert wurde, gemeinsam mit Birgit Hubner und Henry Pritschet federführend die neue Chronik erarbeitet.

Ortsname „Forestarin“ bezieht sich auf die ausgedehnten Wälder

Der Ortsname „Forestarin“ bezieht sich also auf die ausgedehnten Wälder, die einst die Schotterebene und die Moränenhügel bedeckten. „Die Anfänge des Orts sind mit der ehemaligen Benediktinerabtei Ebersberg eng verknüpft“, erklärt Hiebinger weiter. Im späten Mittelalter habe auch hier die übliche Zersplitterung der Grundherrschaft eingesetzt. Dominierend sei aber weiterhin der Besitz des 1595 in ein Jesuitenkolleg umgewandelten Klosters Ebersberg geblieben; im 17. Jahrhundert gehörten dazu mehr als zwei Drittel aller Anwesen in Forstern. „Auf diese grundherrlichen Beziehungen nimmt der goldene Abtstab im Gemeindewappen Bezug“, so Hiebinger.

Im Hinblick auf die später in der Gemeinde ansässige Großindustrie wurde schließlich als Beizeichen ein silbernes Zahnrad in das Wappen aufgenommen – es steht für die nach dem 2. Weltkrieg entstandene Eicher-Traktorenfabrik und symbolisiert zudem den Wandel zur Industrialisierung. Zahn- und Kammräder sind als allgemeingültige Industriesymbole längst in den heraldischen Formenschatz übergegangen.

Die Gemeinde trägt das Wappen seit dem Jahr 1953. Nach dem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss hat dem das Staatsministerium des Innern am 18. Mai 1953 zugestimmt.

Eigentlich hat das Wappen einen goldenen Hintergrund - verwendet wird aber meist Gelb

„Das Wappen selbst hat eigentlich einen goldenen Hintergrund, das ist auch heraldisch so festgelegt“, sagt Hiebinger. Die Gemeindefarben sind also eigentlich Grün und Gold. Inzwischen verbindet man mit Forstern aber eher die Farben Grün und Gelb. Ob auf der Homepage der Gemeinde oder in einem der zahlreichen Vereinslogos – Abtstab und Hintergrund sind gelb dargestellt.

„Das hat sich durch Vereinfachung beim Druck leider eingeschlichen“, sagt Hiebinger. „Es ist vermutlich einer Kosteneinsparung geschuldet, denn Gold ist aufwendiger zum Mischen als Gelb.“ Die Druckerei Nussrainer habe dies bei der Erstellung der Chronik herausgefunden. Dort wurde das Wappen dann auch in den korrekten Farben dargestellt, ebenso auf einem Wappen, das der Gartenbauverein vor sechs Jahren eigens anfertigen ließ. „Wir waren mit einem Wagen am Blumenkorso auf dem Erdinger Herbstfest beteiligt, und vorne am Bulldog war dieses Wappen in Grün und Gold befestigt“, erzählt Hiebinger.

Er kennt sich aus in der Geschichte seiner Heimatgemeinde. Ihm ist es übrigens auch zu verdanken, dass Forstern 2012 sein 800-jähriges Bestehen feiern konnte. Bei der Suche nach Beweisen dafür, dass Forstern wie Tading und Preisendorf ebenfalls im Jahr 811 erstmals erwähnt wurde, stieß er bei seinen Recherchen im Münchner Staatsarchiv und in der Diözesanbibliothek in Freising auf eine ganz andere Jahreszahl – nämlich 1212. „Forstern“ stand im Traditionsbuch des Hochstifts Freising – erstmals in der heutigen Schreibweise.

Hinter dem Irrtum mit der Jahreszahl 811 steckt, so vermutet Hiebinger, wohl eine einfache Verwechslung im damals gängigen Karteisystem. „Früher wurden solche Sachen auf Karteikarten geschrieben – und die entsprechende Karte wohl einfach falsch eingeordnet.“

Vroni Macht

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