Als Lagerraum nutzen Vereine und die Gemeinde selbst den ehemaligen Wörlsaal im Herzen Forsterns. Ausrangierte Trainingsgeräte und Fußballtore stehen vor der Bühne.
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Als Lagerraum nutzen Vereine und die Gemeinde selbst den ehemaligen Wörlsaal im Herzen Forsterns. Ausrangierte Trainingsgeräte und Fußballtore stehen vor der Bühne.
Im Nebenraum des Saals lagern alte Dekogegenstände, Stühle und kistenweise Kleiderbügel.
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Im Nebenraum des Saals lagern alte Dekogegenstände, Stühle und kistenweise Kleiderbügel.
Blick von der Bühne auf die ausgeschlachtete Küche.
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Blick von der Bühne auf die ausgeschlachtete Küche.

Wörlsaal kurz vor dem Abriss

Früher Tanzsaal, heute Rumpelkammer

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Forstern – Die Tage des legendären Wörlsaals in Forstern sind gezählt. Im Frühjahr soll die Abrissbirne kommen und Platz für Pfarrzentrum und Rathausneubau machen. Doch wie schaut’s eigentlich heute im Inneren des Saals aus? Wir haben uns umgesehen – und auch in die Vergangenheit geschaut.

Tausende Menschen haben hier getanzt und gefeiert. Sie haben sich kennengelernt, verliebt und geheiratet. Vereine luden zu Festen ein, die Gemeinde verlieh Bürgermedaillen, der Eicher-Chor probte seine Stücke. „Der Wörlsaal war über lange Zeit der einzige Treffpunkt in der Umgebung“, erzählt Forsterns Bürgermeister Georg Els. Diese Zeiten sind seit Jahren vorbei. Noch steht er zwar im Zentrum Forsterns, doch im Frühjahr soll der Saal weichen und Platz machen für eine neue Ortsmitte samt Rathaus, Kinderhort und Pfarrzentrum.

„Der Wörlsaal war auch mir schon immer ein Begriff, obwohl ich meine Kindheit und Jugend in Dingolfing und Neufahrn bei Freising verbracht habe“, erzählt Els, der den Saal auch aus den Erzählungen seiner Frau Maria und seines Schwiegervaters Josef Eicher kennt.

Wie viele Festlichkeiten im jetzigen Saal und dem, der zuvor dort stand, im Laufe der Jahrzehnte gefeiert wurden, ist nicht bekannt. Wohl aber, dass es hochkarätige Feiern waren. Unterlagen in der Gemeinde, die von der Familie Wörl stammen, erzählen etwa von der Primiz des Kaspar Sollnberger von Forstern im Jahre 1911 und von der Enthüllung des Kriegerdenkmals. Auch die Fahnenweihe der Feuerwehr 1949 wurde dort begangen. Pfarrer Korbinian Riedmaier und Franz Jaksch bekamen im Wörlsaal die Bürgermedaille verliehen, 1966 erhielt Josef Eicher den Goldenen Ehrenring für den Aufbau der Traktorenwerke. Es gab Showtanz-Auftritte, Landjugendtheater, Feuerwehr- und Kinderfasching.

„Sogar der Maibaum stand früher beim Wörlsaal. Das Dorfzentrum war also tatsächlich hier. Alles, was wichtig war, fand dort statt“, sagt Els – ganz zu schweigen von den wohl tausenden Tanzveranstaltungen am Sonntagabend, die den Saal und damit auch Forstern in der ganzen Region bekannt gemacht haben. „Dann war immer die komplette Staatsstraße zugeparkt, da war kein Durchkommen mehr“, erinnert sich Els.

Heute zeugt kaum noch etwas im Inneren des Saals von dessen ehemals glanzvollen Zeiten. Allenfalls die Bühne lässt darauf schließen, dass hier einmal große Feste gefeiert wurden.

Staubschicht auf der Deko

In erster Linie nutzen Gemeinde und Vereine das Gebäude als Lager. Als „richtige Rumpelkammer“ hat es Els einmal bezeichnet. Die Fenster sind mit schwarzem Stoff verhangen, der helle Tanzboden ist an vielen Stellen verschmutzt, ausgediente Trainingsgeräte und Fußballtore stehen vor der Bühne.

Der Forsterner Theaterverein hat hier über viele Jahre geprobt und seine Stücke aufgeführt. Heute lagern nur noch Bühnenteile und Kulissen dort. Die ehemalige Küche ist ausgeschlachtet, vereinzelt stehen noch Barhocker im Raum. Im Nebenraum stapeln sich Holzstühle unter einem Brauerei-Sonnenschirm.

Daneben stehen Kerzenständer und kistenweise Kleiderbügel. Eine Pflanze trocknet auf einem Bistrotisch vor sich hin, in der Ecke steht eine aufblasbare Bierflasche. Die Luft ist raus, sie lässt den Hals hängen. Ein kleiner schwarzer Sarg lehnt an der Wand, daneben eine Fotocollage. „Halloween 2002“ steht zwischen den Bildern. Die Deko ist mit einer dicken Staubschicht überzogen.

Der jetzige Wörlsaal wurde in den 1950er Jahren erbaut, weiß Els. Doch eine Gastwirtschaft gab es auf dem Anwesen schon länger. Die Unterlagen der Wörls bringen zumindest teilweise Licht ins Dunkel. „Aus vorhandenen Rechnungen anlässlich von Hochzeiten, Kirchweihen und so weiter ist ersichtlich, dass bereits im Jahre 1853/54 der Saal bestanden haben muss“, ist dort zu lesen.

Der erste schriftliche Beweis für eine Gastwirtschaft ist eine Eintragung im Erdinger Grundbuchamt vom 27. Februar 1869. Damals gehörte das Anwesen einem gewissen Herrn Sedlmeier. In der Folgezeit wechselte es samt Recht auf Ausübung der Gastwirtschaft mehrfach den Besitzer, bis es schließlich im März 1915 Georg und Maria Wörl bekamen. 1943 wurde Georg Wörl jun. die Konzession zur Ausübung einer Gast- und Tafernwirtschaft erteilt.

„Nachdem ich mich in jener Zeit beim Heeresdienste befand, wurde die Stellvertretererlaubnis durch Beschluss des Landratsamts Erding Fräulein Rosina Hauschmid, meiner späteren Ehefrau, erteilt“, ist in den Aufzeichnungen der Gemeinde zu lesen. Die Gastwirtschaft wurde während der Kriegsjahre aufrecht erhalten, wenngleich Bierkontingentierungen, Lebensmittelkarten und Bezugscheine reichlich den Betrieb durch erschwerten.

Jahrzehntelang galt der Wörlsaal als der Heiratsmarkt in der Region. Unzählige spätere Ehepaare lernten sich hier kennen.

Mangelnder Brandschutz

„Doch der Hype ist abrupt abgebrochen, als im Gewerbegebiet in Markt Schwaben eine Disko aufgemacht hat“, erinnert sich der Bürgermeister. Das war Ende der 80er Jahre. Der Saal wurde umgebaut, doch die Wiederbelebungsmaßnahmen fruchteten nicht. „Die Zeit war einfach vorbei“, sagt Els.

2003 dann schlug die Gemeinde zu. Sie kaufte den Saal plus Grundstück bis zum Wörl-Anger – insgesamt 3400 Quadratmeter. Mit der Gastronomie war da noch nicht Schluss: Als Hall of Fame war das Gebäude mit Saal und Bistro verpachtet. Doch die Wege von Pächter und Kommune trennten sich.

Seitdem fanden nur noch vereinzelt Veranstaltungen von Vereinen und Gruppen statt – 2010 etwa der von Jugendseelsorger Bernhard Schweiger initiierte Maitanz. Vor rund sechs Jahren dann das Aus durch die Versammlungsstättenverordnung. Der Saal wurde gesperrt, da es vor allem am Brandschutz mangelte. Beispielsweise fehlen Fluchttüren, und Teile der Einrichtung sind leicht entflammbar.

Reaktivierung nicht möglich

Den Abrissantrag stellt die Gemeinde im Januar 2011 beim Landratsamt. Knapp eineinhalb Jahre später will der umtriebige Kulturschaffende Eduard Speckmeier den Saal reaktivieren: Bis die Gemeinde weitere Entscheidungen bezüglich einer Nutzung des Gebäudekomplexes fällen kann, erklärt er sich bereit, „für eine sinnvolle, bevölkerungsfreundliche, kulturelle Nutzung zu sorgen“. Zustande kommt das nie, denn die Brandschutzregeln gelten nach wie vor.

Im Gemeinderat herrscht hingegen schon länger die Meinung: Das Gebäude gehört weg, besser gestern als heute. Schon im Juni 2006 ebnet das Gremium den Weg für ein Plangutachten, das die Ortsmitte neu gestalten soll. Beim Rathausneubau sind die Planungen weit fortgeschritten, seitens der Kirche ziehen sie sich hingegen.

Immer wieder personelle Änderungen im Ordinariat verhindern ein richtiges Voranschreiten der Planungen. Vieles ist noch unklar – die Beteiligung der Gemeinde am Pfarrsaal etwa. „Grundsätzlich wären wir dabei, aber Modalitäten gehören geklärt“, sagt Els.

Seit einigen Monaten ist immerhin ein Zeitfenster bekannt: Ende Februar soll die Musikkneipe Amarillo’s schließen. Das dürfte der Startschuss für den Abriss des Areals sein. Die Gemeinde selbst hätte ihren Teil – den Saal selbst – längst abreißen können. Doch das Amarillo’s bezieht Wasser, Strom und Heizung darüber. Und solange die Kneipe noch offen ist, wollte man nicht handeln, sagt Els.

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