Seit inzwischen zehn Jahren sind die Forsterner First Responder im Dienst. Inzwischen rücken sie mit ihrem BMW X3, der durch Spenden finanziert wurde, aus dem neuen Gerätehaus im Gewerbegebiet aus. Mehr als 1100 Einsätze haben die qualifizierten Ersthelfer seit ihrer Gründung bereits absolviert.
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Seit inzwischen zehn Jahren sind die Forsterner First Responder im Dienst. Inzwischen rücken sie mit ihrem BMW X3, der durch Spenden finanziert wurde, aus dem neuen Gerätehaus im Gewerbegebiet aus. Mehr als 1100 Einsätze haben die qualifizierten Ersthelfer seit ihrer Gründung bereits absolviert.

Zwangspause wegen Corona

Zehn Jahre First Responder Forstern: Weil im Notfall jede Minute zählt

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Ein kleines Jubiläum feiert die Feuerwehr Forstern dieser Tage: Ihre First-Responder-Gruppe gibt es seit zehn Jahren. Nach der coronabedingten Zwangspause hat sie kürzlich ihren Dienst wieder aufgenommen.

Forstern– Am 1. Juni 2010 sind die First Responder der Forsterner Feuerwehr gestartet. An Bord waren 14 aktive First Responder, darunter ein Rettungsassistent. Der erste Einsatz ließ damals nicht lange auf sich warten: Schon am 5. Juni, nur vier Tage nach der Gründung, wurde die Gruppe alarmiert.

Seitdem hatte sie einiges zu tun: „In zehn Jahren sind wir über 1100 Einsätze gefahren“, berichtet Rainer Streu, Bürgermeister von Forstern, (noch) Kommandant der Feuerwehr und von Anfang an bei den First Respondern. Wie stark sie gefragt sind, zeigt ein Blick in die Statistik: Im vergangenen Jahr etwa waren es 111 von insgesamt 172 Alarmierungen.

Corona zwang die Helfer in eine Pause

Am Ende dieses Jahres dürfte die Gruppe wohl weniger unterwegs gewesen sein. Nicht etwa, weil der Bedarf abnehmen würde, sondern wegen der Corona-Pandemie. Denn zwischen Mitte März und Ende Mai stand das Angebot still. „Nachdem es sich beim First Responder um eine freiwillige Tätigkeit der Feuerwehren handelt, mussten wir am 18. März schweren Herzens die Einsatztätigkeit einstellen“, berichtet Streu. Bis dahin weist die Statistik von 2020 schon 24 internistische, chirurgische und sonstige Notarzteinsätze auf.

Die Einstellung des Angebots erfolgte laut Streu in Absprache mit der Kreisbrandinspektion und wurde bei allen Gruppe so umgesetzt. Inzwischen ist es wieder am Start: „Seit 30. Mai rücken wir wieder aus – mit besonderen Hygienemaßnahmen und nur noch mit zwei Kräften“, erklärt Streu. So betreten etwa im Alarmfall nur noch die beiden ersten Aktiven das Gerätehaus, der Rest fährt wieder nach Hause.

Auch bei der Arbeit am Patienten spiele Corona ein große Rolle, und es müssten spezielle Abfragen erfolgen. Zweimal waren die First Responder seit Ende Mai schon wieder gefragt.

Bei Notfällen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt zählt jede Minute

Die qualifizierten Ersthelfer rücken bei Notfalleinsätzen aus, wenn der nächste Rettungswagen weiter als zehn Kilometer entfernt ist, beziehungsweise bei Notarzteinsätzen im Radius von fünf Kilometern. Die Integrierte Leitstelle Erding alarmiere je nach Meldebild. Dabei soll der First Responder das sogenannte therapiefreie Intervall überbrücken – die Zeit, die bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes beziehunsgweise des Notarztes vergeht. Denn bei Notfällen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt zählt jede Minute.

„Notfälle in der Bevölkerung hatten bereits gezeigt, dass schnelle Hilfe vor Ort lebensentscheidend sein kann. Daher entschied eine kleine Gruppe der Feuerwehr Forstern, diese Einheit ins Leben zu rufen“, heißt es zur Gründung auf der Internetseite der Feuerwehr. Sie verfügt inzwischen über 26 First Responder, darunter drei Rettungsassistenten, fünf Rettungssanitäter und einen Azubi zum Notfallsanitäter.

Der Einsatzwagen ist ein Bürger-Auto

Dass die schnelle Erstversorgung in der Bevölkerung sehr gut ankommt und die Forsterner hinter ihrer Wehr stehen, zeigt unter anderem das Ergebnis einer großen Spendenaktion. 48 000 Euro haben die Forsterner damals für ein neues Fahrzeug gespendet, der BMW X3 trägt den Funkrufnamen „Florian Forstern 10/1“ (wir berichteten).

Bei der offiziellen Indienstnahme samt Segnung im Oktober 2014 zeigte sich Streu „besonders stolz“ über diesen Erfolg. Und auch der damalige Bürgermeister Georg Els lobte die Spendenbereitschaft der Forsterner: „Das ist wirklich ein Bürger-Auto und zugleich eine Motivation, nicht nur für die jungen Aktiven.“ So sind die Ersthelfer sicher unterwegs. Voriges Jahr folgte noch der Ausbau des Kofferraums, um das Equipment optimal verstauen zu können.

Übungsbetrieb startet wieder

Apropos Equipment: In den zehn Jahren ihres Bestehens hat sich die Ausstattung der First Responder kontinuierlich verbessert – neuer Rucksack, neue O2-Tasche mit Oxylator, neue Absaugpumpe. „So sind wir optimal ausgestattet, um euch helfen zu können“, schreibt die Feuerwehr anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens auf Facebook.

Nach vielen Wochen des Lockdown nimmt die Wehr den allgemeinen Übungsbetrieb übrigens ab dem heutigen Montag wieder auf. Jedoch „alles nur in Kleingruppen und unter strengen Schutzmaßnahmen“, erklärt Streu.

Wie lange der diesen März gewählte Bürgermeister noch Kommandant sein wird, steht indes noch nicht fest. Corona hat Neuwahlen bisher verhindert. Bis es so weit ist, hat der derzeitige 2. Kommandant Matthias Belmer, der dieses Amt seit 2017 bekleidet, bereits mehr Verantwortung in der Wehr übernommen.

vam

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