Am Baugebiet an der Bachhamer Straße gibt es bereits ein doppeltes Rückhaltebecken, Entwässerungsgräben, eine Wasserüberleitung mit Durchlass unter der Straße in andere Gewässer sowie Zisternen in jeder Bauparzelle.
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Am Baugebiet an der Bachhamer Straße gibt es bereits ein doppeltes Rückhaltebecken, Entwässerungsgräben, eine Wasserüberleitung mit Durchlass unter der Straße in andere Gewässer sowie Zisternen in jeder Bauparzelle.

Sturzflut-Konzept der Gemeinde: Ergebnisse des geförderten Pilotprojekts sind da

180 Pläne für den Fraunberger Hochwasserschutz

Schwarz auf Weiß hat die Gemeinde Fraunberg nun das Ergebnis des 2018 in Auftrag gegebenen Sturzflut- Management-Konzepts. Damit wappnet sie sich für künftige Hochwasserprobleme und Überschwemmungen. Es ist durch ein Sonderförderprogramm der Regierung mit 90 Prozent gefördert, wie Bürgermeister Hans Wiesmaier erläutert.

VON THOMAS OBERMEIER

Fraunberg – Heiko Nöll von der CDM Smith Consult GmbH aus München war mit einer Sackkarre in den Fraunberger Sitzungssaal gekommen. Er hatte drei komplette Sätze an Ordnern dabei mit detailliert ausgearbeiteten 180 Plänen und Darstellungen.

Die bei Starkregen hochwassergefährdete Gemeinde war 2018 für die Erstellung eines Sturzflut-Risikomanagements mit dem Ziel „erkennen, warnen und schützen“ als Pilotgemeinde ausgewählt worden und hatte dafür aus den Händen der damaligen Umweltministerin Ulrike Scharf einen Förderscheck über 150 000 Euro erhalten. Wiesmaier bedauerte allerdings, dass die mit der Aktion verbundenen Workshops zusammen mit den Bürgern coronabedingt nicht stattfinden konnten. „Wir werden aber zu gegebener Zeit der Bürgerschaft bei Interesse das Konzept erläutern“, sagte er. Entscheidend sei im Konzept aber „nicht der Plan, sondern wie er sich umsetzen ließe“, so der Bürgermeister.

Fachmann Nöll erklärte, dass dem aufwendigen Sturzflut-Konzept in vielen Ortsterminen eine Bestandsanalyse von acht fließenden Gewässern, darunter die Strogen, vorausgegangen sei. Die habe sich über 46 Flusskilometer und 60 Hektar Gemeindegebiet erstreckt. Anschließend seien unter Berücksichtigung der Topografie an digitalen Gemeindemodellen verschiedene Beregnungs- und Regenereignisse sowie Überflutungsszenarien simuliert worden. Auch bereits bestehende vergangene Ereignisse habe man ermittelt und Lösungen erarbeitet.

Die Erkenntnisse laut Nöll: Das Wasser bleibt auf der westlichen Strogenseite eher stehen, bei flachem Gelände und einer niedrigen Wassertiefe. Probleme beim Fließwasser gebe es im hügeligen Gelände in Hinter- und Vorderbaumberg, Riding sowie in Maria Thalheim.

Aktenarbeit steht Bürgermeister Hans Wiesmaier bevor. Die Ordner zum Sturzflut-Konzept hatte Heiko Nöll vorbeigebracht (v. l.).

Das Gesamtergebnis bilde eine Grundlage für Rückhaltemaßnahmen in den verschiedenen Ortsteilen und Abflussgebieten. „Da können manchmal schon Rückhaltebecken, Gräben oder kleine Mauern ausreichen“, aber auch Eigenschutz privater Flächen durch ihre Besitzer sei wichtig, so der Diplom-Ingenieur. Wiesmaier freut sich, „dass wir nun eine Plangrundanlage haben, denn eine Gemeinde schafft das alleine nicht. Wir dürfen der Zufälligkeit nicht mehr diesen Raum geben.“

Eine erste Schutzmaßnahme hat die Gemeinde bereits am neuen Baugebiet an der Bachhamer Straße realisiert. Dort gibt es Entwässerungsgräben, ein doppeltes Rückhaltebecken, eine Wasserüberleitung mit Durchlass unter der Straße in andere Gewässer sowie Zisternen in jeder Bauparzelle.

„Dieses Schema werden wir künftig bei jedem neuen Bauprojekt und in jedem neuen Baugebiet umsetzen“, kündigte Wiesmaier an, machte aber zugleich deutlich: „Wir brauchen auch die Bereitschaft der Bürger bei der Umsetzung, ihre eigenen Erfahrungen und ihr Wissen um die lokalen Gegebenheiten.“

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