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Zum Gedenken an Mord- und Unfallopfer, aber auch an Freundschaft stellten Bürger aus Kemoding, Rappoltskirchen und Großhündlbach das Kreuz auf. Dabei waren Diakon Christian Pastötter (vorne), „Fertlbauer“ Josef Deutinger (l. neben dem Kreuz), Maria Huber mit ihrem Mann Harald (r. neben dem Kreuz) und Andreas Faltermaier (r.).

An der B 388 bei Kemoding 

Ein Kreuz für die weiße Frau vom Köhlholz

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Eine schreckliche Bluttat entsetzte 1831 den Landkreis. In einem Wald bei Kemoding wurde die schwangere Anna Schwarzenberger ermordet. Seitdem sprechen die Menschen von der weißen Frau vom Köhlholz, die keine Ruhe findet. Unter anderem daran erinnert nun ein Kreuz.

Kemoding– Ein großes Holzkreuz im Köhlholz direkt an der B 388 bei Kemoding erinnert seit zwei Wochen an mehrere Ereignisse: an schreckliche Unfälle und einen blutigen Mord im Jahr 1831, aber auch an eine wundervolle Freundschaft. Auf Initiative von Andreas Faltermaier aus Kemoding wurde das 2,5 Meter hohe „Fertlbauernkreuz“ aufgestellt – wieder aufgestellt muss man sagen, denn an dieser Stelle stand lange ein Marterl dieses Namens, das aber vor ein paar Jahren verschwunden ist.

Oldenburger Eiche bei bayerischen Fichten 

Daher war es dem „Fertlbauern“, Josef Deutinger aus Ferteln, eine Ehre, kräftig mit anzupacken. Ebenso Diakon Christian Pastötter, der das Kreuz segnete. Ein kleines Taferl erinnert an eines der vielen Unfallopfer an der B 388, laut Faltermaier einem der gefährlichsten Straßenabschnitte in Deutschland. Auf dem weißen Schildchen steht „Irma Scheidhammer“. Sie verstarb 2010 im Alter von 77 Jahren genau an dieser Stelle. Ihre Tochter Maria Huber und ihr Mann Harald Huber aus Inning am Holz schraubten das Emaille-Schild fest. „Ein besonders ergreifender Moment“, meint Faltermaier.

Er selbst hat auf dem anderen Schild an dem Kreuz verewigt, was es aussagen soll und welche Vorgeschichte es hat. Dem DHL-Betriebsratsvorsitzenden aus Kemoding geht es auch um die Landjugendbewegung in den Jahren 1975 und 1976. In dieser Zeit war er in Rappoltskirchen aktiv, und es entwickelte sich eine Freundschaft mit Jugendliche aus dem Raum Oldenburg im Münsterland. Die Landjugendgruppen besuchten sich oft gegenseitig. Insbesondere zur Familie Pohlschneider im Münsterland pflegt Faltermaier noch eine Freundschaft.

Und so kam es, dass die Pohlschneiders für das Kreuz in Oberbayern das Holz aus Südoldenburger Eiche spendeten. Der Kemodinger transportierte die Balken selbst in der Faltermaierschen Familienkutsche die 800 Kilometer gen Süden.

Das Mordopfer, das nie zur Ruhe kam

Das Köhlholz ist eines der größten Waldgebiete im Landkreis und erstreckt sich von Kreuthäusl an der B 388 bis zum Danerberg ein Stück vor Ottering. Vor Jahrzehnten machte dort die Bürgerinitiative „Rettet das Köhlholz“ von sich reden, die eine Mülldeponie an der Stelle verhinderte. Doch seit dem 19. Jahrhundert war der Wald vor allem für einen grauslichen Mord bekannt.

Der ledige Bauer M.G. aus H. (Personen mit dem Namen gibt es heute noch, darum keine Nennung) war daran beteiligt. Er hatte am 31. Juli 1831 seiner Geliebten Anna Schwarzenberger aus Lern (Berglern) vorgespiegelt, sie auf den Jahrmarkt nach Dorfen einzuladen. Er brachte sie aber dann im Köhlholz um. Der Mord blieb fast drei Wochen unentdeckt, bis sich G. stellte. Vor Ort stellte sich heraus, dass er nach zahlreichen Hieben noch 14 Mal auf die die junge Frau eingestochen hatte. Nachdem sie immer noch nicht tot war, drückte er ihren Kopf so lange unter Wasser, bis sie erstickte.

Besonders schrecklich: Anna Schwarzenhuber war im achten Monat schwanger. Die damalige Zeitung, die Bayerische Landbötin, bezeichnet den Täter als „Auswürfling der Menschheit“. G. wurde zum Tode verurteilt. Seine Mutter erreichte jedoch durch Vorsprache beim König, dass die Todesstrafe in lebenslange Kettenstrafe umgewandelt wurde. G. ist vermutlich im Zuchthaus gestorben.

Ein Schaudern befällt dort die Menschen

Seitdem gibt es die Legende, dass Anna bis heute nicht zur Ruhe gekommen ist. Wenn man durch das Köhlholz fährt, kann es sein, dass einem ein Schauer über den Rücken läuft. Dunst oder Nebel umfassen den Radfahrer oder das Auto. Manchmal soll sich Anna auch auf den Beifahrersitz setzen und einen mit großen traurigen Augen ansehen. Gerade Ende August, Anfang September soll ein leises Weinen oder Schluchzen zu hören sein. In dieser Jahreszeit wäre Annas Kind zur Welt gekommen.

„Früher haben die Bauern ihre Fuhrwerke mit hohem Tempo durchs Köhlholz gepeitscht“, erzählt Faltermaier. Viele Menschen würden auch heute noch berichten, dass sie eine tiefe Traurigkeit befällt, wenn sie durch das Köhlholz fahren.

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