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Ab wann ist man ein Lebensmittelbetrieb, der regelmäßig kontrolliert werden muss? Busreisen Scharf gibt zwar zum Teil Proviant aus, glaubt aber nicht, unter eine umstrittene Lebensmittelverordnung zu fallen. Jetzt gab es deswegen Diskussionen mit Foodwatch.

Ausgabe von Lebensmitteln

Wegen Sekt und Häppchen: Busunternehmen im Visier von Foodwatch

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Ging es Foodwatch hier um Verbraucherschutz oder doch eher um öffentliche Beachtung? Die Organisation hat ein Auge auf das Busunternehmen Scharf geworfen - wegen der Ausgabe von Lebensmitteln. Das Landratsamt erhielt einen Fragenkatalog. In der Folge untersuchte die Behörde den Betrieb – wegen Sekt und Häppchen. Hintergrund der Aktion ist eine EU-Verordnung.

Tittenkofen - Das Busunternehmen Scharf aus Tittenkofen (Fraunberg) bietet auch Reisen an. Bei so mancher Tour bekommen die Passagiere vorher ein Glas Sekt und Snacks – zehn bis 15 Mal seit 2004, so Geschäftsführer Martin Scharf. „Der Sekt ist in Flaschen, das Essen liefert verpackt und gekühlt ein Caterer. In den Fahrzeugen gibt es Getränke, im Erdinger Fanbus wird Bier ausgeschenkt – von hygienegeschulten Mitarbeitern aus einer vor und nach jeder Fahrt gereinigten Zapfanlage“, so Scharf.

Aber ist es deswegen ein registrierungspflichtiges Lebensmittelunternehmen im Sinne der EU-Verordnung 852/2004? Die Organisation Foodwatch glaubt das – und wird aktiv. Sie schickt nach den Worten eines Foodwatch-Sprechers dem Landratsamt als örtliche Überwachungsbehörde einen Fragenkatalog, ob es bei Scharf Lebensmittelkontrollen gegeben habe. Die Behörde antwortet, dass ihr keine Registrierung vorliege. In der Tat: Das Unternehmen Scharf sieht sich nicht als Lebensmittelunternehmen. Anfang September bekommen die Brüder Andreas und Martin Scharf Besuch von den Kontrolleuren aus Erding. „Den Bericht haben wir noch nicht. Beim Rundgang wurden uns aber keinerlei Auffälligkeiten gemeldet.“

Am 15. September flattert dem Umweltministerium ein Fragenkatalog von Foodwatch auf den Tisch. Der Inhalt lässt den Schluss zu, dass es der Organisation in erster Linie um eine Schlagzeile ging. Denn das Ministerium leitet bekanntlich Ulrike Scharf, Schwester der beiden Unternehmer Martin und Andreas. Die 49-Jährige hat sich aus dem operativen Geschäft verabschiedet, als sie vor genau vier Jahren Mitglied der Staatsregierung wurde. Foodwatch verlangt dennoch Aufklärung, wie  Scharf als stille Teilhaberin Unternehmertum und Politik in Einklang bringe und ob es da keine Interessenskonflikte gebe. Zudem wird auch das Ministerium auf die noch erfolgte Registrierung von Scharf-Reisen verwiesen.

Martin Scharf erklärt: „Wir halten uns nicht für einen Lebensmittelbetrieb. Die EU-Richtlinie lässt einen Spielraum. Weil wir aber nichts zu verbergen haben, sind wir nun angemeldet. Uns kann man immer kontrollieren.“

Die strenge Auslegung hält er für Irrsinn. „Wie soll Lebensmittelüberwachung seriös funktionieren, wenn jeder, der einem Kunden einen Kaffee ausschenkt, als zu kontrollierender Betrieb gilt?“ Auch das Ministerium verweist auf den Spielraum, den die Verordnung lasse.

Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler versichert, man frage regelmäßig bei Betrieben an und recherchiere in Sachen Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz. 

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