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Kommunist, Jude, Widerstandskämpfer: Peter B. Heim schreibt Biografie

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Der Fraunberger Autor Peter B. Heim.
Peter B. Heim hat sich für die Biografie über seinen langjährigen Kollegen Kurt Hirsch auf Spurensuche begeben. © Peter B. Heim

Schreibend im Kampf gegen den Rechtsextremismus: Diesen Weg ging Kurt Hirsch, ein 1913 in Wien geborener Jude. Dessen Biografie hat nun der Fraunberger Autor Peter B. Heim veröffentlicht.

Fraunberg - Nach dem Tod von Kurt Hirsch im Jahr 1999 nahm sich der Fraunberger Autor Peter B. Heim Hirschs Aufzeichnungen an und führte seine Biografie zu Ende, die nun unter dem Titel „Zwischen den Stühlen – Aufrecht“ im Schillo Verlag erschienen ist.

Der Buchtitel zog sich durch das komplette Leben von Kurt Hirsch. Er war Jude, Kommunist, Revolutionär, Widerstandskämpfer – und stand stets aufrecht, ließ sich nicht verbiegen. Dabei hat Hirsch Spuren hinterlassen. Und auf die Suche nach diesen Spuren hat sich Peter B. Heim gemacht, als er sich der Aufgabe widmete, das Leben seines langjährigen Kollegen aufzuschreiben. Er hat mit Hirsch zusammengearbeitet, gemeinsam Bücher publiziert und letztlich war klar: „Wenn er nicht mehr dazu kommt, seine Biografie zu schreiben, mache ich das.“

Als Grundlage diente das Archiv, das Hirsch Heim überlassen hat. Die größte Aufgabe war es für Heim nun, Struktur zu schaffen und die Geschichte zu erzählen unter Einbeziehung der Zeitgeschichte. Mit Begleitmaterial der politischen Umstände sowie Zitaten aus anderen Texten zum Zeitgeschehen soll das Buch nicht nur aus dem Leben von Hirsch erzählen, sondern auch die Zeit darstellen, in die Hirsch hineingeboren wurde.

„Durch die Spurensuche habe ich mehr von ihm begriffen“, erzählt Heim über die Arbeit mit dem Archivmaterial. Betroffene haben aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg häufig nicht viel erzählt. „Kurt Hirsch war hier keine Ausnahme“, erzählt Heim. Angesichts seiner Erlebnisse nachvollziehbar. Umso wertvoller für das Schreiben waren für Heim deshalb die Arbeitsunterlagen, anhand derer er Hirschs Leben chronologisch aufarbeiten und dokumentarisch nacherzählen konnte.

Der Weg zum Buch war nicht immer leicht. Besonders betroffen war Heim, nachdem er das Kapitel über die Zeit um 1945 abgeschlossen hatte. „Ich habe drei Monate nicht geschrieben“, erzählt er. Konfrontiert mit den menschlichen Abgründen musste der Fraunberger diese zuerst verarbeiten.

Dennoch war Heim, so sagt er, froh darüber, die Möglichkeit zu haben „über das Leben schreiben zu dürfen“. Denn Hirsch positionierte sich als Autor und Publizist klar gegen Rechts. Den Kampf gegen Neonazis und rechten Ausländerhass führte er mit zahlreichen Büchern, Publikationen und als Journalist.

Es sei eine Herausforderung als Biograf, so Heim, sich selbst als Schreibenden aus der Erzählung zurückzunehmen. „Es ist eine Illusion zu glauben, dass man objektiv sein kann“, erklärt der Autor. Tonfall und Formulierungen fließen mit ein und in einigen Punkten beziehe er Stellung. Aber in einer Biografie „geht es um den anderen Menschen“. Dabei komme es nicht darauf an, ob dieser Großartiges geleistet habe.

Grundlage für eine Biografie sei laut Heim „ein Leben, das gelebt worden ist“. Und Hirsch hat gelebt. Die Themen, um sie sich sein Leben gedreht haben, sind zeitlos. „Der Kampf gegen den Faschismus hat immer noch Tagesaktualität“, so Heim. Er bestehe auch weiterhin.

Als Autor und Publizist war Hirsch über zwei Jahrzehnte ein Kollege Heims, der selbst seit den 1980er Jahren im Bereich Sachbuch und Belletristik publizierte. Außerdem war Heim als Lokaljournalist tätig und schrieb und inszenierte einige Theaterstücke. Auch jetzt im Ruhestand macht ihn das noch aus: „Ich schreibe“, sagt er aus Überzeugung. Und dabei geht es ihm darum, aus einzigartigen Schicksalen und Leben Geschichten zu erzählen.

Das Buch

„Zwischen den Stühlen – Aufrecht“ von Peter B. Heim, Schillo Verlag, 336 Seiten, ISBN: 978-3-944716-48-0, 18 Euro

VON JOHANNA FURCH

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