Der Putz ist ab an diversen Stellen der „Kapelle beim Bauern am Berg“. Auch einige Risse ziehen sich durchs Mauerwerk. „Lieber Herrgott, mach, dass meine Kapelle bald wieder in neuem Glanz erstrahlen kann“, scheint die Marienfigur zu beten.
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Der Putz ist ab an diversen Stellen der „Kapelle beim Bauern am Berg“. Auch einige Risse ziehen sich durchs Mauerwerk. „Lieber Herrgott, mach, dass meine Kapelle bald wieder in neuem Glanz erstrahlen kann“, scheint die Marienfigur zu beten.

Bürger wünschen sich eine Sanierung der Maria Thalheimer „Kapelle beim Bauern am Berg“

Die kleine Kapelle von Maria Thalheim: Der Glanz ist verblichen

Über 150 Jahre alt ist die kleine "Kapelle beim Bauern am Berg" in Maria Thalheim. Doch der Zahn der Zeit nagt an ihr. Bürger wünschen sich eine erneute Sanierung. Das Thema ist aber nicht ganz so einfach.

VON FRIEDBERT HOLZ

Maria Thalheim – „Droben stehet die Kapelle, schauet still ins Tal hinab“, schwärmte einst der schwäbische Dichter Ludwig Uhland von einer beschaulichen Szenerie auf dem Land. Auch bei Maria Thalheim, etwas oberhalb des Ortes an der Nußbaumstraße, befindet sich eine kleine Kapelle, bei den Anwohnern unter dem Namen „Kapelle beim Bauern am Berg“ bekannt. Leider ist ihr ehemaliger Glanz längst verblichen, eine Sanierung würde dem kleinen Kirchlein gut stehen. Doch dafür sind einige Probleme zu überwinden.

Auch wenn der berühmte Poet wohl nie in Maria Thalheim war, hätte er den Bau der winzigen Gebetsstätte noch erleben können: Angeblich entstand die Kapelle in den Jahren 1857 bis 1859, Uhland starb 1862.

Aus der Fraunberger Chronik ist zu entnehmen, dass der einstige Besitzer des dortigen Hofs am Berg, Balthasar Kressierer, als Dank für die Heilung nach einem schweren Gallenleiden die Marien-Kapelle hatte bauen lassen. Außen wie innen ist sie sehr schlicht gehalten, trägt ein Blechdach. Eine einfache Holztür mit Gitter, vor dem ein Betstuhl steht, trennt die Altarnische mit einer Marienfigur vom kleinen Vorbau. Wer um die Kapelle herum geht, entdeckt sehr schnell, wie der Zahn der Zeit am Gebäude genagt hat: Farbe und Putz sind an vielen Stellen abgeblättert, auch einige Risse im Mauerwerk zeigen sich. Selbst die Sitzbank direkt neben der Kapelle, die zum Verweilen einlädt, ist beschädigt.

Schon einmal, als die Stichstraße zum Bauern am Berg ausgebaut wurde, musste der Hügel, auf dem die Kapelle steht, angeschnitten werden. Dabei wurde ihr Baukörper etwas beschädigt, der Unterbau drohte abzurutschen. 1986 aber hat der Besitzer der Kapelle, Johann Kressierer, diese renoviert. Mittlerweile sind über 20 Jahre ins Land gegangen, der Eigentümer hat gewechselt, und einige Bürger fordern eine erneute Sanierung.

„Hier gibt’s eine schöne Tradition“, meinen etwa zwei Frauen aus der Gemeinde: „Immer zur letzten Maiandacht in der Wallfahrtskirche versammeln sich Gläubige vor dieser Kapelle und gehen in einer Lichterprozession den Berg hinunter. Am viel besagten Hollerbusch, wo einst Maria als Bild einigen Menschen erschienen sein soll, singt der Chor die Allerheiligen-Litanei, um unter Blasmusikklängen zur Andacht in die Kirche einzuziehen.“ Viele Kirchgänger würden es daher gerne sehen, wenn das Kirchlein am Berg wieder in einem guten Zustand wäre.

Die Kapelle könnte durchaus eine Frischzellenkur vertragen.

Tatsächlich hat Erich Käsmaier, Bauunternehmer im Ort und seit 2000 nun Besitzer der Kapelle, schon einige Anläufe unternommen, das Bauwerk zu sanieren, um es der Nachwelt zu erhalten. „Eigentlich wollte ich an gleicher Stelle eine ganz neue Kapelle bauen. Dann aber mit einem Eingang, der von der Nußbaumstraße her zu sehen ist, etwas weiter zurückversetzt auf dem kleinen Hügel. 2014 haben wir als Hilfsmaßnahme den Boden rund um die Kapelle herum schon einmal aufgegraben, damit das Regenwasser besser versickern kann“, berichtet Käsmaier. Doch gegen einen Neubau verwehre sich das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege.

Bei einer Besichtigung der Kapelle im Juli 2017 mit Behördenvertreterin Dr. Hildegard Sahler aus München, Helmut Miller von der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Erding, Kreisheimatpfleger Hartwig Sattelmair und Fraunbergs Bürgermeister Hans Wiesmaier wurde als Ergebnis notiert: Die Kapelle muss ihre Lage, Ausrichtung und Grundmaße erhalten, Mauerwerk und Außenfassade könnten ausgebessert werden. Auch ein neues Dach sowie ein kleines Vordach am Eingang als Wetterschutz wären laut Amt erlaubt.

Die Experten sprachen sich damals dafür aus, das Erdreich westlich der Kapelle etwas abzutragen und den südwestlichen Hang zu „entbuschen“. Damit hätte die Kapelle eine optisch höhere Position, die Blickachse auf Ort und umgebende Landschaft wäre offener. Zudem hätte die dann intensivere Einstrahlung der Sonne auf das Mauerwerk einen Trocknungseffekt.

„Für alle diese Maßnahmen wären mindestens 20 000 Euro notwendig“, überschlug Käsmaier bei einer erneuten Besichtigung vor kurzem die anfallenden Sanierungskosten. Er möchte jedoch vorerst aus eigener Tasche kein Geld mehr in die marode Kapelle stecken und wartet auf eine Entscheidung von Gemeinde und Denkmalamt.

Die Kommune würde es begrüßen, wenn sich endlich etwas in dieser leidigen Sache bewegt. Bürgermeister Hans Wiesmaier dazu: „Es ist uns ein Anliegen, diese Kapelle zu erhalten. Eine Renovierung würde unter gewissen Bedingungen sogar vom Staat bezuschusst. Doch zuerst einmal sollte geklärt werden, ob und auf welche Weise eine Erhaltung dieses Baus gelingen kann.“

Hier dreht sich nun das Entscheidungskarussell: Den erlaubten Umbau könnte Käsmaier zwar erfüllen und umsetzen. Doch was die Bezuschussung des Projekts angeht, hat das Landesamt für Denkmalpflege bisher eingeschränkt. So steht im Protokoll der Besichtigung aus dem Jahr 2017, dass die Höhe der finanziellen Zuwendung „abhängig ist von der sich jährlich ändernden Mittel-Zuweisung an das Amt seitens der Bayerischen Staatsregierung“. Es könnten jedoch Fördermittel von Kommune, Landkreis oder Bezirk abgerufen werden.

Vielleicht nähert sich bald der Tag, an dem die Kapelle – schön hergerichtet – wieder ins Tal hinunter blicken kann.

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