Die geplante Trasse der Nordumfahrung Erding (ED 99) zeigt diese Grafik. Grafik: Timo Aichele
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Die geplante Trasse der Nordumfahrung Erding (ED 99) zeigt diese Grafik.

Scharfe Kritik an geplanter Trasse

ED 99: Bockhorn und Fraunberg wehren sich gegen Nordumfahrung

  • Friedbert Holz
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Zwei Gemeinden, ein Ziel: Die Gemeinden Bockhorn und Fraunberg lehnen die geplante Trasse der Nordumfahrung Erding (ED 99) ab und erläutern ihre Argumente.

Fraunberg/Bockhorn - Immer noch viele Einwände hat der Gemeinderat Fraunberg in seiner Sitzung vorgebracht. Da eine Stellungnahme der Gemeinde im Rahmen des Anhörungsverfahrens bis 14. Juni abgegeben werden muss, formulierten Bürgermeister Hans Wiesmaier und die Ratsmitglieder nun noch einmal alle kritischen Punkte aus Sicht der Kommune. Letztlich lehnt das Gremium diesen ersten Tektur-Vorschlag mehrheitlich ab.

„Schon vor 21 Jahren war diese Straße Thema im Kreistag“, erinnerte Wiesmaier an erste Überlegungen für die ED 99. „Und schon damals haben die betroffenen Gemeinden stark moniert, dass bei der Planung landwirtschaftlich wertvolle Flächen nach Möglichkeit nicht davon betroffen sein sollten.“

Nun aber, da ist sich das Fraunberger Gremium sicher, werden ein üppig dimensionierter Kreisverkehr bei Grucking, eine große Überführung und eben jene Umfahrung geplant, acht Meter breit und ausgewiesen als sogenannte Kraftfahrstraße. Weil der Bund keinerlei Beteiligung an diesem Projekt hat, wird die Nordumfahrung auch nicht als Bundesstraße deklariert. Sie wird als Kreisstraße geführt, jedoch mit der Auflage, dass sich dort nur Fahrzeuge bewegen dürfen, die mindestens 60 km/h schnell sind.

Damit können Landwirte, deren Felder in der Nähe der Umgehung liegen, hier nicht mit ihren Traktoren oder Mähdreschern fahren. Dazu der Tenor im Gemeinderat: Wie sollen, ohne riesige Umwege, diese Felder zu erreichen sein? Wie wird eine dann möglicherweise notwendige Grundstücke-Neuordnung aussehen? „Dabei tut sich Fraunberg schon jetzt schwer mit der ED 99“, so der Rathauschef weiter, „weil der Flächenverbrauch dafür viel zu groß ist. Und in der vorliegenden Planung sind für die hier lebenden Menschen noch nicht einmal Radwege vorgesehen.“

Einige Gemeinderäte wünschen sich eine präzise Erläuterung des vorgesehenen Straßenverlaufs durch einen Experten. Und sie können nicht verstehen, weshalb die Planer auf dem Trassenverlauf auch auf Fraunberger Gebiet beharren. 2. Bürgermeister Hans Rasthofer (WG Reichenkirchen) etwa fragte, weshalb eine solche Straße künftig nicht durch das Areal des ehemaligen Fliegerhorsts laufen könnte. Dies wäre nicht nur sinnvoll und gewünscht von der Nachbargemeinde Bockhorn, ein solcher Verlauf würde auch weniger landwirtschaftlich nutzbaren Boden belasten. „Warum steht diese noch südlichere Trasse Süd III eigentlich gar nicht mehr zur Diskussion?“

Letztlich einigte sich der Gemeinderat darauf, die schon 2014 vorgebrachten Einwände gegen die Nordumfahrung nochmals zu bekräftigen und vor allem die Kategorisierung als Kraftfahrstraße zu überprüfen.

Bockhorn: 140 private Einwendungen

Acht Seiten umfasst das Schreiben eines Rechtsanwalts an die Regierung von Oberbayern, in dem die Gemeinde Bockhorn ihre Einwendungen gegen die Nordumfahrung vorbringt. Dieses Papier, das bis 28. Juni abgesandt sein muss, wurde jetzt dem Gemeinderat vorgestellt. Neben diesen Argumenten laufen derzeit rund 140 weitere Einwendungen von privaten Absendern. Geschäftsleiter Heinz Schoder vermutet noch mehr: „Vor einigen Jahren hatten wir sogar weit über tausend Eingaben gegen die geplante neue Trasse.“

Die Gemeinde bringt im Schreiben des Juristen einige gravierende Argumente gegen die ED 99 vor. So gebe es keinerlei Rechtfertigung für die Planung dieser neuen Straße. Die Begründung für eine angebliche Notwendigkeit beruhe noch auf Verkehrserhebungen und Zahlen, die zwölf Jahre alt und nicht nur wegen der Corona-Pandemie-Situation längst überholt, ja „obsolet“ seien.

Auch sei eine völlig unzutreffende Klassifizierung dieser Straße gewählt worden. „Bei einer richtigen Einstufung wäre hier eine Bundesstraße geboten, mindestens eine Staatsstraße.“ Jetzt, eingestuft als Straße des Landkreises, könne sie nicht überregionalem Verkehr dienen, „der Landkreis ist der falsche Träger“. Auch fehle ein Raumordnungsverfahren, da hier doch „ein Vorhaben von erheblicher überörtlicher Raumbedeutsamkeit“ vorliege. Dies hätte bereits vor einem Planfeststellungsverfahren erfolgen müssen.

Schließlich würde auch der Neubau der B 388-Ortsumfahrung Erding, nun vordringlich im Bundesverkehrswegeplan enthalten, kein Raumordnungsverfahren entbehrlich machen.

Zudem wird in diesem Schreiben auch massive Kritik an der Wahl der geplanten Trasse laut. Mögliche Trassen durch den Fliegerhorst seien „in unzulässiger Weise ausgeschieden worden“. Dabei wären gerade diese wegen geringerer Streckenlänge wirtschaftlicher zu realisieren und würden beim Schutz von Wasser, Luft, Natur und Klima gleich gut bewertet wie die jetzige Wahl. Vor allem aber sei bei einer Trasse durch den Fliegerhorst kein unnötiger Flächenverbrauch von Ackerland erforderlich. Es sei, so im Schreiben, „eindeutig abwägungsfehlerhaft“, bei der Trassenwahl vorrangig die städtebauliche Entwicklung Erdings berücksichtigt zu haben, obwohl diese auch bei Bockhorns Vorschlag „absolut ausreichend“ berücksichtigt werde.

Zu Lasten der Gemeinde gehe aber stattdessen, auf Kosten von Erdinger Interessen, eine massive Mehrbelastung ihrer Straßen durch überörtlichen Verkehr, gerade in den kleinen Teilorten. So sei in unmittelbarer Nähe von Schule und Kindergarten in Bockhorn eine Zunahme täglicher Fahrzeuge zu erwarten. Absichernde oder Lärmschutz-Maßnahmen wären dort nicht möglich.

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