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„Gemeinsam sind wir alt geworden“, sagt Alfons Huber (57) über sein Trike.

Porträt von Alfons Huber

Ein Mann und sein Trike

Das Trike von Alfons Huber hat heuer 30. Geburtstag gefeiert und ist damit ein Oldtimer. Doch erst ein Schicksalsschlag brachte den Fraunberger zu dem besonderen Gefährt.

FraunbergDas Motorradfahren war schon immer seine Leidenschaft. Doch bei einem tragischen Unfall verlor Alfons Huber sein rechtes Bein. Er war gerade einmal 20 Jahre alt. Zurück in die Biker-Welt ging es für den Fraunberger auf einem Trike. Das war vor genau 30 Jahren und das Gefährt damals noch ein ziemlicher Exot auf den Straßen. „Staunende Blicke, Bewunderung und Fragen zum Trike standen damals auf der Tagesordnung“, erzählt der 57-jährige Frührentner, der mit seiner Lebensgefährtin in Fraunberg lebt.

Schnell war ihm auch EA-Fotograf Konrad Kressierer auf den Fersen und brachte ihn in voller Fahrt auf die Titelseite der Heimatzeitung. Sagenhafte 140 000 Kilometer ist er mit den Panoramadreirad seitdem gefahren und hat dabei so manches Abenteuer erlebt. In Italien hat er viele Pässe erklommen und regelmäßig Fahrten zum Gardasee oder zum Plattensee nach Ungarn unternommen. „Wir sind treue Gefährten, gemeinsam sind wir alt geworden“, erzählt Huber über sein Trike, das ihn bis dato noch nie im Stich gelassen hat.

Mit einem Alter von drei Jahrzehnten darf sich das Riesendreirad nun sogar offiziell Oldtimer nennen. „Das war ein guter Grund, mein Trike erstmals beim Oldtimertreffen in Kirchberg-Thal zu präsentieren“, berichtet der Vorsitzende des Fraunberger Krieger- und Soldatenvereins. Mit der neuen Oldtimer-Fahrzeuggeneration habe er für Verwirrung bei den Veranstaltern gesorgt. „Sie waren sich nicht einig, sollte ich mich zu den Motorrädern gesellen, oder ist das Trike als Pkw einzustufen. Letztendlich wurde mir ein gesonderter Platz zugeteilt.“

Die tragische Wende in Hubers Leben kam am 15. April 1980. Nach dem Wehrdienst in Landsberg freute sich der gelernte Schreiner und Motorradfreak wieder auf die Arbeit und das Motorradfahren mit seinen Spezln. Doch bei einer nächtlichen Heimfahrt von Moosburg verunglückte er mit seiner 750er Suzuki-Maschine in Aich ohne Fremdverschulden so schwer, dass er sein rechtes Bein verlor. „Damals ging für mich die Welt unter.“

Doch er hatte seinen Lebensmut nicht verloren. Mit eisernem Willen und großer Unterstützung seiner Lebensgefährtin, der Familie und seinen Freunden kämpfte er sich zurück ins Leben. Als bei Messen 1983 in Stuttgart und 1985 in Berlin die ersten Trikes aus Amerika vorgestellt wurden, war er elektrisiert. Ein Jahr später bestellte er in Karlsruhe sein Wunsch-Trike. „Das Fachgeschäft baute das auf mich zugeschnittene Zweisitzer-Trike mit Käfermotor und Halbautomatik sowie der Bremse links behindertengerecht zusammen.“

Ein besonderes Erlebnis war der Besuch zur Hauptuntersuchung 1989. „Ich war anscheinend der Erste mit einem Trike beim Erdinger TÜV.“ Ein Bremsentest auf dem Prüfstand war wegen der Grube nicht möglich. So musste sich der Kfz-Sachverständige selbst aufs Trike schwingen und die Bremsen bei einer Probefahrt testen.

Doch vor allem die erste große Ausfahrt mit seinen Motorradspezln 1987 wird Huber stets im Gedächtnis bleiben. Motorradrennfahrer Toni Mang ließ für den Film „Faszination Mensch und Motorrad“ 200 Motorradfahrer auf der Autobahn filmen. „Und ich war mit meinem Trike mittendrin“, erinnert sich der 57-Jährige. „Das war ein gutes Gefühl wieder dabei zu sein, wenn einem der Wind der Freiheit um die Nase weht.“

Thomas Obermeier

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