Fleißiges Werkeln: Die Germania-Schützen arbeiten gerade an ihrem elektronischen Schießstand. Auf dem Foto sind gerade (v. l.) Schützenmeister Bernhard Lanzinger, 2. Sportleiter Martin Huber und der Schützennachwuchs in Person von Alex Huber und Moritz Rauch dabei, den alten Schießstand zu demontieren. 
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Fleißiges Werkeln: Die Germania-Schützen arbeiten gerade an ihrem elektronischen Schießstand. Auf dem Foto sind gerade (v. l.) Schützenmeister Bernhard Lanzinger, 2. Sportleiter Martin Huber und der Schützennachwuchs in Person von Alex Huber und Moritz Rauch dabei, den alten Schießstand zu demontieren. 

Der Schützenmeister erklärt im Interview, warum sein Verein gerade jetzt ein Großprojekt anpackt

Germania Grucking: Ein Schießstand als Hoffnungsanker

Bei vielen Vereinen läuft in der schwierigen Corona-Zeit wenig bis gar nichts, teils ist die Rede von einem Mitgliederschwund. Ganz anders dagegen ist es bei den Gruckinger Germania-Schützen, die trotz Pandemie sehr aktiv sind. Dazu gehört der Einbau eines modernen, elektronischen Schießstands, für den auch eine Crowdfunding-Aktion gestartet wurde. Unsere Zeitung hat mit Schützenmeister Bernhard Lanzinger (44) gesprochen, der seit zwei Jahren im Amt ist und viel bewegen will.

VON THOMAS OBERMEIER

Grucking - Herr Lanzinger, was machen die Germania-Schützen in der Corona-Zeit anders oder sogar besser als andere Vereine?

Wir vom Vorstand waren in der Lockdown-Phase ab November richtig aktiv. Wir nutzen jetzt Microsoft Teams für unsere Sitzungen. Außerdem haben wir einige Male einen Online-Spieleabend für unsere Jugend angeboten. Wir hätten auch die Füße auf den Tisch legen und sagen können: „Schießen geht jetzt nicht, darum machen wir nix.“ Aber das bin ich nicht. Damit wir die Bindung zu unseren Mitgliedern nicht verlieren, haben wir uns so einiges einfallen lassen. Mittlerweile haben wir auch ein paar Videos mit Aktuellem aus dem Vereinsleben auf Youtube gestellt.

Aktuell sind Sie auch dabei, den alten in einen modernen, elektronischen Schießstand umzubauen.

So ist es. Im Keller eines 1978 erbauten Nebengebäudes im Gasthaus Rauch befindet sich der Schießstand. Bisher wurden fast nur kleinere Schönheitsreparaturen durchgeführt, und es wurden immer wieder Anpassungen an die aktuelle Schießstandrichtlinie vorgenommen. 2013/14 wurde der Schießstand umgebaut. Der Nebenraum als Umkleideraum ist dazugekommen. Seitdem darf auch Frohsinn Reichenkirchen als Gast bei uns schießen. Vor Corona war bei uns prächtig Betrieb, am Freitag war der Schießstand regelmäßig von 18 bis fast 21 Uhr voll belegt. Pro Saison werden bei uns an den zehn Ständen für Luftgewehr und Luftpistole auf zehn Metern rund 20 000 Schuss abgegeben – und das nur von Germania. In der Corona-Zeit haben wir uns dann aufgeteilt, dass einen Freitag Reichenkirchen schießt und den nächsten Freitag dann Grucking.

Gruckings Schützenmeister Bernhard Lanzinger.

Aber zurück zu Ihrem neuen Schießstand: Was erwarten Sie sich davon?

Mit dem Umbau möchten wir unseren Mitgliedern auch eine Hoffnung, einen Lichtblick geben. Corona verändert unser Leben. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen. Wir verändern und verbessern uns. Nach dem Umbau können wir auf dem elektronischen Stand auch Fernwettkämpfe übertragen. Und wir planen, dass wir die Ergebnisse in Echtzeit in der Gaststube anzeigen können. Dadurch wird unser Sport hoffentlich interessanter und für eine Breite Masse erlebbar. Leider ist es auch so, dass Corona spaltet. Aber die Mitglieder und der Verein halten zusammen. Das wiederum ist Grundlage für die Gemeinschaft im Dorf und in der Gemeinde. Die Vereine haben hier eine extrem wichtige, gesellschaftliche Aufgabe. Im Gegensatz zum Beispiel zu den USA. Da läuft viel mehr über Schulsport.

Sind Sie also auch ein Vorbild für andere?

Ich möchte auch andere Schützenmeister und Vereinsvorstände motivieren, aktiv zu bleiben und die Herausforderungen anzunehmen. Auch unter schwierigsten Bedingungen sind wir zu großartigen Leistungen fähig. Unser Plan beim Schießstand ist, dass wir zur nächsten Saison, also heuer im September, fertig sind. Vom Spatenstich haben wir übrigens auch ein Video auf Youtube.

Wie schafft der Verein den aufwendigen Umbau finanziell?

Die Baukosten haben wir auf 45 000 Euro geschätzt. Leider ist es nicht damit getan, dass wir die alten Kugelfänge durch elektronische Messrahmen ersetzen. Da uns durch die Messrahmen zu viel Tiefe verloren geht, müssen wir die komplette Wand hinten rausreißen und nach hinten versetzen. Außerdem müssen wir den Tisch am Schützenpult neu aufbauen.

Welche Zuschüsse gibt’s?

Wir bekommen Zuschüsse vom Freistaat Bayern (40 Prozent), vom Landkreis (10) und von der Gemeinde (10). Die Zusage für diese Zuschüsse war Grundvoraussetzung, dass wir überhaupt entschieden haben, dass wir schon jetzt losgelegt haben. Über diese Zuschüsse freuen wir uns gewaltig und möchten uns bei den Zuschussgebern herzlich bedanken. Die Unterstützung auch des BSSB, die extrem schnelle Bearbeitung unserer Anträge ist echt eine Erwähnung wert. Wahnsinn, wie schnell wir die Zusagen hatten.

Bleibt trotzdem noch viel Eigenarbeit übrig, oder?

Der Verein muss noch 40 Prozent aus eigener Tasche aufbringen. Und natürlich miteingerechnet viel Eigenleistung unserer Mitglieder. Für uns als Verein ist die Finanzierung gerade besonders unsicher, weil sämtliche Vereinsfeste als Einnahmequelle weggebrochen sind. Trotzdem wagen wir das Risiko, um unseren Mitgliedern Hoffnung zu geben. Daher hoffen wir auf großzügigen Spenden von unseren Mitgliedern, von umliegenden Firmen und von unseren Gönnern. Über die VR-Bank Erding haben wir deshalb die Crowdfunding-Aktion „Viele schaffen mehr“ gestartet.

Wie läuft die ab?

Für jeden gespendeten Euro legt die VR-Bank nochmals 20 Cent oben drauf. Die Spendenaktion bei der VR Bank ist zeitlich befristet und endet am 19. Juli. Als kleines Dankeschön werden die Namen der Spender auf einer Spendertafel genannt. Wer uns unterstützen will, registriert sich unter https://vr-bank-erding.vieleschaffen-mehr.de/germania-grucking.

Wie schwierig ist die Organisation des Schießstand-Umbaus auch hinsichtlich der Corona-Regeln?

Momentan haben wir mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen: Zum einen gibt es die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen. Es dürfen also immer nur ganz wenige Leute beim Umbau dabei sein. Dann gibt es fast jede Woche eine andere Meldung, dass irgendwo Material knapp ist, teurer wird oder nicht lieferbar ist. Das Bau-Holz für die Unterkonstruktion kann als Mangelware bezeichnet werden, da der Holzmarkt momentan leergefegt ist. Dann hat die Halbleiterindustrie gerade ein Problem. Ob wir die PCs, die Bildschirme und so weiter rechtzeitig beschaffen können, müssen wir erst sehen. Und wer weiß, was noch alles kommt.

Warum machen Sie den Umbau dann gerade jetzt?

In unserer Generalversammlung hat mich die Aussage von Andreas Ulrich von St. Ulrich Pesenlern inspiriert: „Wenn ich gewusst hätte, dass es so leicht geht, dann hätten wir schon früher auf elektronische Schießstände umgerüstet.“ Außerdem hat mir gefallen, dass Wirt Rudi Rauch die Phase genutzt hat, um sein Gasthaus umzubauen (wir haben berichtet; Anm. d. Red.). Da ich im Lockdown etwas Zeit hatte, habe ich mich informiert, welche Zuschussmöglichkeiten es gibt. Zudem haben Schützenmeisterin Heidi Lachner von Immergrün Thalheim und Andreas Ulrich von St. Ulrich Pesenlern – beide Vereine haben bereits neue elektronische Schießstände – uns bei all unseren Fragen hervorragend unterstützt. Momentan ist fraglich, in welcher Form wir 2023 ein Gründungsfest abhalten können. Ob es dann noch öffentliche Zuschüsse für Sportförderung geben wird, ist ebenfalls unklar.

Also lieber gleich.

Ja, deshalb haben wir im Vorstand schon jetzt die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Ich hätte gerne eine Mitgliederversammlung abgehalten und auch deren Zustimmung eingeholt, das war im Frühjahr unmöglich. Außerdem waren wir etwas unter Zeitdruck, dass wir die Zuschussanträge stellen. Trotzdem hoffen wir, dass die Mitglieder unsere Entscheidung mittragen und uns unterstützen.

Was bedeutet der neue Schießstand für die Zukunft des Vereins?

Der Umbau ist der nächste logische Schritt. Er erzeugt hoffentlich eine gewisse Neugier, nach dem Motto: „Schießen interessiert mich nicht, aber ich möchte diesen neuen Stand sehen.“ Für unsere aktive und gute Jugendarbeit ist der elektronische Schießstand ein wichtiger Baustein. Zum einen können wir dann am Freitag noch mehr Jugendliche „durchschleusen“. Zum anderen ist die Rückmeldung und Auswertung deutlich besser, so dass hoffentlich eine Leistungssteigerung möglich ist. Und natürlich macht es auch einfach mehr Spaß, auf einem neuen Stand zu schießen.

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