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Neue Spuren zu Vermisstem: Großangelegte Suche im Münchner Umland - Kripo steht vor Rätsel

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Von: Hans Moritz

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Suchhunde der Feuerwehren Aschheim und Hochbrück sowie des Arbeiter-Samariter-Bundes München suchten am Sonntag das weitläufige Gebiet zwischen Bockhorn und Fraunberg ab. Es handelt sich um Mantrailer. © Hans Moritz

Am Wochenende fand im Landkreis Erding eine großangelegte Suchaktion statt. Seit Anfang letzter Woche wird ein Rentner aus Walpertskirchen vermisst. Nun gab es neue Spuren.

Fraunberg/Bockhorn - Die Suche nach dem 79 Jahre alten Rentner Adolf Koller aus Walpertskirchen ist am Sonntag noch einmal aufgenommen worden, nachdem am Samstagnachmittag Kleidungsstücke des Demenzkranken gefunden worden waren.

Doch der Mann bleibt verschwunden. Die Polizei geht nicht mehr davon aus, den Mann noch leben zu finden. Wie berichtet, war der 79-Jährige am Dienstagabend von Angehörigen das letzte Mal gesehen worden. Am Mittwoch begann die Polizei mit der Suche nach dem Mann, der die Orientierung verloren haben dürfte. Am Donnerstag beteiligten sich daran 130 Feuerwehrleute von 15 Feuerwehren – ohne Erfolg.

Vermisstensuche in Region Erding: Kleidungsstücke von Mann gefunden

Am Samstag meldeten nach Angaben eines Sprechers des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord Zeugen, dass sie Kleidungsstücke gefunden hatten, die Adolf Koller gehören könnten. Es ergab sich eine weitere Spur. Zwei Augenzeugen berichteten unabhängig voneinander, den Mann noch gesehen zu haben – zwischen Mauggen und Neumauggen (Gemeinde Bockhorn). Die Kleidungsstücke, die die Familie dem Vermissten zuordnen konnte, lagen in Aurlfing (Bockhorn). Das heißt, allein bis hierher muss Koller noch gut zehn Kilometer zurückgelegt haben.

Der Fund der Kleidung überrascht die Polizei nicht. Der Sprecher des Präsidiums erklärte unserer Zeitung: „Das ist ein Phänomen bei starker Unterkühlung. Die Menschen spüren noch einmal eine Hitzewallung und entkleiden sich.“ Das bestätigte auch ein Mitglied des Arbeiter-Samariter-Bundes.

Vermisstensuche: Suchhunde im Einsatz - „Lassen nichts unversucht“

Am Sonntagmorgen nahm die Polizei die Suche bei Eiseskälte wieder auf. „Wir lassen nichts unversucht, nicht zuletzt, damit die Angehörigen Gewissheit haben“, sagte einer der Beamten. Die Suchhunde nahmen den Geruch der Kleidung und dann die Fährte auf.

Die führte weiter in nördliche Richtung – in den zu Fraunberg gehörenden und weitere zwei Kilometer entfernt liegenden Weiler Helling. Dorthin rückte auch die Koordinierungsstelle Video/Medientechnik Südbayern aus. Die Spezialeinheit der Polizei ist am Flughafen angesiedelt. Sie setzte zwei Drohnen ein und suchte damit die Strecke ab, ebenso Waldstücke und Bachläufe. Später überflog zusätzlich noch einmal ein Polizeihubschrauber die Strecke.

Die Suchhunde drängte es derweil weiter – zu einem leer stehenden Hof am östlichen Ortsrand von Helling. An einer Stelle schlugen die Hunde deutlich an. Die Einsatzkräfte nahmen das Anwesen genau in Augenschein, doch Alfred Koller bleibt verschwunden.

Suchaktion nach Vermisstem: Kurzzeitig kommt Hoffnung auf - Kripo verwundert

Kurzzeitig keimte in den Mittagsstunden Hoffnung auf, den Rentner gefunden zu haben. Anwohner aus Aurlfing meldeten bei einem mäandernden Bachlauf einen Mann, der sich nicht ansprechen ließ. Die Einsatzkräfte trafen dort auf einen – lebenden – Mann, der keine schlüssige Erklärung liefern konnte, warum er auf die Zurufe der Nachbarn nicht reagiert habe.

Was die Ermittler – den Fall hat die Kripo Erding beziehungsweise deren Kriminaldauerdienst übernommen – wundert: Wenn Koller in der Tat in Aurlfing seine Kleidung abgelegt hat, muss er nahezu nackt noch mehrere Kilometer gelaufen sein.

Bei Einbruch der Dunkelheit wurde die Suche am mittlerweile fünften Tag abgebrochen. Die Kripo muss nun entscheiden, wie es weitergeht. Es ist möglich, dass Koller eine Scheune oder einen Stadl aufgesucht hat. Das würde vor allem im Winter, wenn die Landwirtschaft ruht, die Suche erschweren.

Die Polizei wendet sich noch einmal an die Öffentlichkeit, ob sie Adolf Koller seit Dienstagabend irgendwo gesehen hat. Er ist 1,74 Meter groß, 75 Kilogramm schwer und trägt einen Haarkranz beziehungsweise eine Stirnglatze. Zuletzt war er mit einer grünen Cordhose und einer grauen Jacke bekleidet. Hilfreich wäre, wenn Landwirte oder Grundstückbesitzer ihre Scheunen oder Gartenhäuser inspizieren würden. Hinweise nimmt die Polizei Erding unter Tel. (0 81 22) 96 80 entgegen. ham

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