Um Menschen mit Behinderung auf die Kommunalwahl vorzubereiten, hatten Caritas Erding und AWO Ebersberg zu einem gemeinsamen Workshop eingeladen.
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Hinter die Kulissen der Kommunalpolitik blickten elf Interessierte beim Workshop unter dem „Wahlrecht für alle“ im Bürgersaal Fraunberg zum Thema Kommunalwahl. Rede und Ant wort standen (hinten, v. l.) Dominik Hübner (Leiter der Behindertenarbeit, Caritas Erding), Bürgermeister Hans Wiesmaier, Marilies Huber (Übersetzerin für leichte Sprachen) und Gerhard Schönauer (Leiter der Behindertenarbeit, AWO Ebersberg). 

Jede Stimme ist gleich wichtig

Workshop erklärt Menschen mit Behinderung die Kommunalwahl

Um Menschen mit Behinderung auf die Kommunalwahl vorzubereiten, hatten Caritas Erding und AWO Ebersberg zu einem gemeinsamen Workshop eingeladen.

Fraunberg – Wenn am 15. März die Wahllokale öffnen, dürfen auch Menschen mit Behinderung, die unter einer Betreuung stehen, ihre Stimme abgeben – zum zweiten Mal nach der Europawahl 2019. Um sie darauf vorzubereiten und ihnen kommunale Politik näher zu bringen, hatten Caritas Erding und Arbeiterwohlfahrt (AWO) Ebersberg zu einem gemeinsamen Workshop ins Gemeindezentrum Fraunberg eingeladen.

„Wir wollen in einer einfachen Sprache und mit vielen Illustrationen den Menschen zeigen, was Kommunalwahlen sind, warum sie wichtig sind, welche Wahlformen es gibt und wie gewählt wird. Auch präsentieren wir ihnen das Muster eines Wahlzettels und geben Hinweise, was beim Ausfüllen des Zettels wichtig ist“, erklärt Dominik Hübner, Leiter der Offenen Behindertenarbeit bei der Caritas Erding, der nach diesem Schema eine Beamer-Schau vorbereitet hatte. „Das Original stammt von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in München. Wir haben es aber in eine leichter verständliche Sprache für Menschen mit Behinderung gebracht“, berichtete Hübner.

Besucher wählen kleines Parlament für die Essensbestellung

Tatsächlich lauschten die elf Gäste im Alter zwischen 20 und 57 Jahren mit ihren fünf Betreuern aufmerksam Hübners Ausführungen, stellten wissbegierig Fragen. Auch Bürgermeister Hans Wiesmaier und Gerhard Schönauer, Leiter der Offenen Behindertenarbeit bei der AWO Ebersberg, standen für Antworten parat. Vor allem der Rathauschef erklärte, welche Aufgaben eine Kommune zu leisten hat und wo die Anforderungen an einen Bürgermeister liegen. „Eine Gemeinde zu führen ist ein bunter Strauß an Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Wir als Gemeinde wollen aber auch für alle Bürgerinnen und Bürger Plattformen schaffen, auf denen sie sich äußern können, wo sie Gelegenheit zum Mit-Entscheiden bekommen“, erklärte Wiesmaier.

Um eine Wahl im Spiel einmal zu üben und zu erleben, wählten die Gäste mit Behinderung ein eigenes kleines Parlament. Dabei gingen sie ganz „echt“ vor, mit Wahlzetteln, Wahlkabine und Wahlurne. Als Ergebnis kamen schließlich fünf sogenannte Delegierte heraus, die nun Form und Ort des gemeinsamen Mittagessens bestimmen sollten: Ihre Entscheidung fiel auf Pizza. Nun galt es, diese bei einem italienischen Restaurant in Langengeisling zu bestellen, Tische waren zu decken. Schließlich kam das Essen, und zufriedene Gesichter in der ganzen Runde belegten, dass die Gewählten offensichtlich eine gute Entscheidung getroffen hatten.

Spontan-Hochzeit beim Rathaus-Rundgang

Und um kein Erschlaffen der Konzentration aufkommen zu lassen, lud Gemeindechef Wiesmaier zu einer Besichtigungsrunde durchs Rathaus ein. Kaum im Trauungszimmer angekommen, warf sich ein junger Mann spontan in die Rolle des Standesbeamten, traute zum Schein und unter großem Beifall der Runde zwei seiner Kollegen. Ganz wie ein Profi bot er dem Zufallspaar an, sich zu küssen, „aber erst, wenn sie Ja gesagt haben“.

Der Spaß sollte auch im ersten Stock nicht zu kurz kommen, als der Bürgermeister nicht nur sein Arbeitszimmer, sondern auch Fotos aus den Anfängen seiner kommunalen Karriere zeigte, damals noch mit modischem Oberlippen-Bärtchen.

„Nehmen Sie Ihr Wahlrecht in Anspruch“

Am Ende des Rundgangs führte er seinen Besuchern im Sitzungssaal noch einen Imagefilm der Gemeinde vor, „denn da sieht man erst, wie wertvoll unsere schöne Landschaft ist, was Heimat eigentlich bedeutet“.

Auf die Frage, wie oft der Gemeinderat hier tage, gab Wiesmaier zur Antwort: „In sechs Jahren Amtsperiode haben wir rund 100 Sitzungen, und sie sollten nicht länger als drei Stunden dauern – denn sonst beginnen einige einzuschlafen“, meinte er augenzwinkernd.

Seine Gäste jedenfalls waren auch nach fünf Stunden Programm immer noch fit und freuten sich sichtlich, einmal hinter die Kulissen der Kommunalpolitik geschaut zu haben. Und auf den Nachhauseweg gab Wiesmaier seinen Gästen noch den Satz mit, dass die Teilnahme an der Wahl „von Jedermann wichtig ist – nehmen Sie Ihr Wahlrecht in Anspruch“.

Friedbert Holz

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