Zutiefst dankbar für die Unterstützung sind Tobias, Sandra und Florian Humm (v. l.).

Von der Hilfsbereitschaft überwältigt

Fast ein Jahr nach der Gasexplosion: Familie Humm ringt um Normalität

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Vor fast einem Jahr explodierte es im noch nicht fertigen Haus der Familie Humm. Vater und Tochter starben. Die Mutter und zwei Buben kämpfen sich ins Leben zurück.

Oberbierbach Am 19. Mai 2019 ließ eine furchtbare Gasexplosion das Leben der Familie Humm von einer Sekunde auf die andere in Trümmer fallen. Seit fast einem Jahr kämpfen sich Sandra Humm aus Oberbierbach und ihre beiden Söhne Florian und Tobias zurück in ein halbwegs normales Leben. Die Hilfsbereitschaft der Bürger ist enorm. Dafür wollen sich die Humms jetzt bedanken. Und sie berichten, wie es ihnen heute geht.

Den Traum vom Eigenheim erfüllten sich die Humms 2014 in Rettenbach im Allgäu. Dieser Traum platzte am Sonntag, 19. Mai, gegen 10 Uhr. Eine gewaltige Gasexplosion, die von einer Ringleitung in dem Wohngebiet ausgegangen sein muss, ließ das Haus der Familie bis auf die Grundmauern einstürzen.

Solidarität im Allgäu und im Erdinger Land

Vater und Ehemann Christian (42) sowie Tochter Anna (7) verloren auf der Flucht ins Freie ihr Leben. Mutter Sandra (40) überlebte mit schwersten Brandverletzungen. Die beiden Söhne Florian (9) und Tobias (6) hatten Glück, sie waren zum Zeitpunkt der Explosion nicht zu Hause, sondern auf dem Spielplatz gegenüber.

Sandra Humm und ihre Söhne müssen sich seither in ein neues Leben zurückkämpfen. Die Solidarität der Menschen im Allgäu, vor allem aber in ihrer alten Heimat im Erdinger Land, war enorm. Für die verwitwete Mutter ist das Osterfest eine gute Gelegenheit, sich für all die Unterstützung zu bedanken.

Leser der Heimatzeitung helfen

„Wir wollen allen Spendern und Helfern Vergelt’s Gott sagen. Das hat uns in dieser schweren Zeit sehr viel Kraft, Durchhaltevermögen und Zuversicht geschenkt. Das persönliche Mitgefühl, das sich in so vielfältiger Weise gezeigt hat, wird uns auch in Zukunft die nötige Kraft für die anstehenden Aufgaben und Hürden geben.“

Auch viele Leser der Heimatzeitung ließ das Schicksal der Humms nicht ungerührt. Über das Leserhilfswerk „Licht in die Herzen“ gingen zahlreiche Spenden zu Gunsten der Familie ein. Aber auch etliche Vereine und Privatbürger steuerten Hilfe bei.

Sandra Humms Verletzungen: Weiterhin Reha nötig

Wie geht es der Mutter und den beiden Buben heute? Sandra Humm lag mit ihren schwersten Brandverletzungen fast zehn Wochen auf der Intensivstation. Danach folgten viereinhalb Monate Reha. Die Explosion im Keller verletzte vor allem Sandra Humms rechten Arm stark, ebenso Hand und Finger. „Es sind weiterhin lange ambulante Reha-Behandlungen nötig, um die mit den Muskeln verschmolzenen Sehnen wieder einigermaßen in Bewegung zu bringen. Immerhin, Verbesserungen gibt es“, berichtet Anna Gfirtner.

Die Gemeinderätin und Schöffenrichterin lebt in der Nachbarschaft und kümmert sich von Anfang an um die Familie. „Auch die körperliche Fitness nimmt immer mehr zu, ihr Gesamtzustand ist stabil.“ Allerdings brauche die Psyche immer noch Hilfe, um das Erlebte verarbeiten zu können.

Versicherungsfrage noch nicht geklärt

Die beiden Buben gehen zur Schule, sie wohnen bei ihrer Mama und den Großeltern und fühlen sich dort sehr wohl. Sandra Humm konnte zum Glück im Haus der Eltern die Wohnung ihres Bruders übernehmen. „Natürlich fehlt noch Einrichtung, aber sie genießt die eigenen vier Wände und kann sich zurückziehen, wenn ihr danach zu Mute ist oder sie Ruhe braucht“, erzählt Gfirtner.

Die Schuldfrage ist immer noch nicht geklärt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an. „Das bedeutet für die Familie weiterhin eine dauernde Belastung“, berichtet Gfirtner. Denn so lange ist nicht geklärt, welche Versicherung für den Schaden aufkommt. „Sandra Humm steht mit ihnen in Verhandlung und hofft, dass es endlich bald zu einer Einigung kommt.“ An oberster Stelle aber steht: Mutter und Söhne haben überlebt – und viel Solidarität erfahren.

Hans Moritz

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