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Über Landschaft im Wandel sprachen Christian Kainz (l.) und Anton Euringer sen.

Kein Platz für gegenseitige Beschuldigungen

Das große Artensterben: LBV fordert mehr Maßnahmen

Wie dramatisch ist der Artenrückgang in Bayern und im Landkreis Erding, worin liegen seine Ursachen, und was kann dagegen getan werden? Darüber sprach Anton Euringer sen. beim LBV Fraunberg.

Fraunberg – Wie dramatisch ist der Artenrückgang in Bayern und im Landkreis Erding, worin liegen seine Ursachen, und was kann dagegen getan werden? Darüber sprach Anton Euringer sen. aus Niederhummel (Gemeinde Langenbach), ehemaliger Referatsleiter im Landratsamt Erding, beim Neujahrstreffen der Ortsgruppe Fraunberg im Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV).

Wälder, Felder, Wiesen und Gärten sind kahl und übernutzt

Rund 50 Zuhörer waren in den Bürgersaal des Gemeindezentrums gekommen. Es war für sie erschreckend zu sehen, wie artenreich und strukturiert sich Wälder und Felder, Wiesen und Gärten vor Jahren noch präsentiert haben, wie kahl und übernutzt sie aber heute sind. Besonders deutlich wurde dies bei Euringers Darstellung in den Themen ausgewiesener Schutzgebiete sowie der generellen Landschaftspflege im Landkreis.

Nur ein Prozent der Landkreisfläche ist Naturschutzgebiet

Zwar gibt es laut dem Experten im Erdinger Land rund 880 Hektar Hektar Naturschutzgebiet, doch dies entspreche gerade einem Prozent der Landkreisfläche (in Oberbayern liegt der Prozentsatz bei 4,5 Prozent). Etwas besser sieht es bei den Landschaftsschutzgebieten (rund 4600 Hektar/5,3 Prozent) oder den Vogelschutzgebieten (rund 5600 Hektar) aus.

Düngung von Wiesen ein Problem

Zwar leiste, so Euringer, die Untere Naturschutzbehörde sehr viel, doch diese Anstrengungen würden bei weitem nicht ausreichen, um den stetigen Verlust zu kompensieren. Zu den Ursachen meinte der Fachmann, dass sich vor allem die Lebensräume Wald und Wiese entscheidend verändert hätten. Waldränder würden nahtlos in Landwirtschaftsflächen übergehen, naturnahe Bachläufe hätten Fließgewässern weichen müssen, sogenannte Neophyten würden einheimische Pflanzenarten verdrängen und sogar die Gesundheit der Menschen gefährden. Bei Wiesen spiele zunehmende Düngung eine negative Rolle, Art und Häufigkeit der Mahd hätten sich sehr verändert, zubetonierte Ortszentren und private Steingärten förderten den Artentod.

LBV will Lösungen zusammen mit der Landwirtschaft finden

Wie darauf reagiert werden kann, ohne gleich und ausschließlich den Landwirten die Schuld zuzuschieben – dazu gab LBV-Ortsvorsitzender Christain Kainz Vorschläge. Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ sei 2019 sehr erfolgreich verlaufen, das Thema habe große Teile der Bevölkerung bewegt. Es habe aber schnell eine Polarisierung gegeben, „eine Lagerbildung bis hin zu regelrechten Feindbildern“. Der LBV habe schon immer die Landwirte „mitnehmen“ wollen, halte nichts von gegenseitigen Beschuldigungen. Vielmehr sei die Politik gefragt, für eine Stimmung zu arbeiten, in der ein besseres Einkommen in der Landwirtschaft über Qualität und Allgemeinnutzen anzustreben sei anstatt nur über Masse und Mengenwachstum.

Gärten mit heimischen Pflanzen und Blumen für mehr Artenschutz

Es brauche, so Kainz, einen Systemwechsel in der Landwirtschaftspolitik, aber auch jeder Bürger könne vor seiner eigenen Haustür etwas bewegen: mit artgerechten Gärten, fernab von Zierrasen und Mäh-Robotern, der Rückkehr zu Wiesen mit heimischen Pflanzen und Blumen. Und auch die Kommunen müssten in die Pflicht genommen werden, ihre freien Flächen so zu bewirtschaften, dass Kleintiere und Insekten wieder Heimat und Nahrung finden. 

Friedbert Holz

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