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Groß war das Interesse an den historischen Ausführungen von Rudi Koller (oben, Mitte). 

Ein ganz besonderes Bodendenkmal

Ein Spaziergang zur Wallanlage Rappoltskirchen aus dem zehnten Jahrhundert

Wissenswertes aus einer über 1000-jährigen Geschichte: Der AVE hat dem KBW einen Spaziergang zur frühmittelalterlichen Wallanlage von Rappoltskirchen angeboten.

Rappoltskirchen – Wissenswertes aus einer über 1000-jährigen Geschichte: Der Archäologische Verein Erding (AVE) hat in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk (KBW) Landkreis Erding unter der Leitung von Rudi Koller einen Spaziergang zur frühmittelalterlichen Wallanlage von Rappoltskirchen angeboten. Deren Anfänge gehen auf das zehnte Jahrhundert zurück.

Treffpunkt für 70 Interessierte war an der Pfarrkirche St. Stephan in Rappoltskirchen. Zuerst wurde die kleine, aber feine Pfarrkirche besichtigt, die 1982 im Pfarrverband zur Filialkirche wurde. Von Kirchenexpertin und Wirtin Marlene Widmann erfuhren die Besucher Wissenswertes über die Ende des 17. Jahrhunderts im Barockstil erbaute Kirche mit ihren wertvollen Seitenaltären. Friedrich Kardinal Wetter hatte 1997 sogar die Weihnachtsbotschaft mit dem Weihnachtssegen aus dieser Kirche gespendet, erzählte sie den staunenden Gästen.

Vier Burgen eng beieinander

Anschließend ging’s zur Wallanlage, wo der AVE, der Historische Verein Erding, der Verein Wittelsbacher Jagdhaus Wartenberg sowie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLFD) heuer eine Infotafel mit vielen Bildern und Texten über die Wallanlage aufgestellt haben. Die Anlage zählt mit ihren zehn bis zwölf Meter hohen Grabensystemen zu den eindrucksvollsten, heute noch obertägig sichtbaren Geländedenkmälern des Frühmittelalters im Landkreis Erding.

„Die Reste dieser ehemals aus Holz und Erde erbauten Wehranlage des zehnten Jahrhunderts, die wohl der sogenannten Ungarnzeit, etwa zwischen 900 und 955, zuzuordnen ist, präsentiert sich in hervorragendem Erhaltungszustand“, sagte Koller. „Derartige Anlagen wurden in vergleichsweise geringem Abstand zueinander im ganzen Land errichtet. Im Landkreis finden sich neben Rappoltskirchen noch ganz in der Nähe bei Kreuthäusl, in St. Wolfgang und die größte, in Auerbach, insgesamt vier solcher Fliehburgen“, wusste Koller. „Wallanlagen aus frühmittelalterlicher Zeit waren keine Siedlungsorte, sondern schnell erreichbare, meist nur kurzfristig genutzte Fluchtburgen für Notzeiten. Sie waren, abgesehen von kleineren Personengruppen, die in großen, bedeutenden Anlagen für die Instandhaltung zuständig waren und deshalb dauerhaft dort lebten, unbewohnt.“ Eine zeitweise Funktion als Versammlungs- oder Veranstaltungsort sei anzunehmen. Für viele dieser Anlagen gilt laut Koller, dass archäologische Funde im Innenbereich, von Ausnahmen abgesehen, eher selten zu erwarten sind. „Bitte nicht mit Metalldetektoren nach Pfeilspitzen oder ähnlichem suchen“, warnte Koller, das sei verboten.

Die Wallanlage steht unter Denkmalschutz und gehört zu den wertvollen Bodendenkmälern im Landkreis Erding. „Heutzutage ist es möglich, digital in Wälder hineinzuschauen und digitale Geländemodelle ohne Bäume darzustellen, was uns bei unserer Arbeit sehr hilft“, erklärte Koller. 

Thomas Obermeier

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