Hermann Lex verstarb im Alter von 77 Jahren.

Nachruf

Trauer um Wirt Hermann Lex: Es wird still um die einst so belebte Straße

Wer ihn kannte, mochte ihn. Auf diese einfache Formel lässt sich das Leben von Hermann Lex bringen, der im Alter von 77 Jahren verstorben ist.

Kemoding – Um ihn trauern nicht nur Ehefrau Uta, Tochter, Sohn und fünf Enkel. Auch Kemodings Bürger werden den geselligen und allseits hilfsbereiten Senior, ihren Wirt am Ort, vermissen.

Zwar ist Hermann Lex in Erding geboren und in Eichenkofen zusammen mit drei Schwestern und zwei Brüdern auf einem Hof groß geworden. Doch schon seit seiner Heirat 1966 mit Uta Klein, die aus Kemoding stammt, lebte er auch dort. Nach Volks- und Landwirtschaftsschule wollte er aber nicht Bauer werden. Vielmehr war er 40 Jahre lang bei einer Baufirma in Langengeisling beschäftigt, vor allem als Kranfahrer. Und 1975 eröffnete er, quasi im Nebenerwerb, auf dem heimischen Hofgelände eine kleine Wirtschaft – das Gasthaus Lex.

„Opa war ein sehr geselliger Mensch“, erinnert sich Enkel Maxi Maier an seinen beliebten Großvater. „Bei seinen vielen Projekten hat er immer Freunde gefunden, und es war ihm wichtig, bei ihm im Wirtshaus Servus zu sagen und ein oder zwei Helle zu trinken. Ein böses Wort über andere gab’s nie, schließlich waren seine Familie, seine Freunde und die Menschen in seiner Umgebung das Wichtigste für ihn.“

Naturbegeistert, arbeitete Lex gerne im Wald, suchte Schwammerl, kümmerte sich um seine Obstbäume und den Gemüsegarten. Aber er hatte auch einen kleinen Fischweiher, Hühner und Tauben, und er war ein Vereinsmensch. „Ob bei der Spielvereinigung Eichenkofen, wo er mit 17 Jahren selbst Fußball gespielt hat, ob beim Stopselclub Kemoding, den er mitbegründet hat, beim Oldtimerclub oder im Heimatmuseum Thal, beim FC Fraunberg oder im Rappoltskirchener Kriegerverein – mein Vater war fast überall dabei“, zählt Tochter Annemarie Maier die Mitgliedschaften ihres rührigen Vaters auf.

Überhaupt der Sport. „Der FC Bayern war sein Verein, er hat, wenn er nur konnte, alle seine Spiele geschaut. Er hat auch seinen Sohn und uns Enkelkinder für den Fußball begeistert, war mit uns auf dem Sportplatz, wo wir selbstverständlich immer von ihm eingeladen wurden“, erzählt Enkel Maxi. „Und er war stolz auf mich, als ich einmal im Bayerischen Fernsehen zu sehen war. Opa fehlt mir schon jetzt, auch bei Kleinigkeiten: sein Blick zum Fenster, wo das Süßigkeiten-Regal ist, wenn er die Zeitung geholt hat oder Feuerholz für den Kamin.“

Selbst ein Mann aus Ungarn wird Hermann Lex wohl nie vergessen. Denn als der Kemodinger nach einem Unfall in ein Münchner Krankenhaus eingeliefert wurde, traf er dort den ebenfalls schwer verletzten Osteuropäer. Lex kümmerte sich um ihn, bot ihm und seiner Familie an, während dere Genesungszeit bei ihm zu wohnen, gab den Fremden eine zweite Kurzzeit-Heimat.

Es wird jetzt ruhiger in Kemoding. Wie meinte doch Maxi Maier: „Leider geht das Gesellige, wofür Opa gestanden hat, in unserer einst so belebten Straße verloren. Das werde ich wohl am meisten vermissen“.

Friedbert Holz

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