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Lächeln, zumindest für den Fotografen: Sandra Humm und ihre Söhne Florian (r.) und Tobias sind nach dem Unglück in ihr Elternhaus in Oberbierbach zurückgekehrt (Bild o.). Sie wollen in eine eigene Wohnung, müssen dazu aber ganz bei Null anfangen.

Leserhilfswerk Licht in die Herzen

Vater und Tochter tot: Eine Gasexplosion zerstört das große Glück

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Sandra Humm (40) verliert bei einem schrecklichen Unglück ihren Mann und  ihre Tochter. Leserhilfswerk bittet um Spenden.

Oberbierbach/Rettenbach – 2014 erfüllen sich Sandra und Christian Humm ihren Traum vom Eigenheim. In Rettenbach am Auerberg im Allgäu werden die aus Oberbierbach stammende Bürokraft und ihre drei Kinder heimisch. Der Gatte stammt von dort. Am 19. Mai 2019, einem Sonntag, wird aus dem Traum ein Albtraum. Gegen 10 Uhr zerstört eine verheerende Gasexplosion das Haus der Humms.

In den Trümmern sterben Christian Humm (42) und die damals sieben Jahre alte Tochter Anna. Die 40 Jahre alte Sandra Humm überlebt, allerdings schwerst verletzt. Die Explosion verbrennt 90 Prozent ihrer Haut. Noch immer ist sie in Reha. Anfang kommenden Jahres wird sie dauerhaft zu ihren Söhnen zurückkehren. Endlich.

Dass der sechs Jahre alte Tobias und der neunjährige Thomas noch am Leben sind, haben sie einer göttlichen Fügung zu verdanken: Sie toben auf dem Spielplatz auf der anderen Straßenseite. Die Explosion bekommen sie dennoch hautnah mit.

Sandra Humms Existenz wird komplett zerstört – bis auf ein paar Unterlagen, Kleidung der Kinder und Kuscheltiere. Heute lebt sie wieder bei ihren Eltern in Oberbierbach (Gemeinde Fraunberg). Ihr Bruder zieht von dort demnächst um, Sandra Humm wird dann mit den Buben seine Wohnung nutzen. Doch sie muss sich eine komplett neue Existenz aufbauen. Wann sie wieder arbeiten kann, können die Ärzte noch nicht sagen.

Und die Versicherung hat noch keinen Cent bezahlt. Erst will sie die Schuldfrage geklärt wissen. Und es ist nicht auszuschließen, dass es eine Antwort nie geben wird. Eine Antwort auf das Unfassbare. „Wir waren am Unglückstag zu dritt im Wäschekeller“, erinnert sich Humm. Plötzlich habe ihr Mann gerufen: „Alle raus, aber schnell!“ Die 40-Jährige habe erst gar nicht verstanden, warum Christian es so eilig hatte. „Ich war wie erstarrt.“ Als er und Anna auf der Treppe sind, „explodiert plötzlich der Heizkessel neben mir. Wenig später ist das Haus eingestürzt“, erinnert sie sich.

„Ich habe ein bisschen Licht von oben bemerkt. Als ich die Retter gehört habe, habe ich laut gerufen. Über mir war nur eine kleine Höhle, das war meine Rettung.“ Nach zwei Stunden wird Sandra Humm befreit. Sie ist schwerst verletzt.

Gegen Mitternacht graben Helfer die Leiche von Christian aus, Anna finden sie erst am nächsten Morgen. Auch die Siebenjährige ist tot.

Sandra Humm wird in die Unfallklinik Murnau geflogen, drei Wochen lang liegt sie mit schwersten Verbrennungen im künstlichen Koma. Haut wird transplantiert. Ende Juni darf sie von der Intensivstation. Es geht zur Reha nach Bad Griesbach. Bis heute. An den Wochenenden ist sie daheim. Um Tobias und Florian kümmern sich die Großeltern und der Onkel mit Partnerin. Er regelt auch das Bürokratische.

Doch was ist am 19. Mai überhaupt passiert? Die Ermittlungen ergeben, dass aus einer Flüssiggasleitung, die am Haus der Humms vorbei läuft – angeschlossen ist das Anwesen nicht – über längere Zeit Gas ausgetreten sein muss. „Es hat vorher sehr merkwürdig gerochen. Aber nicht nach Gas. Leider sind wir dem nicht nachgegangen“, erinnert sich Humm. Die Dämpfe müssen sich im Keller gesammelt haben – wo es zu der fatalen Explosion kommt. Die Kripo ermittelt noch immer.

Das Haus war noch nicht abbezahlt. Immerhin hat die Bank die Ratenzahlung vorerst ausgesetzt. Vom Unglück ist nichts mehr zu sehen, der Schutt ist längst weg, „Nachbarn haben eine Blumenwiese angelegt“, erzählt Humm, die seither schon wieder im Allgäu war. „Wir haben viele Freunde dort.“

Am 19. Mai 2019 hatte eine Gasexplosion ihr Haus im Allgäu zerstört (Bild l.). In den Trümmern starben Christian (42) und Anna (7) Humm.

Sandra Humm wirkt im Gespräch sehr stark. „Es geht so“, verrät sie, „aber es gibt auch Momente, in denen es ganz schlimm ist“. Auch die Buben lernen mit dem Schicksal zu leben. Sie werden psychologisch betreut. Florian und Tobias besuchen die Schule in Thalheim. „Ich bin froh, dass sie Freunde gefunden haben.“ Beide spielen Fußball im Verein.

Und doch gibt es traurige Momente. „Der Kleine ist immer sehr betrübt, wenn ich zurück in die Reha muss.“ Ihre Familie ist eine große Stütze. Neulich hat ihr jemand Bilder aus der Zeit gegeben, als die Fünf noch beisammen waren. „Da kam alles wieder hoch“, sagt die 40-Jährige.

Immer wieder gehen sie ans Grab von Christian und Anna. Beide liegen in Sichtweite des Hauses auf dem Friedhof von Oberbierbach. „Es gibt schon Momente, in denen ich mich frage: Warum habe ich überlebt? Und: Wie soll es weitergehen?“

Die Humms leben von Witwen- und Waisenrente. Das reicht gerade so, nicht aber für eine neue Existenz. Es ist nichts mehr da. Sandra Humm will mit ihren Buben in der Erdinger Heimat bleiben, am liebsten in Oberbierbach. Doch ohne fremde Hilfe geht das nicht.

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt unverschuldet in Not geratene Bürger im Landkreis wie Familie Humm aus Oberbierbach. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54 7005 1995 0000 0171 11.

Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.

Was bedeutet es für eine Mutter, wenn sie ihre Tochter verliert? Edda Capezzuto aus Vaterstetten spricht darüber. Vor gut 13 Jahren verlor sie ihr Kind

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