Bereits eingezeichnet hat Sebastian Haindl den Turm auf seinem Firmenfoto. Erst mal steht darauf geschrieben: „Liebe ist mutig“.
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Bereits eingezeichnet hat Sebastian Haindl den Turm auf seinem Firmenfoto. Erst mal steht darauf geschrieben: „Liebe ist mutig“.

Für die Gesprächskultur: Zimmerei plant 17-Meter-Turm auf Firmengelände

Fraunberger Funkfeuer: 17-Meter-Turm mit LED-Botschaften

Ein 17-Meter-Turm soll auf dem Firmengelände der Zimmerei Haindl in Grucking entstehen. Das Besondere: Er zeigt LED-Botschaften, die von jedem stammen können.

VON FRIEDBERT HOLZ

„Wir waren auf der Suche nach neuen Büroflächen für unseren wachsenden Betrieb“, so Haindl. „Der besteht schon seit 1964, vor 21 Jahren habe ich ihn von meinem Vater übernommen.“ Nach eingehenden Gesprächen über seine betrieblichen und persönlichen Zukunftsvisionen habe seine Architektin Anna Gmelin aus Penzberg vorgeschlagen, umweltfreundlich nachzuverdichten, die historische Werkhalle umzunutzen und einen farbig-schillernden Holzturm im Zentrum des Betriebsgeländes zu errichten. „Diese Lösung sprach mich sofort an: Sie ist nachhaltig und gibt dem Betrieb eine prägnante, neue Mitte. Schließlich arbeiten wir hier jeden Tag mit dem natürlichen Material Holz.“

Der 50-Jährige hat Zimmerer gelernt und später noch Bauingenieur studiert. Und er trug sich schon lange mit dem Gedanken, „aus dem Alltag aufzutauchen, auch bildlich, symbolisch auf eine etwas andere Ebene zu gehen“.

Deshalb rannte Gmelin offene Türen ein, als sie Haindl ihre Idee vom „Funkfeuer Fraunberg“ überbrachte, er finde diese Idee „berührend“, so Haindl. Verbunden wird das Profane mit einem Stück Kunst: Der 17 Meter hohe Holzturm, in der Grundfläche 7,70 Meter lang und 4,20 Meter breit, „soll fein und maßvoll wirken“, so Haindl.

Während die Außenfassade aus bunten Holzelementen besteht und im unteren Teil ein paar Fenster hat, werden im Inneren drei Büroräume und die Treppe eingebaut, später folgt vielleicht noch ein Aufzug. Das Besondere an diesem Bauwerk, „mitten in einem Dorf, wie es in Deutschland tausende gibt“, sieht Haindl aber an dessen Spitze. Dort soll eine den ganzen Turm umlaufende Fläche Platz bieten für Botschaften aller Art mit einer Schrifthöhe von 1,20 Metern. Auch grafische Elemente sollen sich über die Häuser der Nachbarschaft hinweg, für jeden sichtbar, senden lassen.

Nachts sind die LED-Panels bunt beleuchtet. „Wechselnde Botschaften von wechselnden Urhebern dürfen hier Signalwirkung entfalten, sie können Sendern wie Empfängern eine Art mentale Orientierungshilfe auf ihrer Lebensreise sein“, beschreibt Haindl seine Idee.

Nicht alle im Ort fänden diese Idee toll, andere aber seien begeistert, verstehen, dass der Handwerker damit „Grenzen brechen“ will. Wer eine Botschaft hat, kann sie vorschlagen. Eine Jury – momentan bestehend aus Sebastian Haindl, Bürgermeister Hans Wiesmaier, Architektin Anna Gmelin und eventuell Kunstexperten – prüft dann die Botschaften und wählt aus. „Es werden hier keine Werbebotschaften für meine Firma laufen, aber vielleicht für unser Dorf. Ich sehe die Funktion dieses Schriftbandes eher als eine funke(l)nde Stimme für jene, die sonst vielleicht keiner hört. Außerdem sollte hinter jeder gesendeten Botschaft auch eine interessante Geschichte stehen“, so Haindl.

Fraunbergs Gemeinderat hat seinem Projekt vor kurzem zugestimmt, bei einer Gegenstimme. Auch Landrat Martin Bayerstorfer gefällt dieser „Farbtupfer im Landkreis“. Nun soll der Bau des Turms, dessen Planung vor rund einem Jahr begonnen hat, in Angriff genommen werden. „Bis zum ersten Advent wären wir gerne fertig“, zeichnet Haindl ein ideales Ablauf-Szenario, vor dessen realer Umsetzung aber noch das Thema der Finanzierung steht. Das komplette Kunstobjekt kostet eine sechsstellige Summe,, mit allen begleitenden Werkzeugen wie Social Media oder Webseite. Und so denkt der Unternehmer an einen Förderverein, in dem jede/r Interessierte Geld einbringen könnte. Aber er war auch schon beim Kulturfonds Bayern vorstellig, hat dort sein Funkfeuer-Vorhaben präsentiert.

„Das ist ein soziales, künstlerisches Projekt, das weit über den Ort hinaus wirken wird und daher förderungswürdig ist. Es bringt Gemeinde und Landkreis nicht nur in Kommunikation mit sich selbst, sondern auch mit anderen. Und es fördert die Gesprächskultur, hebt vor allem die Kunst von ihrem elitären Altar der akademischen Arroganz herunter, bringt vor allem Kunst mitten hinein ins alltägliche Leben, macht sie damit ein Stück demokratischer“, lautet ein Auszug aus Haindls Förderungsbegründung.

Auch wenn nicht viel Geld aus dem staatlichen Fördertopf fließen sollte, will Haindl, Chef von 20 Angestellten, seinen Funkturm umsetzen. Denn er sei an einem Punkt im Leben angekommen, „in dem mir klar geworden ist, dass Geld verdienen alleine nicht das Ziel sein kann, auch wenn es viele ernährt. Was uns am Ende des Lebens bleibt, ist der Geist, ist das, was wir angestoßen und bewegt haben. Es geht, blumig formuliert, tatsächlich um Liebe in jeder Form“. Vielleicht brennt er auch deshalb so für sein Projekt, weil Architektin Gmelin auf ihrer Fotomontage des Turms den Schriftzug „Liebe ist mutig“ gewählt hat?

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