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Oldtimertreffen Kemoding

Geschichtsunterricht in Blech und Chrom

Kemoding – Pünktlich zum Start des Oldtimertreffens begann der große Regen, als hätte der Wettergott keinerlei Sinn für schöne, alte Fahrzeuge. Doch die Freunde betagter Vehikel, gleich ob Traktoren, Autos oder Motorräder, ließen sich davon nicht abhalten.

„Gut 300 Fahrzeuge aus den benachbarten Landkreisen“, so schätzte Rudi Obermeier, der Vorsitzende der Oldtimerfreunde Kemoding, waren zu diesem Stelldichein gekommen – und gut doppelt so viele Besucher.

Ein Abstecher in den winzigen Teilort der Gemeinde Fraunberg sollte sich lohnen: Da standen, fein säuberlich im Kreis aufgereiht, Traktoren aller Baujahre, Marken, Größen und PS-Leistungen. Neben einem uralten Hanomag hatte sich ein MAN eingefunden, ein McCormack und ein Deutz dahinter. Schräg vor ihnen tuckerte ein Lanz – sein Einzylinder-Motor, dessen Kolben in der Größe eines kleinen Marmeladeneimers auf und ab hämmerte, brachte das ganze Gefährt zum Wackeln.

Die Zuschauer freute das, so etwas gibt’s heute kaum mehr zu sehen. Hier konnten Väter ihren Söhnen automobilen Geschichtsunterricht geben. „Schau mal, dort steht ein seltener DeLorean, der war der Hauptdarsteller im Film ,Zurück in die Zukunft‘“, schwärmte etwa ein Mittfünfziger seinem Sprössling vor. Andere begeisterten sich eher für einen bildschönen Jaguar E-Type, einen MG Roadster oder jenes Ford AF Cabrio von 1928, das seinen Weg in die mittlerweile nasse Wiese auf Holzrädern gefunden hatte.

In der Benzin-geschwängerten Luft gab es aber auch alte Motorräder zu bestaunen. Zahllose alte DKW- oder BMW-Maschinen standen tropfend da. Und mitten unter ihnen eine alte Zündapp-Wehrmachtsmaschine mit Beiwagen – war sie einst im Afrika-Feldzug dabei?

Ein weiterer Höhepunkt aber ist auch jener Stadl der Oldtimerfreunde, der aus Anlass des Treffens erstmals zu besichtigen war. Vor neun Jahren hatte der rührige Verein eine alte Sägewerksscheune aus Geisenhausen geschenkt bekommen mit der Auflage, diese selbst abzubauen und nach Kemoding zu transportieren.

Nachdem dank der Hilfe der Gemeinde Fraunberg ein Grundstück gefunden war, konnten die Mitglieder endlich ihren eigenen Stadl aufbauen. Jetzt ist er fertig. Während im unteren Teil der Scheune ein Dreschkasten von 1928 und weitere landwirtschaftliche Großgeräte aus der Landwirtschafts-Historie stehen, können im Zwischengeschoss zwei originalgetreu aufgebaute Stuben von einst bestaunt werden. Da stehen uralte Betten und Schränke, stilecht neben Waschschüssel und Nachttopf. Sogar ein Gebetbuch liegt auf einer der Kommoden.

Wer über eine Galerie geht, kann zudem Utensilien aus dem bäuerlichen Leben entdecken, vom Pflug über Nähmaschinen oder Kinderwagen, sogar altes Schuhmacher-Werkzeug wird gezeigt. Auch Bürgermeister Hans Wiesmaier, der bei der Entstehung des Stadls mit Rat und Tat zur Seite stand, freute sich über das gelungene Schmuckstück in seiner Gemeinde. Er hatte es sich mit einem Bier draußen gemütlich gemacht und beobachtete das bunte Treiben im tristen Regen-Grau : unter einem schützenden großen Schirm, wie es einem Schirmherrn zusteht.

Friedbert Holz

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