Klima-Expertise vom Bildschirm aus: 50 Bürger folgten den Ausführungen von Diplom-Geograph Manfred Miosga.
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Klima-Expertise vom Bildschirm aus: 50 Bürger folgten den Ausführungen von Diplom-Geograph Manfred Miosga.

Geograph erklärt bei Fraunberger Bürgerdialog, was Gemeinden tun können

Kampf dem Klimawandel: „Menschen handeln meist erst, wenn es bereits wehtut“

Selbst kleine Gemeinden können den drohenden Folgen des Klimawandels Einhalt gebieten. Transformation vor Ort, also ein grundlegender Wandel gerade auch im kommunalen Bereich: Das ist der Schlüssel für Manfred Miosga. Der Diplom-Geograph und Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth präsentierte beim Fraunberger Online-Bürgerdialog seine Vorstellungen dazu.

Fraunberg - Eingeladen hatte die neue Projekt-Gruppe „Nachhaltigkeit und Klimaschutz“ (wir berichteten), rund 50 Bürger schalteten sich zu.

„Wir sollten langsamer, partnerschaftlicher, naturbasierter und regionaler leben“, so die Botschaft des Professors. In einer Präsentation, die demnächst auf der Gemeinde-Homepage zu sehen sein wird, stellte er seine Lösungsansätze gegen den fortschreitenden Klimawandel vor. „Jede Gemeinde kann sich auf verschiedenen Gebieten engagieren, von erneuerbaren Energiequellen in Bürgerhand über flächenschonende Siedlungsentwicklung bis zu anderem Wohnen und Bauen – wir müssen langfristig weg vom Zement als Baustoff hin etwa zu Holz, und auch das einzeln stehende Haus kann nicht die Wohnform der Zukunft sein.“

Miosga plädiert hinsichtlich Mobilität mehr auf den Gedanken des Nutzens als des Besitzens, „es macht Sinn, in einer Familie keinen Zweitwagen mehr zu haben und dafür Car-Sharing zu nutzen oder ein Bürger-Bus-System einzuführen“. Was Nahversorgung angeht, baut der 56-jährige Experte vor allem auf Start-up-Unternehmen in der Weiterverarbeitung regionaler Produkte, die theoretisch überall aufgebaut werden könnten. Er befürwortet auch eine Vielfalt der Branchen, setzt auf Tauschringe etwa für Geräte des nicht alltäglichen Bedarfs. „Ganz wichtig wird aber künftig sein, dass wir auch sozialer denken. Der Hilfsgedanke muss dominieren, wir brauchen auch neue, lokale Kommunikationsräume, etwa einen Bürgerrat.“

Dass Fraunberg schon einen Gemeindeentwicklungs-Verein hat, lobte Miosga. „Es gilt, uns als Gesellschaft so zu wandeln in unserem Verhalten, dass wir künftig schneller sind als ein Virus wie Corona. Diese Krise kam keinesfalls aus dem Nichts, sie ist auch keine Naturkatastrophe. Sie ist vielmehr die Folge einer jahrelangen Missachtung von Regeln. Die Art, wie wir bisher gelebt haben, macht den Planeten kaputt.“ Der Experte ist sich sicher, dass die Bevölkerung der westlichen Industriestaaten sich „an der obersten Kante der exponentiell ansteigenden CO2-Kurve bewegt – eigentlich bräuchten wir jetzt eine fünfmal schnellere CO2-Reduzierung, um das Pariser Klimaabkommen zu erreichen“.

Die Anregung von Zuhörer Felix Browarczek aus Erding, pro Gemeinde das aktuelle CO2-Limit öffentlich zu nennen, um einen Anhaltspunkt für das persönliche Umwelt-Verhalten zu haben, findet Miosga gut: „Augsburg als Stadt macht das bereits. So können alle Leute klar sehen, was sie mit ihrem Handeln bewirken und hoffentlich auch darauf reagieren. Menschen handeln meist erst, wenn es bereits wehtut.“

Die Fraunberger Klima-Gruppe will sich in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Gedanken um die Umsetzung einiger genannter Punkte bemühen. Zunächst einmal soll eine Blühwiese entstehen, um ein Biotop für die Artenvielfalt von Insekten zu schaffen. Außerdem wird ein öffentlicher Bücherschrank aufgebaut, als jederzeit zugänglicher Tausch- und Wechselpunkt für Literatur aller Art.

FRIEDBERT HOLZ

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