Das Fertlbauer-Kreuz an der B 388 erinnert an die Landjugendbegegnung mit der Stadt Cappeln.
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Das Fertlbauer-Kreuz an der B 388 erinnert an die Landjugendbegegnung mit der Stadt Cappeln.

Kleine Gedenkstätten in Kemoding, aufgestellt zur Erinnerung an besondere Ereignisse

Jedes Kreuz hat seine Geschichte

  • Friedbert Holz
    VonFriedbert Holz
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Oft werden Wegkreuze in Gedenken an ein tragisches Ereignis aufgestellt. Manche sind aber auch als Glücksbringer gedacht. Wir haben in Kemoding nachgeforscht.

Kemoding – Feld- oder Wegkreuze gibt es viele in Bayern, sie sind seit Jahrhunderten Bestandteil ländlicher Kultur. Sie laden Vorbeigehende zum Innehalten, zur Besinnung oder gar zum Gebet ein. Einige von ihnen sind entstanden aus einem bestimmten Anlass heraus, etwa zum Gedenken an Verstorbene, als Dank für überstandene Krankheiten, Kriege oder andere Krisen.

Sie erinnern aber auch an Ereignisse, die für ihre jeweiligen Stifter von großer Bedeutung sind – und bei einigen ist der Grund ihrer Existenz nicht mehr nachvollziehbar. Allein im Raum Kemoding, einem kleinen Teilort der Gemeinde Fraunberg, finden sich gleich mehrere ganz unterschiedliche Kreuze.

Sehr bekannt, da immerhin 2,5 Meter hoch und direkt an der Bushaltestelle an der B 388 zwischen Grünbach und Inning am Holz prominent positioniert, steht das so genannte Fertlbauer-Kreuz. Im Auftrag der Familie Pohlschneider wurde es aus einer Südoldenburger Eiche gefertigt und soll an die Landjugend-Begegnung mit der Stadt Cappeln in Oldenburg erinnern. „Freundschaften aus den Treffen von 1975 und 1976 bestehen heute noch“, weiß Andreas Faltermaier aus Kemoding. Seit mehreren Jahren kümmert er sich zusammen mit seiner Frau um das Kreuz. Dieses hölzerne Mahnmal weist aber auch auf ein Verbrechen hin: Am 31. Juli 1831 wurde im gegenüber liegenden Waldstück Köhlholz Anna Schwarzenberger aus Berglern martialisch getötet. Sie war im achten Monat schwanger, ihr Geliebter war angeblich auch ihr Mörder. Und die Legende besagt, dass sie immer noch keine Ruhe gefunden habe und angeblich als „Weiße Frau“ herumirre.

Der Grund für das hölzerne Gartner-Kreuz, das im Hof von Heinrich Attensberger hängt, ist schon etwas profaner. „Wir haben bei einem Besuch des Wallfahrtsorts Altötting vor etwa 25 Jahren dieses Kreuz gekauft. Es soll unser Anwesen schützen und Glück bringen für Mensch und Tier“, so der Inhaber. Das Kreuz zeigt den gekreuzigten Christus mit seiner Mutter Maria darunter.

Das Gartner-Kreuz im Hof von Familie Attensberger soll Glück für Mensch und Tier bringen.

Diese klassische Darstellung schmückt viele Feldkreuze, auch das Garma-Kreuz. Es wurde, benannt nach dem Garma-Hof, von überlebenden Soldaten des Ersten Weltkriegs zur Erinnerung an ihre gefallenen Kameraden gebaut sowie aus Dankbarkeit, die Schlachten überlebt zu haben. In seiner Nähe wächst übrigens auch eine Rosenart mit dem bezeichnenden Namen „Peace“ (Frieden). Viele Jahre lang hatte sich Helene Algasinger, „die Garmerbäuerin“, um dieses Kreuz gekümmert. Es ist auch weiterhin in der Obhut der Familie. Sepp Algasinger aus Kleinstürzlham erinnert sich: „Das Kreuz steht unter einer Linde an der Verbindungsstraße zwischen Rappoltskirchen und Kemoding, wo früher nur ein schmaler Fußweg verlief. Einst gehörte dieses Stück Land noch zu unserem Hof, doch mittlerweile ist es Gemeindegrund“.

Das Garma-Kreuz bauten Soldaten des Ersten Weltkriegs in Erinnerung an ihre gefallenen Kameraden.

Auch das so genannte Müller-Kreuz wurde letztlich nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs von der gleichnamigen Familie aufgestellt. Es geschah aus doppelter Dankbarkeit: Denn einerseits hatte Fritz Müller die Flucht vor den Russen aus seiner Heimat Schlesien nach Niederbayern unbeschadet überstanden. Und auch seine Frau Marianne, die aus dem Sudetenland vertrieben worden war, kam heil hier an. „Wir waren beide über Monate unterwegs, nur mit dem Nötigsten an Besitz und unter widrigen Bedingungen“, erinnert sich das Ehepaar. Jetzt, 50 Jahre nach ihrer Flucht, haben sie zum Dank ein Kreuz aufgestellt. Sie sind froh, in Kemoding ein Zuhause gefunden zu haben, freuen sich nun mit ihrer Tochter, vier Enkeltöchtern und drei Urenkeln über ihre friedvolle neue Heimat.

In Kemodings Kapelle selbst hängen weitere interessante Kreuze. Zum einen das deutsch-russische: Das kleine christliche Symbol aus Holz hing vor etwa 50 Jahren in einem deutschen Haus. Dort entdeckte ein russischer Besatzungssoldat das Kreuz und brachte es in seine Heimat. Schließlich aber übergab sein Enkel Wadim Uljanow aus Minsk (Ukraine) das Kleinod an Andreas Faltermaier bei dessen Besuch in Weißrussland. „Es sollte nach Deutschland zurück kehren und zum Frieden in der Welt mahnen“, sagt der Kemodinger dazu. Er selbst hat übrigens ein eigenes Wallfahrerkreuz, rund 20 Kilogramm schwer, anfertigen lassen, um mit ihm zur Kreiswallfahrt ins nahe Maria Thalheim zu pilgern – „leider hat es sich wegen Corona bisher nur ein einziges Mal ergeben“.

Während sich viele Feldkreuze hierzulande eher an einer althergebrachten Form orientieren, hat Anton Eibl aus Kemoding sich etwas Besonderes ausgedacht. Sein Kreuz, das sich am östlichen Ortsausgang befindet, wo auch ein Obstbaum und zwei Sitzbänke zum Verweilen einladen, entstand sehr modern. Auf einer gut mannshohen Basisform aus Holz zeigt sich eine Kunstschmiedearbeit aus Metall mit einer goldenen Kugel in der Mitte. Dazu sein Stifter: „Ich wollte schon immer mal ein Kreuz aufstellen, aber in etwas anderer Form. Das ist, wie ich glaube, auch gut gelungen, die Kugel soll das Herz Jesu symbolisieren“.

Ein modernes Kreuz wollte Anton Eibl „schon immer mal“ aufstellen. Die Kugel symbolisiert das Herz Jesu.

Friedbert Holz

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