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In ihrer „Premiumkommune Fraunberg“ sprach Umweltministerin Ulrike Scharf gerne ein Grußwort. 

kommunalzirkel in fraunberg

„Jugendliche nicht verheizen“

Fachleute aus Jugendarbeit und Kommunalpolitik diskutierten über Möglichkeiten, die Jugend an ihre Heimatorte zu binden. Zu frühe Vereinsanmeldungen wurden kritisch gesehen.

Fraunberg – Unter welchen Bedingungen fühlen sich Jugendliche in ihrer Heimat wohl? Dies war eine der zentralen Fragen der Veranstaltung „Jugend in der Kommune – Wie sehen junge Menschen ihre Situation?“ im Gemeindezentrum Fraunberg. Darüber debattierten Referenten aus ganz Bayern sowie fast 70 weitere Teilnehmer: Sozialwissenschaftler sowie Vertreter aus Jugendarbeit und Gemeinden.

Die aus Maria Thalheim stammende Umweltministerin Ulrike Scharf sprach ein Grußwort und lobte den Gestaltungswillen in der „Premiumkommune“ Fraunberg. Vor allem in Zeiten des demografischen Wandels sei es wichtig, die Lebensqualität zu erhalten. Die Jugend werde dazu dringend gebraucht, sagte Scharf.

Bürgermeister Hans Wiesmaier hatte den Veranstaltungssaal im Gemeindezentrum für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt. „Unser Ziel ist es, andere Gemeinden dazu aufzurufen, dem offenen Netzwerk beizutreten.“ Damit meinte er das „Netzwerk nachhaltige Bürgerkommune“, dem Fraunberg seit fast zehn Jahren angehört. Das Zentrum für nachhaltige Kommunalentwicklung in Bayern ist Veranstalter des Kommunalzirkels, der sich in Fraunberg nun zum vierten Mal traf. Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Umweltministerium, wobei Scharf die zukünftige Unterstützung zusicherte.

Bei einem waren sich alle Referenten einig: Der Jugend müsse ein Forum sowie Raum zur Selbstentfaltung gegeben werden. Die Verwurzelung in Vereinen und im Landleben seien wichtig, erklärte Michael Bergrab, mit 24 Jahren jüngster Bürgermeister in Bayern, aber: „Jugendliche lassen sich nicht in eine Schublade stecken, weil alle unterschiedlich sind.“ Siegfried Fischer, Bürgermeister von Isen, warnte vor einer zu frühen Vereinsbindung. Es bringe nichts, bereits Sechsjährige im Feuerwehrverein anzumelden, „wenn man sie erst mit 20 Jahren brauchen kann. Man darf die Jugendlichen nicht verheizen“.

Gute Vereinsarbeit funktioniere, indem man den Jugendlichen bereits früh Vereine schmackhaft mache, sie aber nicht zwingend binde, antwortet darauf Reinhold Demleitner von der Bürgerstiftung Pettendorf im Kreis Regensburg. Auch Bürgermeister Wiesmaier warf die Frage auf, ob es denn der richtige Weg sei, Kinder an Institutionen zu binden. Es gebe andere Wege, die Jugend an den Ort zu binden – zum Beispiel mit Wlan-Hotspots, wie sie in Fraunberg geplant seien.

Einer der Referenten war der österreichische Journalist Christoph Schattleitner. Er zeigte einen Weg auf, wie man unter 18-Jährigen mit neuen Medien erreichen könne. Denn Facebook sei in dieser Altersgruppe eher unbeliebt. Beispielsweise eine Feuerwehr könne stattdessen einen Snapchat-Account einrichten, um so reale und virtuelle Welt zu verbinden. Diese Plattform nutzen Jugendliche derzeit sehr gerne.

Maria Bachmaier

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