Bürger in Sorge  

Junge Asylbewerber: Bachham in Sorge

Fraunberg - Elf jugendliche Flüchtlinge werden in einer neuen Einrichtung in Bachham betreut. Einige Bürger haben Ängste.

Es passiert selten, dass bei Ratssitzungen im Fraunberger Gemeindeamt die Stühle ausgehen. Am Dienstag mussten einige Zuschauer stehen. Grund für das Interesse: Seit Dienstag leben im kleinen Bachham zehn unbegleitete jugendliche Flüchtlinge. Dies gibt offensichtlich Anlass zur Sorge.

Über die ausgehandelten Flüchtlings-Quoten solle Fraunberg 54 Asylbewerber aufnehmen, erläuterte Bürgermeister Hans Wiesmaier. „34 sind schon seit mehreren Jahren in Grucking, jetzt folgen elf Jugendliche für Bachham“, sagte er. Die Burschen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Pakistan und dem Iran seien zwischen 14 und 18 Jahre alt. Sie wohnen künftig in der ehemaligen Arbeiterpension eines privaten Betreibers. Die Betreuung liegt in den Händen der Johanniter.

„Der Vertrag mit der Betreiber-Familie läuft zunächst über ein Jahr. In der Pension haben die Jugendlichen neben ihren Zimmern einen Aufenthaltsraum sowie eine kleine Küche. Sie werden dort nicht mit Catering versorgt, sondern sollen lernen, selbst für sich zu sorgen - Hilfe zur Selbsthilfe“, berichtete Susanne Schönwälder vom Johanniter-Regionalverband.

Die Jugendlichen werden nach einem Deutschunterricht in die Integrationsklassen der Berufsschule Erding und eventuell nach Wartenberg verteilt. Den Transport übernehmen die Johanniter sowie Hilfskräfte, die sich neben fünf Pädagogen um die jungen Flüchtlinge kümmern. Nachts wird jeweils ein Betreuer zugegen sein, an den Wochenenden sind es zwei.

„Die jungen Männer werden sicher gut beschäftigt sein“, meinte Schönwälder. Nach der Schule müssten sie kochen und Hausaufgaben machen, „der Tag wird für sie sehr strukturiert sein“. WLAN wurde installiert. „Das Telefonieren mit Angehörigen dürfte enorm wichtig sein“, sagte Schönwälder.

Es gibt außerdem eine Kooperation mit dem Jugendtreff Altenerding, dorthin sind auch Ausflüge geplant. Eine Lehre oder weiterführende Schulen seien das Ziel. „Grundsätzlich haben alle bis zu ihrem 18. Lebensjahr dort ein Bleiberecht“, ergänzte Margit März, Mitglied im Johanniter-Regionalvorstand.

„Trotz eines guten Betreuungsschlüssels ist die Integration vor Ort durch nichts zu ersetzen. Wir planen daher auch ein Einladungsfest“, sagte März. So könnten Interessierte die jungen Gäste kennenlernen. „Nur so lassen sich Ängste ausräumen.“

Tatsächlich formulierten Anwesende Bedenken. Für einige war es unverständlich, weshalb von der Betreiberfamilie niemand im Saal anwesend war („Die haben doch selbst zwei blonde Mädchen. Wissen die, was sie tun?“).

Andere sorgen sich darum, dass die jungen Männer aus dem arabischen Raum herumlungern, auch nachts, und eventuell Frauen belästigen. Wiesmaier und die Johanniter-Vertreter versprachen, sich bei Störungen sofort um ihre Behebung zu kümmern. Auch das Jugendamt könne jederzeit eingeschaltet werden, bei kriminellen Vorgängen die Polizei. Zunächst gelte es aber, einen Ansprechpartner auszumachen, einen jederzeit zu erreichenden „Kümmerer“.

Gemeinderätin Maria Pfeil aus Grucking versuchte die Bachhamer zu beruhigen: „Wir wohnen jetzt schon seit über drei Jahren mit rund 30 Flüchtlingen aus verschiedenen Nationen zusammen, und es ist noch nie etwas Ernsthaftes vorgefallen.“

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