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„Keine Ahnung, wie lange ich noch habe“

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Von: Alexandra Anderka

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Einer der wenigen glücklichen Momente im Leben der Familie Schaurer aus Reichenkirchen: Bei diesem Fotoshooting, ermöglicht durch den Verein Nana – Recover Your Smile, wählte Krebspatientin Daniela Schaurer ein pompöses Abendkleid. Einer Ihrer größten Wünsche wäre es, ihren Mann Björn (2. v. l.) noch kirchlich zu heiraten. Auf dem Bild sind auch ihre Kinder Eric, Emilia und Phillip (v. l.) zu sehen.
Einer der wenigen glücklichen Momente im Leben der Familie Schaurer aus Reichenkirchen: Bei diesem Fotoshooting, ermöglicht durch den Verein Nana – Recover Your Smile, wählte Krebspatientin Daniela Schaurer ein pompöses Abendkleid. Einer Ihrer größten Wünsche wäre es, ihren Mann Björn (2. v. l.) noch kirchlich zu heiraten. Auf dem Bild sind auch ihre Kinder Eric, Emilia und Phillip (v. l.) zu sehen. © Nana – Recover your Smile

Daniela Schaurer aus Reichenkirchen ist schwer krank. Das Schlimmste für sie sei die Ungewissheit, sagt sie. Das Leserhilfswerk Licht in die Herzen unterstützt die Familie.

Reichenkirchen – „Wir wollten zu unserem 25. Hochzeitstag kirchlich heiraten. Das habe ich mir immer gewünscht“, sagt Daniela Schaurer, die sich selbst als „sehr gläubig“ bezeichnet. Sie und ihr Mann Björn haben sich vor 20 Jahren standesamtlich das Jawort gegeben. „Ich habe ihr das immer versprochen“, sagt der 41-Jährige, „aber ich bin ein Tanzmuffel“, erklärt er augenzwinkernd, warum die große Hochzeit immer wieder verschoben wurde. Doch ob ihr größter Wunsch noch in Erfüllung geht, weiß die 42-Jährige nicht. Sie ist seit 2018 an Lungenkrebs erkrankt.

„Als ich am 1. August 2018 die Diagnose bekommen habe, war das anfangs natürlich ein Riesenschock für uns“, erinnert sich die dreifache Mutter. „Ausgerechnet am internationalen Tag des Lungenkrebses“, ergänzt ihr Mann sarkastisch.

Bei Daniela Schaurer handelt es sich um ein nichtkleinzelliges Adenokarzinom mit Mutation. Diese Art von Krebs sei eher in asiatischen Ländern vor allem bei jungen Menschen verbreitet. „,Sie passen nicht ins Muster für Lungenkrebs, Frau Schaurer‘“, wurde uns in der Klinik gesagt, doch das wusste der Krebs leider nicht“, sagt Björn Schaurer traurig.

Hoffnungsschimmer: eine Therapie mit Tabletten

Schon am 2. August 2018 wurde Daniela Schaurer operiert, es hatten sich Metastasen in den Brustwirbeln gebildet. Mit 30 Zentimeter langen Stäben wurden diese versteift. „Meiner Frau wurde der komplette Rücken aufgeklappt“, erzählt ihr Mann. Auch im Kopf hatten sich schon Metastasen gebildet, sie mussten bestrahlt und zwei Mal operiert werden.

Dann ein Hoffnungsschimmer: eine Therapie mit Tabletten. „Das gab mir Zuversicht“, erzählt die Patientin. Doch es dauerte nur ein Jahr, bis sich der Krebs zurückmeldete – mit neuen Metastasen im Kopf, dann im Lendenwirbel. Und der Primärtumor war wieder gewachsen. Erneut Bestrahlung.

Kurz darauf folgte ein Schlaganfall mit epileptischen Anzeichen. „Meine Frau kam zu mir ins Homeoffice und stellte eine Frage mit lauter verdrehten Wörtern“, erinnert sich Björn Schaurer, der als Justizfachwirt am Amtsgericht Erding arbeitet.

Söhne können nicht nach Hause kommen

Er habe sie sofort ins Krankenhaus rechts der Isar nach München gefahren. „Da war ich neun Tage, keiner durfte mich besuchen, das war schlimm“, sagt die Krebspatientin. „Ja, Corona macht das Ganze nicht unbedingt leichter“, meint Björn Schaurer. Seine Frau gilt als Hochrisikopatientin, was für ihn und die drei Kinder bedeutet, dass sie sich besonders schützen müssen. „Ich gehe kaum raus“, so der Familienvater. „Und wenn, packe ich mich total ein, ziehe beim Einkaufen Einmal-Handschuhe an. Da werde ich schon manchmal komisch angeschaut.“

Der älteste Sohn Eric macht eine Ausbildung zum Justizwachtmeister in München. „Ihn hat die Diagnose damals ganz schön getroffen, er ist seelisch abgerutscht. Gott sei Dank hat er sich wieder gefangen“, sagt sein Stiefvater. Der 24-Jährige bleibe, zum Schutz seiner Mutter, die meiste Zeit bei seiner Freundin in München.

Auch für den 18-jährigen Phillip ist es nicht einfach. Er absolviert gerade eine Berufsausbildung zum Krankenpfleger am Klinikum Erding. „Er hat dort so viele Kontakte. Deshalb bleibt auch er viel bei seiner Freundin.“

„Ihr geht es schlecht, aber sie macht sich Sorgen um uns“

Daniela Schaurer würde ihre Söhne so gerne einfach nur umarmen, aber ihr bleibt in der Corona-Zeit nur die Video-Telefonie. Wegen der Ansteckungsgefahr kann die 42-Jährige nicht einmal ihre Familie sehen, wenn sie im Krankenhaus auf der Onkologie liegt. Wofür Björn Schaurer vollstes Verständnis hat. „Man muss alle Patienten schützen“, sagt er.

Tochter Emilia lebt noch zuhause. Die 15-Jährige besucht die 10. Klasse der Mädchenrealschule Heilig Blut und ist der Mutter eine große Stütze. Der tut es wiederum leid, „dass Emilia jetzt so schnell erwachsen werden muss, dass ihre ganze Kindheit verloren geht“.

„Das ist typisch meine Frau: Ihr geht es schlecht, aber sie macht sich Sorgen um uns“, sagt Björn Schaurer. Auch er habe zu kämpfen. „Ich wollte es ganz lange nicht wahrhaben, doch ab irgendeinem Punkt konnte ich nicht mehr. Ich war früher ein Läufer, habe für verschiedene Wettkämpfe trainiert. Plötzlich hatte ich keinen Antrieb mehr, für nichts. Ich bin in der Nacht mit Ängsten aufgewacht, hab’ mir die Frage gestellt, wie soll ich das alles stemmen ohne meine Frau? Kann ich die Miete für unser Haus bezahlen? Daniela hat Vollzeit als Kinderpflegerin gearbeitet. Jetzt bekommt sie Erwerbsminderungsrente.“

Eine Große Hilfe: Palliativ Team Erding

Mittlerweile ist auch der 41-Jährige in ärztlicher Behandlung. Eine große Hilfe leiste auch das Palliativ Team Erding. „Frau Huber und Dr. Schmidkonz strahlen solch eine Ruhe aus. Wir sind sehr froh, dass wir sie haben.“

Das Schlimmste sei für Daniela Schaurer die Ungewissheit. „Keine Ahnung, wie lange ich noch habe, und wie es mir zum Schluss ergeht.“ Sie weiß, wovon sie spricht, denn vor sieben Jahren hat sie ihre Mutter verloren – auch durch Krebs. Sie möchte so lange wie möglich zuhause sein, auch bei ihrem Mann im gemeinsamen Ehebett.

Deshalb wünscht sich Daniela Schaurer einen elektronischen Lattenrost mit passender Matratze für ihr Bett. Rund 2000 Euro würde das kosten. Und ein Sauerstoffgerät mit Akkus würde ihr Leben erleichtern und mobiler machen. „Die Krankenkasse bezahlt nur ein schweres Gerät, das kann meine Frau nicht mehr tragen.“

„Wir hatten noch so viele Pläne“

Die Krebspatientin ist aktuell mitten in einer Chemo, die sie sehr schwächt. Sie kämpft mit Begleiterscheinung wie einer Lungenentzündung und einem Pleuraerguss. „Daniela ist nur noch Haut und Knochen“, sagt ihr Mann, „aber für mich bleibt sie die Schönste. Sie ist die Liebe meines Lebens.“

Trotz allem gibt es auch schöne Momente im Leben der Schaurers: Dazu zählte das kostenlose Fotoshooting kurz nach der Diagnose beim gemeinnützigen Verein Nana – Recover Your Smile. An Krebs erkrankte Menschen und Familienmitglieder werden von Profis geschminkt, die Kranken dürfen sich aus einem Kleiderfundus bedienen. Daniela Schaurer wählte ein weißes bodenlanges Kleid mit Strasssteinen. „Ich hatte noch nie so ein wunderbares Kleid an, das wollte ich mir ja für meine kirchliche Hochzeit aufsparen.“

„Wir hatten noch so viele Pläne“, sagt ihr Mann traurig. Doch jetzt hoffen die Schaurers erst einmal, dass die Chemotherapie anschlägt und sie zusammen Weihnachten feiern können. „Mit Schnelltests am Flughafen sollte das möglich sein. Das kostet zwar wieder ein Menge Geld, aber das ist es mir wert“, sagt die 42-Jährige, denn: „Wer weiß, wie viele Weihnachten mir noch bleiben.“

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt unverschuldet in Not geratene Bürger im Landkreis, wie Familie Schaurer. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54 7005 1995 0000 0171 11.

Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.

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