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Solche Baustellen gibt‘s künftig auch im Wohngebiet Reichenkirchen-Ost.

Kommunaler Mietwohnungsbau

Bezahlbare Wohnungen für Reichenkirchen

„Lob für euren Mut“: Mit dieser Anerkennung kommentierte Bürgermeister Hans Wiesmaier in der Gemeinderatssitzung am Dienstag den einstimmigen Beschluss, die Finanzierbarkeit eines kommunalen Mietwohnungsbaus in Reichenkirchen prüfen zu lassen.

VON FRIEDBERT HOLZ

Fraunberg– Schon mehrfach hatte das Gremium darüber diskutiert, im neuen Wohngebiet Reichenkirchen-Ost auf einer Fläche von rund 1900 Quadratmetern kommunale Mehrfamilienhäuser bauen zu lassen (wir berichteten). Diese Leistung der Gemeinde wäre freiwillig und würde im Rahmen des Kommunalen Wohnungsbauförderprogramms mit 30 Prozent Zuschuss vom Freistaat unterstützt. Zudem könnte Fraunberg bis zu 60 Prozent verbilligte Darlehen beziehen und dabei den Baugrund als Eigenleistung der Gemeinde mit einbringen.

Wiesmaier: „Wir stehen mit dem Projekt vor einer entscheidenden Weichenstellung. Denn wenn wir uns zum Bau von Kommunal-Wohnungen entscheiden, wird sich der Schuldenstand unserer Gemeinde erst einmal erhöhen, um einen einstelligen Millionenbetrag.“ Ferner brauche man dann eine Hausverwaltung und einen Projektsteuerer, um die Vermietung und den Erhalt der neuen Wohnungen zu managen. „Schließlich müssten, so die Forderungen des Staats, alle diese neuen Wohnungen barrierefrei sein.“ Mieten seien dafür zwar nicht festgesetzt, sie müssten aber angemessen sein. Und um platzsparend zu bauen, seien sogar eventuell Tiefgaragen notwendig.

Vor dem Hintergrund dringend benötigter Wohnungen stellte der Rathauschef das Vorhaben zur Diskussion. Christian Gruber (Wählergemeinschaft/WG Reichenkirchen) wollte wissen, ob eine Vorplanung nicht bereits den Staatszuschuss auffresse. Dazu Wiesmaier: „Falls eine Berechnung der Wirtschaftlichkeit positiv ausfällt, sollten wir eine Finanzierung auf 20 Jahre anstreben. Dann müssen wir Null auf Null sein. Wenn wir dieses Projekt aber zu kritisch sehen, um selbst Bauherr zu sein, könnten wir das betreffende Grundstück auch an einen fremden Bauträger verkaufen.“

Simon Selmeier (WG Fraunberg) wollte wissen, ob eine der neuen Wohnungen etwa für Obdachlose geplant sei. „Das wäre deutlich zu teuer für diesen Zweck“, meinte Wiesmaier. „Vielmehr haben wir Bedarf für Personen, die über Firmen zuziehen oder für neue Leute in Gemeindediensten.“

Karl-Heinz Reingruber (Grüne) warf ein, ob nicht die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises hier einsteigen wolle. Dazu gab der Rathauschef zu bedenken, dass in einem solchen Fall die Gemeinde ihr Grundstück kostenlos abgeben müsse, dafür später einen Teil der Mieteinnahmen bekomme. Schließlich brachte Maria Pfeil (WG Reichenkirchen) den wichtigsten Punkt vor, die Frage nach der möglichen Wirtschaftlichkeit für Fraunberg. „Dazu brauchen wir als ersten Verfahrensschritt eine Kostenschätzung durch ein Fachbüro, mit der Bedingung, dass wir nur eine Finanzierung wollen, die auf einer Vollvermietung basiert“, so Wiesmaier. „Erst wenn wir diese Zahlen haben, können wir entscheiden, ob wir dieses anspruchsvolle Projekt verfolgen wollen. Und erst dann könnten weitere Stufen nach der Vergabeverordnung für öffentliche Aufträge folgen.“ Nach kurzer Bedenkzeit entschied sich das Gremium einstimmig, eine Berechnung möglicher Kosten und Einnahmen bei einem Fachbüro in Auftrag zu geben.

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