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Seinen Tod dramatisch inszenieren wollte Stefan Voglhuber als Hans auf der Bühne im Strasser-Wirt.

Ein-Mann-Stück von Stefan Voglhuber

Ein Mann, viele Worte

Fraunberg - Stefan Voglhuber überzeugte in seiner Heimat mit dem Ein-Mann-Stück „Schieß mich ein bisschen tot.“

Mit großer Erwartungshaltung kamen die vielen Besucher zur vergnüglichen Tragödie „Schieß mich ein bisschen tot“, zu der Stefan Voglhuber in den Stadl beim Strasser-Wirt in Oberbierbach eingeladen hatte.

Es war aber keiner der beliebten Dreiakter der Inninger Theatergruppe, in denen der junge Schauspieler aus Reimering bisher sein Publikum erfreute. Es ist ein Ein-Mann-Stück - ein fast zweistündiger Monolog - mit dem er sein Publikum für sich gewinnen wollte. Die Feuertaufe gelang.

Total verblüfft und angetan waren viele im Publikum wie „akzentfrei hochdeutsch“ Voglhuber sprechen kann. „Da fremdld er a weng. Da is er nicht mehr der Voglhuber, den man kennt“, war in der Pause zu hören. Umso mehr wurde gelacht, wenn er ein paar bayerische Brocken von sich gab. Ebenso beeindruckt waren die Besucher, welch langen, komplizierten Text er sich merken kann. „Den hat er wie ein Tonband drin“, meinte einer anerkennend.

Voglhuber hatte vor gut zwei Jahren seinen Job in der Bank hingeschmissen, um eine Ausbildung als Schauspieler zu absolvieren. Sein Traumberuf. Eine Entscheidung, die ihm viel Respekt, aber auch Bedenken eingebracht hatte.

Das Stück des Schweriner Autors und Theatermachers Rudolf Korf war Voglhubers Abschlussarbeit an der Schauspielschule TheaterRaum. Mit ihm trat er bereits in einem Münchner Theater auf. Seine Arbeit wurde belohnt. 2014 gewann der Reimeringer den Lore-Bronner-Preis für Darstellende Kunst des Bezirks Oberbayern.

Nun zeigte er seinem Heimatpublikum, was er als Schauspieler mittlerweile alles kann. Und sein Auftritt war überzeugend. Glaubwürdig brachte er die Verzweiflung und Resignation von Hans rüber, der nach elf Jahren in der Firma seine Kündigung erhält und sich nur seinem Goldfisch, Herrn Fluntsch, im Wasserglas mitteilen kann. Ihm erzählt er seinen Frust, seinen Weltschmerz. Mit ihm sinniert er über den Egoismus, Unverstand, die Ungerechtigkeit sowie die degenerierte Gesellschaft und die Politik. Sich als „Abfall der Leistungsgesellschaft“ fühlend, verfällt er in Selbstmitleid, dann in Wut und Pragmatismus.

Nachdem er sich über sein Scheitern in der Arbeit und in der Frauenwelt ausgekotzt hat, überlegt er, wie er sich selbst am besten umbringen kann. Ein Zeichen will er setzen, seinen Tod für die Nachwelt dramatisch und nachhaltig inszenieren. Einen Koffer mit den nötigen Utensilien hat er sich schon besorgt. Zuckende Reflexe gebe es beim Aufhängen, „und die Engeln tanzen um einen rum“, erzählt er Herrn Fluntsch und damit auch dem Publikum. Aber auch, dass die „meisten beim Aufhängen die Darmkontrolle verlieren“. Harakiri mit dem Fuchsschwanz oder in der Badewanne ersaufen, scheint ihm ebenfalls nicht der adäquate Abgang. Auch über sein Erbe, die buckelige Verwandtschaft, seine Bestattung und sein Leben nach dem Tod macht er sich Gedanken. Dabei jonglierte er mit tiefgründigen, teils sehr witzigen Erkenntnissen und Weisheiten.

Immer wieder wepste er ins Publikum, wo er den Dialog mit den Zuschauern suchte und fand. Temperamentvoll, ohne gekünstelte Sprache, übertriebene Gestik und Mimik spielte er seine Rolle äußerst authentisch. Dabei stocherte er abwechselnd in seiner 5-Minuten-Terrine herum oder süffelte eine Flasche Wein aus, um zu einem guten Ende zu kommen: „Nein, ich muss am Leben bleiben, um alles zu verkünden, was ich dir heute erzählt habe.“ Und so ging auch das Publikum, darunter viele Kinder, die das Stück konzentriert verfolgt hatten, mit einem guten Gefühl nach Hause. (mel)

Ausverkauft

Die Nachfrage nach Karten war so groß, dass selbst die dritte Vorstellung am Samstag, 14. März, um 20 Uhr bereits ausverkauft ist

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