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Eine große Gemeinschaft: die Wirtsleute Peregrin Stulberger (M., mit Urkunde) und seine Fau Ingrid (l. daneben) und Vertreter der Maria Thalheimer Vereine.

Mit Braten und Tränen

Wirtspaar Stulberger sagt Servus 

46 Jahre lang haben Peregrin und Ingrid Stulberger ihr Gasthaus in Maria Thalheim geführt. Vereinsvertreter haben sich jetzt für ihre außergewöhnliche Gastfreundschaft bedankt.

Maria Thalheim – Pizza und Pasta statt Steaks, Schweinebraten und Schaschlik stehen künftig im Maria Thalheimer Traditionsgasthaus Stulberger, bekannt auch als Steakhaus „Berge“, auf der Speisekarte. Der 71-jährige Peregrin Stulberger hatte vor 46 Jahren das Wirtshaus seiner Eltern übernommen und mit seiner Frau Ingrid (69) bis heute weitergeführt. Seit 2. Juli ist das Ehepaar im Ruhestand und das Gasthaus zu.

Der neue Pächter Luciano Basile wird nach einigen Umgestaltungen im September eine Pizzeria eröffnen. Vereinsabordnungen von Schützen, Feuerwehr, Kriegern, Gartlern und Fischern haben am Freitag ihre Herbergsleute besucht, um sich zu bedanken. Dafür haben die Wirtsleute noch einmal den Ofen angeschmissen und einen letzten bayerischen Schweinebraten aufgetischt.

Noch war die lebendige Geschichte der Vereine in der urigen Gaststube mit dem Jahrhunderte alten Gebälk gegenwärtig. Alte Schützenscheiben, Krüge, Urkunden, Fisch-Trophäen, Fotografien von Fahnenweihen und verstorbenen Mitgliedern zieren die Wände. „Das alles muss raus“, schockte der scheidende Wirt seine Gäste. Der künftige Pächter wolle die Gaststube anders gestalten.

Die Ungewissheit, wie es überhaupt mit der bisherigen Herberge für die Vereine weitergeht, sorgt nicht nur bei Vereinesprecher Franz Obermaier für schlaflose Nächte. „Es ist immer noch unser Wirtshaus“, meinte er. „Wir wollen nun schnellstmöglich ein Gespräch mit dem neuen Pächter, noch bevor etwas hier drin passiert. Dabei soll besprochen werden, was wir von ihm erwarten und was er von uns erwartet.“ Das sei heute ein historischer Tag. „Es geht ein Leben zu Ende“, erklärte Obermaier.

Die Zusammenarbeit zwischen den Wirtsleuten und den Vereinen sei außergewöhnlich gewesen. „Da herrschte Verständnis und Vertrauen, ihr habt uns nie im Stich gelassen“, dankte Obermaier den Stulbergers. Die vielen Vereinsabende würden unvergesslich bleiben. „So ein Miteinander gibt es nicht mehr, das wird uns abgehen“, war sich Obermaier sicher.

Als Erinnerung an unvergessliche 46 Jahre überreichte Obermaier Ehrenurkunde und Präsentkorb im Namen der Schützen, der Feuerwehr den und Kriegern. Gartenbauverein-Vorsitzende Gabi Rekowski sagte, sie werde das Paprikaschnitzel vermissen, und dankte mit einem Hibiskusbaum. „Ohne euch würde es das Fischerfest gar nicht geben“, erklärte Fischer-Chef Franz Flieher und schenkte ihnen eine Erinnerungstafel. Bürgermeister Hans Wiesmaier überreichte den Porzellanlöwen der Gemeinde.

Lob, Geschenke und aufmunternde Worte gab es auch für Christel Strohmaier, die fast 30 Jahre als flotte Bedienung beinahe jeden Gast persönlich kannte. „Vielleicht übernimmt sie der neue Pächter“, meinte „Berge“ – bayerisch für Peregrin – Stulberger. Als Alois Irl von den Immergrün-Schützen eine umgeschriebene Version vom Lied „Feierabend“ vortrug, war es mucksmäuschenstill in der Gaststube. Es flossen Tränen, als er sang: „Da herin werd’s langsam Nacht.“ Thomas Obermeier

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