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Rita Sainer (l.) und Dagmar von Fraunberg.

Nachbarschaftshilfe unterstützt in vielen Notlagen

Eine Stütze für Fraunbergs Sorgenkinder

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Es ist ein Musterbeispiel für den gar nicht hoch genug einzuschätzenden Einsatz der Fraunberger Nachbarschaftshilfe: An Ostern war ein über 80-jähriger Gemeindebürger in seinem Garten gestürzt und hatte sich dabei den Arm gebrochen. Der Mann wäre quasi hilflos auf sich alleine gestellt gewesen – seine Familie wohnt zu weit entfernt, um ihm täglich helfen zu können. Die Nachbarschaftshilfe um ihre Vorsitzende Dagmar von Fraunberg (53) hat sich um ihn gekümmert.

Fraunberg – In der Zeit, in der er sich gar nicht mehr helfen konnte, sei täglich ein Mitglied der Nachbarschaftshilfe bei ihm vorbeigekommen. Egal, ob im Haushalt, beim Kochen, Putzen, Einkaufen, Waschen oder bei Bankgeschäften – dem Senior wurde stets geholfen. „Jetzt, wo er wieder einigermaßen mobil ist, erledigen wir nur noch Einkäufe“, berichtet Einsatzleiterin Rita Sainer (59).

Die Fraunberger Nachbarschaftshilfe nennt sich „JAa“, was für „Jung & Alt aktiv“ steht. Sie vermittelt generationsübergreifend Hilfsangebote für alle Bürger der Gemeinde, die Unterstützung benötigen. Sie kümmert sich nicht nur um Senioren, sondern auch um Kranke und Menschen mit Behinderung, Familien und Alleinstehende in schwierigen Lebenssituationen – etwa wenn der Mann krank und die Frau hochschwanger ist –, Kinder und Jugendliche, pflegende Angehörige und Flüchtlinge. Derzeit unterstützt JAa! zum Beispiel auch eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern auf der Suche nach einer dingend benötigten größeren Wohnung – bekanntlich kein leichtes Unterfangen im Landkreis Erding.

Was Senioren angeht, sagt von Fraunberg: „Unser Bestreben als Nachbarschaftshilfe ist es, dass die Bürger möglichst lang daheim leben können und möglichst lang soziale Kontakte haben. Wenn das nicht mehr der Fall ist, gehen wir zu ihnen“, so die Vorsitzende. Besuchs- und Fahrdienste spielen eine wichtige Rolle. Ein Ratsch, und wenn’s nur einmal in der Woche ist, hilft. „Manche entwickeln auch Vorlieben für einen ganz bestimmten Fahrer“, erzählt Sainer.

Die JAa!-Ehrenamtler sehen sich als Ergänzung zu ihrer Dachorganisation, der Caritas. Gerade draußen auf dem Land wie in Fraunberg, das etwa für viele Caritas-Kräfte etwas abgelegen ist, sind die Helfer vor Ort besonders wichtig. „Wir haben eine miserable Busverbindung. Für die älteren Leute sind es oft zwei Kilometer oder mehr zur nächsten Bushaltestelle“, sagt Sainer.

Ein vor allem bei Senioren beliebtes Angebot ist das Strickcafé mit Elvira Stulberger im neuen Gemeindezentrum. „Das ist gelebtes soziales Miteinander“, sagt Sainer. Bis zu 25 Teilnehmer, auch aus anderen Gemeinden, nehmen daran teil. Menschen mit Demenz sind ebenso dabei. Auch für sie gehe es darum, einmal aus dem Alltagstrott zu kommen. „Oft wird man vergessen, keiner interessiert sich für einen“ – genau das darf Sainer zufolge nicht passieren. Beliebt sei auch das Lesecafé mit Egon Weiß im Gasthaus Strasser in Oberbierbach.

16 Mitglieder engagieren sich in der Fraunberger Nachbarschaftshilfe, es gibt rund 40 Helfer, rund 120 Mitglieder sind es insgesamt. Eine Unterabteilung ist die Flüchtlingshilfe. „Dr. Hansjörg Walter leistet großartige Arbeit, das ist mehr als nur ein Vollzeitjob“, findet von Fraunberg. In Grucking sind über 30 Flüchtlinge untergebracht, sie brauchen etwa bei Behördengängen oder Problemen in der Schule Unterstützung. Und die kleinen Kinder werden von Fahrerinnen zum Kindergarten gebracht.

Unter dem Dach der Nachbarschaftshilfe befindet sich auch der Zwergerlgarten. Durch ihn können sich die ganz Kleinen schon vor dem Kindergarten daran gewöhnen, sich von ihren Eltern „abzunabeln“, wie es Sainer formuliert. Und Eltern können wiederum arbeiten gehen oder Termine wahrnehmen, während ihre Sprösslinge betreut werden. „Es hat halt nicht mehr jeder die Oma nebenan“, sagt Sainer.

Alle zwei Jahre übernimmt die Nachbarschaftshilfe die Tombola beim Fraunberger Adventsmarkt, deren Erlös gespendet wird. Zum Beispiel an Mitbürger, die sich ihre Einkäufe nicht mehr leisten können. Oder das Geld wird für die Wolle des Strickcafés verwendet, die sich so mancher Teilnehmer nicht leisten kann. Hier schließt sich der Kreis zur Tombola, denn gestrickte Socken und Handschuhe aus dem Strickcafé werden gerne als Preise genommen. Auch beim Ferienprogramm beteiligt sich die Nachbarschaftshilfe – mit Mal-, Bastel- und Backangeboten. Zudem veranstaltet sie Ausflüge, außerdem Vorträge für Senioren, zum Beispiel zu Themen wie Patientenverfügung oder Pflegegrade.

Für Spenden ist die Nachbarschaftshilfe JAa! immer dankbar, außerdem für neue Helfer, die sich auch gerne im Vorstand engagieren könnten. Im kommenden Jahr stehen Neuwahlen an.

Die Einsatzleitung der Fraunberger Nachbarschaftshilfe ist die erste Anlaufstelle für Bürger, die Hilfe brauchen. Das sei eine niederschwelligere Möglichkeit als gleich zur Caritas zu gehen, sagt von Fraunberg. Die Einsatzleitung ist werktags unter Tel. (01 62) 3 12 01 99 erreichbar. Infos gibt es auch auf der Homepage unter www.nbh-fraunberg-jaa.de.

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt unverschuldet in Not geratene Bürger im Landkreis und Vereine wie die Nachbarschaftshilfe Fraunberg. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN:

DE54 7005 1995 0000 0171 11.

Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.

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