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„Nicht die Letzten von gestern, sondern die Ersten von morgen“

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Auftakt im Bürgersaal: Zugeschaltet war etwa das Bundesfamilienministerium. Am Pult: Bürgermeister Hans Wiesmaier.
Auftakt im Bürgersaal: Zugeschaltet war etwa das Bundesfamilienministerium. Am Pult: Bürgermeister Hans Wiesmaier. © Fabian Holzner

Die Freude über die Aufnahme der Gemeinde Fraunberg in das Projekt „Zukunftswerkstatt Kommunen“ (ZWK) war groß, die Aufbruchstimmung bei der „Kick-off“-Veranstaltung im Bürgersaal fast greifbar.

Fraunberg - Unter Städten wie Frankfurt am Main oder Dortmund, aber auch Gemeinden wie Furth bei Landshut oder dem 255- Einwohner-Dorf Schossin, ist Fraunberg eine von 40 Kommunen, die in den nächsten drei Jahren mit Geldern vom Bundesfamilienministerium modellhaft individuelle Konzepte zur Gestaltung des demographischen Wandels entwickeln wird.

„Fraunberg hat bereits bewiesen, dass wir nicht die Letzten von gestern sind, sondern die Ersten von morgen sein wollen“, sagte Bürgermeister Hans Wiesmaier bei einer Videokonferenz mit zugeschalteten Projektbegleitern aus Berlin und Bielefeld.

Wiesmaier hatte zudem Vertreter aus möglichst vielen Bereichen der Fraunberger Gesellschaft in den Bürgersaal eingeladen, beispielsweise Volksschule, Kinderhaus, Kirche, Pfarrverbandsrat, Nachbarschaftshilfe, Gemeinderat und Projektbegleiter Dr. Klaus Zeitler.

Nach der Vorstellung des fünfstufigen Projektplans, in den man mit der Kick-off-Runde bereits eingetreten war, wurde eine erste Ideen- und Problemliste zu ortsspezifischen Herausforderungen „Um als Wohn- und Wirtschaftsstandort für Unternehmen und für alle Generationen in allen Lebensphasen attraktiv zu bleiben beziehungsweise attraktiver zu werden, sind individuelle Lösungen vor Ort gefragt“, heißt es in der Projektbeschreibung.

„Was passiert, wenn die Alterspyramide weiter nach oben rutscht?“, fragte Zeitler und weitete den Kreis der zu betrachtenden Bevölkerungsschicht gleich aus: „Viele Demographie-Programme legen den Fokus auf Seniorenarbeit, nicht aber dieses. Ich glaube, für die Zukunft ist es genauso wichtig, dass wir uns über junge Menschen, Identität, über Veränderungen und den gesellschaftlichen Wandel unterhalten und strategisch darauf vorbereiten.“

Wo Fraunberg in diesem Wandel steht, umriss Wiesmaier. Um 12,5 Prozent ist die Bevölkerung in den vergangenen zehn Jahren gewachsen, im vergangenen Jahr lag die Geburtenrate bei 39, 20 Sterbefälle standen dem gegenüber. In diesem Bereich werde kaum Änderungsbedarf bestehen, besonderes Augenmerk verdiene im Rahmen der Zukunftswerkstatt der auffällig hohe Wechsel der Bevölkerung. Bei etwa 4000 Einwohnern waren es 329 Zuzüge und 277 Wegzüge im Vorjahr. „Wir dürfen unser Gesicht verändern, aber wir dürfen es nicht verlieren“, meinte Wiesmaier, der eine Parallele zog zwischen „Gesichts- und Geschichtslosigkeit“ und dem Engagement in der Gesellschaft, das in Fraunberg mit seinen 35 Vereinen noch stark ausgeprägt ist.

Die örtliche Nahversorgung für den täglichen Bedarf verbessern, das forderte Herdana von Fraunberg, Raum und Plätze an den Schulen schaffen, bat Schulleiterin Gisela Leitsch, Kinderhaus-Leiterin Anita Steinbichler schloss sich ihr an. Zudem fehlen Fachkräfte, auch im Erziehungsbereich, Wiesmaier verknüpfte das mit dem Wohnungsmangel.

Weitere Ansätze sind die Schaffung von Treffpunkten, Begegnungsräumen, auch dezentral. In einigen Punkten ist die Gemeinde bereits aktiv, eine Markthalle ist südlich des Gemeindezentrums in Planung, das historische Jagerhaus wurde erworben, um eine öffentliche Nutzung, zum Beispiel Senioren- oder Nachbarschaftstreffen, zu ermöglichen.

„Sie können nun Vorreiterin für weitere Kommunen werden“, sagte Romy Deerberg, zugeschaltet vom Bundesfamilienministerium. Für die kommenden drei Jahre stehen jährlich ein Sachkostenetat von 10 000 Euro und weitere 30 000 Euro für externe Beratungstätigkeiten zur Verfügung.

Fabian Holzner

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