Cool vor der Kamera: Barbara Huber stand einem BR-Team Rede und Antwort.
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Cool vor der Kamera: Barbara Huber stand einem BR-Team Rede und Antwort.

Barbara Huber aus Kemoding erzählt am Donnerstag vor TV-Kameras von ihrer emotionalen Arbeit

Erdinger Palliativ-Team im Bayerischen Fernsehen

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Unheilbar kranke Menschen im Lebensfinale begleiten: Die hochemotionale Arbeit des Palliativ-Teams aus Erding ist am Donnerstag Thema in einer BR-Sendung.

Kemoding/Erding – Seine Arbeit steht sonst nicht im Licht der Öffentlichkeit, doch jetzt berichtet das Bayerische Fernsehen darüber: Die Sendung „mehr wert“ stellt am Donnerstag, 29. Oktober, um 19 Uhr in einer Reportage das Palliativ Team Erding und deren Spezialisierte Ambulante Palliative Versorgung vor. Die SAPV kümmert sich seit zehn Jahren um Menschen, um sie vor deren Lebensende aufgrund einer stark fortschreitenden oder unheilbaren Krankheit würdig zu begleiten, gerade auch in gewohnter Umgebung – zu Hause.

Vor der Kamera steht in dem siebenminütigen Beitrag die Kemodingerin Barbara Huber. Sie ist stellvertretende pflegerische Leiterin. Ob sie nervös war vor den Dreharbeiten? „Eigentlich nicht“, sagt die 55-Jährige, die verheiratet ist und zwei Kinder (19 und 21 Jahre alt) hat. Nur einmal, gesteht sie, war ihr doch mulmig. Und zwar, als es zu einer jungen Patientin ging, die selbst drei Kinder hat. Dort sollte nach Hubers Wunsch alles zügig vonstatten gehen, nicht so Manches für den perfekten Beitrag mehrfach vor der Kamera gesagt werden müssen. „Wird die Intimsphäre gewahrt?“, war Hubers besorgte Frage. Doch das Filmteam habe es letztlich gut gemacht.

Huber steht einem Team von zehn geschulten Pflegerinnen vor. Es sei Teamarbeit, Menschen zu begleiten. Hubers Pflegerinnen „sind alle qualifizierte Palliative-Care-Fachkräfte, haben eine zweijährige Ausbildung im Blockunterricht an Fachakademien hinter sich. Ich selbst wurde in Bamberg geschult“. Das Pflegepersonal wird unterstützt durch zwei festangestellte Ärzte und vier Ärzte auf Honorarbasis. Zudem arbeiten neben Steffen Ziener, dem pflegerischen Leiter, zwei Bürokräfte in der Geschäftsstelle am Katharina-Fischer-Platz in Erding mit.

„Das Bayerische Fernsehen, das ambulante Palliativ-Dienste wie den unseren bekannter machen möchte, hat bei uns angefragt, und wir stellen gerne unsere Arbeit vor“, erzählt Huber. Sie hat früher als Krankenschwester in Kliniken gearbeitet hat – weitere Anlaufstellen für Menschen, die für ihre letzte Lebenszeit professionelle Hilfe suchen. „In meiner beruflichen Laufbahn hat sich eine Hinwendung zur Palliativ-Pflege entwickelt. Oft habe ich Sterbende in Krankenhäusern in teilweise unwürdigen Situationen erleben müssen. Ein Mensch sollte sein Leben aber in einer für ihn vertrauten und angenehmen Umgebung beenden können. Das war für mich Motivation, in einem ambulanten Palliativ-Team zu arbeiten“, sagt Huber.

Ihre Tätigkeit gebe ihr große persönliche Befriedigung, sie fordere aber auch viel von ihr. „Denn ich muss zeitlich flexibel sein, weiß nie, wohin mich mein nächster Einsatz führt, welcher Mensch mich mit all seinen Nöten erwartet. Dann aber bin ich meinen Patienten sehr nahe, erlebe gerade beim Sterben sehr emotionale und bewegende Momente“, so Huber. Schließlich betreue sie Patienten manchmal über Jahre, „und wenn dann er oder sie gehen muss, fällt das auch mir nicht leicht“. Sie ist dann froh, in einem Team zu arbeiten, „das einen auffängt, in sich harmonisch ist, einen gerade am Sterbetag eines betreuten Menschen trägt“.

Zum Kreis der SAPV-Patienten gehören viele, die an Krebs leiden, aber auch alle anderen Krankheitsbilder. Das Team besucht Demenzkranke oder Menschen mit Behinderung in ihren Einrichtungen. „Wir sind alle psychologisch und medizinisch ausgebildet, können aber auch auf onkologisch-psychologisch geschulte Kollegen, Seelsorger und Sozialarbeiter zurückgreifen.“

Oft gelte es, sich auch um betroffene Angehörige zu kümmern, die unter hohem psychischen Stress stünden. Wer für einen Angehörigen, der mindestens 18 Jahre alt ist, Hilfe sucht, benötigt das Rezept eines Arztes, die Kosten tragen die Krankenkassen. „Allerdings können wir nur 30 Behandlungstage abrechnen“, schränkt Huber ein. „Doch wir setzen auch danach unsere Pflege fort, denn wir können zum Glück über Spendengelder verfügen, die auch aus der Aktion Licht in die Herzen des Erdinger Anzeiger kommen.“

Hubers Kinder und ihr Mann werden morgen Abend übrigens auch vor dem Fernseher sitzen. „Ich denke, dass sie gespannt sein werden“, meint Huber schmunzelnd.

Friedbert Holz und Markus Schwarzkugler

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