d‘Reichenkirchner auf der Herbstfestbühne
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Auf der Bühne zu Hause: d‘Reichenkirchner haben über 40 Jahre gut zwei Millionen Partyfans begeistert.

Die beliebte Stimmungsband hört nach über 40 erfolgreichen Bühnenjahren auf

„D’Reichenkirchner“ Party ist aus

Nach 40 Jahren ist Schluss: Die „Boarisch Party Band“ d‘Reichenkirchner lösen sich auf.

Reichenkirchen – Traurige Nachricht für das Partyvolk im Landkreis und darüber hinaus: d’Reichenkirchner hören auf. Über 40 Jahre war die Partyband mit dem Ortstaferl auf der Bühne ein Stimmungsgarant – auf dem Erdinger Herbstfest und vielen anderen Festen, ob groß oder klein. Jetzt haben die acht Bandmitglieder das endgültige Aus besiegelt. Die Gründe sind vielfältig, gesundheitlicher und beruflicher Natur. „Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, sagt Frontmann Andreas Glockshuber.

„Wir hatten zwar in naher Zukunft unser Band-Ende sowieso geplant, aber so wollten wir uns eigentlich nicht von unseren treuen Fans verabschieden“, erzählt der 48-Jährige mit Blick auf die Zwangspause durch die Corona-Krise. „Wir möchten uns auf diesem Weg bei unseren Veranstaltern für die teilweise jahrzehntelange, freundschaftliche Zusammenarbeit herzlich bedanken. Ebenso gilt unser besonderer Dank dem großartigen Publikum, das uns über viele Jahre begleitet hat. Es war uns eine Ehre.“

Ein Blick zurück: Die Erfolgsgeschichte begann 1972 mit der Gründung einer Blaskapelle in Reichenkirchen. Ein großer Wunsch des damals neuen Pfarrers Trischberger, der dafür alles selbst in die Wege leitete. „Er hat Musikinstrumente und Noten aus München organisiert“, erinnerte sich Georg Schäffler (66). Er ist Gründungsmitglied der Band und gehörte ihr bis vor zwei Jahren noch an. Fritz Lechner war damals erster Kapellmeister, es folgten Max Ippisch und Hubert Weiß.

Neuausrichtung im Herbst 1989: Aus Blaskapelle wird Partyband

Fortan spielte die 18-köpfige Blaskapelle bei Dorf- und Volksfesten, Fahnenweihen und zu kirchlichen Festtagen. Mitte der 1980er Jahre übernahm Georg Bart die musikalische Leitung. Im Herbst 1989 erfolgte – inspiriert von den Volksfestauftritten – eine musikalische Neuausrichtung mit Schlagern und moderneren Liedern.

Die letzte Formation (v. l.): Helmut Netter (62 Jahre, Saxofon), Peter Janz (38, E-Gitarre), Hubert Schäffler (57, Schlagzeug), Andreas Glockshuber (48, Sänger/Trompete), Harry Schuster (47, Bass), Stefan Fenk (25, Akkordeon), Marcel Kowalski (25, Sänger) und Sepp Gafko (65, Keyboard/E-Gitarre).

„Ab 1990 nannten wir uns dann d’Reichenkirchner mit dem Ortsschild auf der Bühne. Damit haben wir bis zuletzt die Gemeinde Fraunberg und den Landkreis Erding national und sogar international mit unseren Auftritten repräsentiert“, sagt Glockshuber. Seit 2003 tragen d’Reichenkirchner den Zusatz „Boarisch Party Band“. In all den Jahren haben die Musiker beste Beziehungen zu Wirten und Veranstaltern gepflegt und wurden oft gleich wieder fürs Folgejahr engagiert.

Der große Erfolg war kein Zufall: „Wir waren eine Amateur-Hobby- Band, die im Laufe der Zeit zammgwachsen ist und ein eingeschworener Haufen wurde. Da hat einfach alles gepasst“, sind sich die Musiker einig. Ihre Mischung macht’s. Sie sind zwischen 25 bis 65 Jahre alt, ihr großes Musikspektrum war ihr Markenzeichen. Um erfolgreich zu sein, wurden die neuesten Hits gleich für die nächsten Auftritte eingespielt.

Handgemachte Musik

„Die Rock-Gitarre wurde im Laufe der Jahre immer wichtiger, sagt E-Gitarrist Sepp Gafko. Er ist in der Band der Soundmischer und bekam mit E-Gitarrist Peter Janz 2010 Verstärkung. Die jungen Bandmitglieder – Mädchenschwarm und Sänger Marcel Kowalski (25) als Gabalier-Nachahmer und Stefan Fenk (25) am Akkordeon – trugen in den letzten Jahren zum Band-Image bei.

„Von uns gab’s noch handgemachte Musik, bayerische Titel – und alles immer live“, betont Glockshuber. Besonders stolz sind die Bandmitglieder darauf, dass sie als Teilzeitmusiker teilweise sogar mit den Profis mithalten konnten. Von März bis Oktober sind d’Reichenkirchner Jahr für Jahr unterwegs gewesen – mit ihrem Tour--Lastwagen fuhren sie über 4000 Kilometer zu 35 Auftritten im Schnitt, manchmal waren es sogar 40. Hinzu kam der Zeit- und Arbeitsaufwand für Auf- und abbau der Anlage.

Jedes Wochenende Höchstleistung zu bringen, das geht an die Substanz. „Vertragsgebunden standen wir öfters mal mit fast 40 Grad Fieber, offenen Knien oder nach Kieferoperationen auf der Bühne“, erinnern sich die Musiker. Das Highlight für sie: vor den Fans im Landkreis zu spielen. 40 Jahre haben sie auf dem Erdinger Herbstfest Vollgas gegeben – immer mehrfach im Weißbräu- und im Stiftungszelt gespielt. 26 Jahre lang traten sie beim zweitgrößten bayerischen Volksfest, dem Straubinger Gäubodenfest, auf. Auch auf den Volksfesten in Karpfham, Gillamoos, Passau, Landshut, Moosburg und Freising, in Wartenberg, Isen, Taufkirchen und im Holzland spielten d’Reichenkirchner. Dazu kamen viele Betriebs- und Vereinsfeiern. „Nur das Oktoberfest blieb uns als Krönung verwehrt“, erzählt Glockshuber. Einmal wären sie fast im Hippodrom gelandet. Doch der angebotene Vertrag mit Auftritten an 16 Tagen „war für uns, die auch noch in Arbeitsverhältnissen standen, nicht machbar“.

Internationale Konzerte

Die Auftrittssaison beendete Band jedes Jahr im Oktober in Nordrhein-Westfalen bei Übach-Palenberg. Das war auch 2019 so.

Ein besonderes Erlebnis ist den älteren Bandmitgliedern in Erinnerung geblieben. D’Reichenkirchner flogen 1988 mit der Transall vom Erdinger Fliegerhorst nach Flensburg zu einem Auftritt. auch in Österreich, Belgien und Tschechien waren sie regelmäßig zu Gast. Janz und und Glockshuber holen den Handy-Taschenrechner raus und überschlagen, dass sie in all den Jahren für gut zwei Millionen Partyfans gespielt haben. Rund ging’s auch immer im Proberaum in Grucking, im Gasthaus Rauch. „Dort waren wir stets willkommen und wurden auch noch bestens bewirtet“, erzählen sie dankbar.

Das Musikerleben hat aber auch seine Schattenseiten. „Wir arbeiten ja alle in einem Beruf und waren von März bis Oktober jedes Wochenende auf Konzert-Tour. Mit der Familie war nur ein kurzer Sommerurlaub möglich, die andere Zeit waren wir ausgebucht. Und im Herbst ging’s schon wieder mit dem Proben los fürs Programm im neuen Jahr“, erzählt Gafko.

„Geschieden ist Gott sei dank keiner von uns“

Die Musiker fehlten bei Familienfesten und Geburtstagen, hatten keine Zeit für Ausflüge oder waren oft nicht da, wenn die Kinder und die Frau sie gebraucht hätten. „Das tat schon manchmal weh“, sagt Gafko. Er und seine Bandkollegen wissen: „Unser Erfolg wäre nicht möglich gewesen, wenn unsere Frauen nicht so mitgespielt hätten. Aber geschieden ist Gott sei dank keiner von uns“, sagt Schlagzeuger Hubert Schäffler.

Mittlerweile ist der Tour- Lkw, mit dem die Band all die Jahre unfallfrei unterwegs war, abgemeldet. Im Abschied schwingt Wehmut mit: „Wir werden unsere Fans und viele, die zu Freunden wurden, vermissen. Die letzten Jahre waren top. Man sollte aufhören, wenn’s am schönsten ist“, sagt Glockshuber.

Und Peter Janz zeigt auf seinem Handy nochmal Auftrittsvideos der Band. Am Ende ist es ganz still. D’ Reichenkirchner gibt es nicht mehr.

Thomas Obermeier

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