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„Sie wusste immer Rat“: Kinderpflegerin Anni Baumgartner geht in den Ruhestand

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Kinder beschenken eine Kinderpflegerin mit Blumen.
Selbstgebastelte Rosen bekam Anni Baumgartner (r.) zum Abschied von ihren Kindern in der Bienengruppe. © Thomas Obermeier

Nach 40 Jahren im Fraunberger Kinderhaus St. Florian geht die bei allen beliebte Kinderpflegerin Anni Baumgartner in den Ruhestand.

Fraunberg – Die Abschiedstränen waren am Freitag nicht aufzuhalten. Die Kinder der Bienengruppe im Fraunberger Kinderhaus St. Florian mussten Abschied nehmen von ihrer beliebten Zweitmama Anni. Nach 40 Jahren geht die Kinderpflegerin Anni Baumgartner in den verdienten Ruhestand. Sie sangen Abschiedslieder und beschenkten ihre Anni mit selbstgebastelten Rosen, bestückt mit Bonbons und einem „Danke“. „Wenn wir groß sind, möchten wir auch eine Anni werden“, sagten einige traurige Bambini. Von den Eltern hatte es zum Abschied noch Erinnerungsblätter der Kinder in Blumenform, zusammengefasst als Album gegeben.

Etwa 500 Kinder hat die Fraunbergerin in ihren 40 Berufsjahren betreut. Dabei hat sie als Frau der ersten Stunde alle Entwicklungen im Kinderhaus mitgemacht, wie Trägervertreter Diakon Christian Pastötter berichtete. Im Jahr 1974/75 begann sie im ehemaligen Gebäude der Gemeinde in einer Vormittags- und einer Nachmittagsgruppe. Nach zahlreichen Um- und Neubauten und zwei Elternzeit-Unterbrechungen kam sie in den 90er Jahren schließlich in der Bienengruppe an. Zehn verschiedene Leiterinnen erlebte sie in dieser Zeit, wie Bürgermeister Hans Wiesmaier wusste.

Vieles hat sich im Laufe der Zeit verändert, heute zählt das Kinderhaus sechs Kinder- und drei Krippengruppen. Die Pädagogik hat sich weiterentwickelt und der frühkindliche Bereich geriet immer mehr in den Fokus. Baumgartner hat sich immer an den Gegebenheiten der Zeit orientiert damit das Kinderhaus mit zu dem gemacht, was es heute ist. Besonders wichtig war Baumgartner, Zeit für die Kinder zu haben, für gemeinsames Spielen, aber auch Reden und Zuhören.

Mit viel Herzenswärme und liebevoller Zuwendung konnte Baumgartner auch Kinder eingewöhnen, denen es anfangs noch schwer fiel, sich von der Mama zu trennen, wie Kinderhausleiterin Anita Steinbichler über ihre treueste Mitarbeiterin erzählte. Die heute 63-Jährige konnte aber auch liebevoll Grenzen setzen, wenn es wichtig war. So war sie für alle ihre Kinder schnell der Dreh- und Angelpunkt. „Bei allen Fragen konnte man sich immer an unsere Anni wenden. Wenn niemand mehr weiterhelfen konnte, Anni wusste immer Rat“, so Steinbichler.

Kein Tag verging im Kinderhaus, an dem nicht der Ruf nach „Anni“ in der Garderobe zu hören war. „Bei Anmeldegesprächen frage ich Eltern, ob sie selbst auch schon bei uns im Kinderhaus waren“, sagte Steinbichler. Die Antwort sei oft: „Ja, bei der Anni!“ Steinbichler überreichte ihr eine pflanzbare Märchenrose vom Team. Von Diakon Pastötter erhielt Baumgartner einen geschnitzten Heiligen Florian, von Bürgermeister Wiesmaier einen Geschenkkorb.

Die Fraunbergerin, die täglich zu Fuß oder mit dem Radl zur Arbeit kam, sagte: „Es ist ein toller Beruf mit den Kindern zu arbeiten und die Entwicklung, die Natürlichkeit der Kinder zu sehen. Es ist schön wenn dir die Kinder ihr Vertrauen schenken.“ An ein besonderes Erlebnis erinnerte sie sich besonders: „Vor Jahren haben wir im Sandkasten einen Skorpion gefunden. Wir wussten nicht ob er echt ist. Mit der Schaufel haben wir ihn ins Leiterinnenbüro gebracht und begutachtet. Erst unter dem Wasserhahn war dann das CE-Zeichen des täuschend echten Tiers zum Vorschein gekommen.“ Aus der ängstlichen Stimmung wurde ein langes Lachen.

Nun freut sich Baumgartner auf ihren Ruhestand. Mit ihrem Mann Georg, der bereits in Rente ist, will sie Radfahren, Schwimmen oder Tagesausflüge zum Wandern machen. Viel Zeit möchte sie in ihrem Rosengarten und mit ihren Enkeln Lucas und Klara verbringen. Wenn noch Zeit bleibt, in der Hängematte ein Buch lesen.

Thomas Obermeier

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