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„Wir haben ein hohes Ausbildungsniveau“: Beim Bäuerinnentag im Gasthaus Rauch in Grucking nahm Kreisbäuerin Elisabeth Mayr (l.) ihre Berufsstandskolleginnen gegen Kritik aus der Politik in Schutz.

Bäuerinnentag

Bio ist ein steiniger Weg

Grucking - Die Umstellung auf Bio-Produktion ist kein leichtes Unterfangen. Das wurde auf dem Bäuerinnentag in Grucking deutlich. Kreisbäuerin Elisabeth Mayr ließ außerdem ordentlich Dampf ab.

Regina Reingruber, Sachgebietsleiterin Bildung und Beratung beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Erding, brachte es beim Bäuerinnentag am Donnerstag in Grucking so auf den Punkt: „Regional ist das neue Bio.“ Darum habe sie die Themen der Fachtagung auch genau so gewählt: Erst „Bio“, dann „Regional“. Das Angebot kam gut an: 35 Bäuerinnen aus den Kreisen Erding und Freising waren gekommen, um sich die Vorträge anzuhören und die Referenten mit Fragen zu löchern.

Kreisbäuerin Elisabeth Mayr (CSU) aus Erding freute sich über das Bildungsniveau, das geboten wurde: „Jeder, der eine Tomatenstaude auf dem Balkon hat, der glaubt, er verstehe etwas von Landwirtschaft“, witzelte sie und konnte sich einen Seitenhieb auf „gewisse politische Parteien“ nicht verkneifen, die immer denken würden, dass sie alles, was die Landwirtschaft angehe, viel besser verstünden.

Mayr ließ ordentlich Dampf ab: Dass im Landwirtschaftsministerium tatsächlich erwogen worden sei, von tierhaltenden Landwirten einen Sachkundenachweis zu verlangen, ging ihr furchtbar gegen den Strich: „Dann muss man das von Haustierhaltern auch verlangen“, so die Kreisbäuerin. Zum Glück habe das durch den Bauernverband abgewendet werden können. Mayr betonte: „Wir haben ein hohes Ausbildungsniveau.“

Otto Roski, Behördenleiter in Erding, ging auf die verschiedenen Ausbildungswege für die Landwirtschaft und auf die Lebenswege ein, die engagierte und kompetente Menschen in die Landwirtschaft führen. Roskis Kernthema war aber die Umstellung auf biologische Produktion, eventuell auch kombiniert mit Selbstvermarktung. „Es ist kein Weg für alle. Das muss einem liegen, aber es ist ein Weg.“

Dass es ein steiniger Weg sein kann, machte gleich die erste Referentin deutlich. Susann Rosenberger vom Fachzentrum ökologischer Landbau hatte sogar Beispielrechnungen für konkrete Betriebe dabei, die umgestellt hatten. Sie stellte ein eigens entwickeltes Programm vor, mit dem sich die Wirtschaftlichkeit einer Umstellung auf Bio für jeden einzelnen Betrieb prognostizieren lasse. Rosenberger konnte sogar die Mehrarbeit vorrechnen, die für den Landwirt anfallen würde.

Unter dem Strich machte sie aber auch klar: Der gesetzliche Mindestlohn bleibe für den Bauern in den allermeisten Fällen ein Traum. Wer biologisch wirtschafte, müsse sich neue Vertriebswege für seine Produkte erschließen. „Der kann das nicht einfach zum Lagerhaus fahren.“

Weil das so ist, liegt die Direktvermarktung, vielleicht sogar über das Internet, so manchem Landwirt nahe. Darüber, wie das geht, lernten die Bäuerinnen ebenfalls eine ganze Menge. Wenn dann, wie bei Karin Sepp, auch noch ein Café dazukommt, wird der Bauernhof auch noch zu einem sozialen Mittelpunkt.

Die Verantwortlichen hatten zwei sich ergänzende Vorträge organisiert: Sachinformation auf fachlichem Niveau, kombiniert mit konkreten Erfahrungen aus der Region. Die Mischung stimmte für die Teilnehmerinnen. Regina Reingruber jedenfalls äußerte sich zufrieden über die von ihr verantwortete Veranstaltung.

Von Klaus Kuhn

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