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In warmen Stiefeln (v. l.) stapften Benedikt Ott, Matthias Ott, Sebastian Haindl und Dominik Lechner von Haus zu Haus. Hier brachten sie den Segen an die Tür von (v. r.) Sebastian, Renate und Maximilian Haindl.

Mit Sternsingern unterwegs

Warmherziger Empfang in eisiger Kälte

Reichenkirchen –Wie wappnen sich gegen die Sternsinger gegen Kälte? Wo haben sie ihre Spicker für den Liedtext? All das und viel mehr verraten die Reichenkirchener Weisen aus dem Morgenland in unserer Reportage.

„Trotz der Kälte hoffe ich, dass die Sternsinger auf warme Türen treffen.“ Mit diesem Wunsch entsandte Pfarrer Cezary Liwinski die Sternsinger der Pfarrei St. Michael am Freitag in die umliegenden Ortschaften. In Grucking werden Benedikt und Matthias Ott, Sebastian Haindl und Dominik Lechner bereits sehnsüchtig erwartet.

Die vier Buben ziehen von Haus zu Haus, um den traditionellen Segen zu verkünden. Freudig öffnet Familie Haindl aus der Kreisstraße die Haustür, als die Heiligen Drei Könige und der Sternträger zur ersten Strophe ansetzen. „Christus segne dieses Haus und die drin gehen ein und aus“, wünschen sie den Hausbewohnern, während Dominik den Aufkleber mit dem Aufdruck 20*C+M+B+17 am seitlichen Glaseinsatz der Tür anbringt.

Für ihren Besuch werden sie mit Süßigkeiten und einer Spende belohnt. Der 16-jährige Dominik Lechner aus Lohkirchen und seine Zwillingsschwester Franziska sind heuer bereits zum siebten Mal als Sternsinger unterwegs. Auch Bruder Alexander (12) nimmt an der größten Sammelaktion Deutschlands teil.

Süßes und Dollars als Belohnung

Der Zwölfjährige dürfte mit vier Tüten voller Süßwaren, die er im vergangenen Jahr gesammelt hat, zu den Rekordhaltern zählen. „Einmal haben wir in unserer Sammelbüchse Dollarscheine gefunden“, erinnert sich Dominik an den kuriosen Fund im vergangenen Jahr.

Bei minus acht Grad besuchen die drei Geschwister und 26 weitere Kinder unter anderem die Ortschaften Reichenkirchen, Grucking, Hatting und Tittenkofen. Dank jahrelanger Erfahrung wissen die Lechners genau, wie sie sich am effektivsten gegen die Kälte schützen. „Eine Mütze, Handschuhe und eine dicke Winterjacke unter dem Gewand sind bei diesem Wetter sehr wichtig“, sind sie sich einig. Auch eine Tasse Tee nach dem Mittagessen sei nützlich, um sich aufzuwärmen.

„Prinzipiell darf jeder als Sternsinger losziehen. Bei uns übernehmen die Ministranten diese Aufgabe“, erklärt Bettina Heinemann aus Reichenkirchen. Die „Mini-Mama“, so bezeichnet Franziska die Reichenkirchenerin liebevoll, unterstützt die Pfarrei bei der Organisation und Vorbereitung des Dreikönigstages. „Ohne die Eltern wäre die Aktion nicht möglich“ ist sich Heinemann sicher. Sie ist allen Helfern für ihr freiwilliges Engagement dankbar.

Ohne die Hilfe der fleißigen Mamas und Papas müssten die Heiligen Drei Könige vermutlich in Jeans durch die Straßen ziehen. Schließlich ist jeder Sternsinger für sein Gewand verantwortlich. „Tante Angela hat uns für diesen Anlass extra Umhänge genäht“, erzählt Dominik und deutet auf den blauen Stoff auf seinen Schultern.

Auch seine Eltern Hildegard und Manfred unterstützen die Sammelaktion, indem sie den Kindern selbst gemachte Sterne aus Holz zur Verfügung stellen. „Auf der Rückseite des Sterns haben wir den Liedtext aufgeklebt“, verrät der zwölfjährige Alexander spitzbübisch. Der Spicker sei lediglich eine Vorsichtsmaßnahme, die Ministranten können den Text auswendig.

Ein weiteres Problem ist die Fahrt von einer Ortschaft zur nächsten. Die Kinder sind daher auf das „Eltern-Taxi“ angewiesen. „Letztes Jahr ist dann auch noch der Weihrauch in die Lüftung des Autos gelaufen“, erzählt Dominik schmunzelnd.

Abkürzung CMB als Segenswunsch

Zur Grundausstattung von Sternsingern gehören ein Weihrauchfass, Weihrauch, Kreide und schwarze Aufkleber. Dabei hält sich ein Gerücht über die Bedeutung der Inschrift, die an die Türen geschrieben oder aufgeklebt wird, besonders hartnäckig: Die Buchstaben werden als Abkürzung der lateinischen Worte „Christus Mansionem Benedicat“ (Christus segne dieses Haus) gedeutet. „Viele glauben, das sind die Anfangsbuchstaben der Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Das ist aber falsch“, wissen die beiden Oberministranten Dominik und Franziska. „Alle Mitwirkenden können stolz sein, so viel Geld gesammelt zu haben“, lobt Heinemann die jungen Sternsinger. Die Erlöse kommen in diesem Jahr Kindern aus Kenia zugute.

Julia Pfeil

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