Deutliche Worte fand unter anderem Anton Rasthofer aus Hammerlbach.
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Deutliche Worte fand unter anderem Anton Rasthofer aus Hammerlbach.

Podiumsdiskussion mit Bundestagskandidaten in Oberbierbach: Landwirte machen ihrem Ärger Luft und fordern eine Perspektive

„Und jetzt sollen wir euch auch noch wählen“

  • Markus Schwarzkugler
    VonMarkus Schwarzkugler
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„Das ist Vernichtungspolitik“: Mächtig geladen war Anton Rasthofer aus Hammerlbach (Gemeinde Kirchberg), der in der Podiumsdiskussion des BBV mehrfach das Wort ergriff. „Und jetzt fordert ihr uns auf, dass wir euch auch noch wählen sollen“, schimpfte der Ortsobmann in Richtung der fünf Bundestagskandidaten. In seinen Worten: die blanke Frustration.

Oberbierbach - Er sei froh, „dass ich keinen Sohn habe, der bauen soll“, sagte Rasthofer. „Welcher Berufsstand hat denn sonst noch die gleichen Preise wie vor 40 Jahren?“, fragte Josef Eberl aus Berglern. Er sprach die scharf kritisierte Anbindehaltung an, die seit Jahrzehnten betrieben werde. „Ist das Tierwohl wichtiger als das Bauernwohl?“, fragte Eberl, der von einem „Kulturmord“ sprach. Was ihn umtreibe: Immer mehr kleine Betriebe geben auf. In Berglern seien es mal über 100 gewesen, mittlerweile nur noch ein paar, sagte er zur Heimatzeitung.

Wie geht es weiter mit der Tierhaltung?, fragt sich auch Kreisbäuerin Irmgard Posch. Wolle man nur noch „Bullerbü“ zum Fotografieren? „Tiere sind keine Roboter, die man einfach umprogrammiert. Obwohl wir die höchsten Standards haben, ist die Wertschätzung nicht da.“

Josef Eberl aus Berglern.

Bis 2030 soll der Ökolandbau in Bayern bei 30 Prozent liegen. „Warum macht’s nicht gleich 100 Prozent?“, fragte Langengeislings Ortsobmann Andreas Röslmair sarkastisch in Richtung Grünen-Kandidat Christoph Lochmüller. Das fordere niemand, entgegnete dieser, der von einer Generationenaufgabe sprach. Posch schaltete sich ein: Schon für die 30 Prozent sei der Markt nicht da. Bei den Molkereien gebe es jetzt bereits einen Aufnahmestopp für Biomilch.

BBV-Geschäftsführer Gerhard Stock kritisierte, dass sowohl die Anbindehaltung als auch das Thema Glyphosat von den Grünen „bewusst hochgezogen“ worden seien. Hinsichtlich der niedrigen Preise meinte er, dass in Deutschland zu lange eine „Geiz ist geil“-Mentalität vorangetrieben worden sei. Kreisobmann Jakob Maier fragte Andreas Lenz (CSU), ob sich die Politik denn trauen werde, im Lebensmitteleinzelhandel einzugreifen. Er wolle hier ansetzen, versprach dieser. Insgesamt befand Maier, dass die Politik „zu hart und zu schnell irgendwas erreichen will“.

Die Aufklärungsarbeit an Schulen brachte Bernhard Hartl aus der Gemeinde Lengdorf auf die Palme. Es bringt ihm zufolge nichts, wenn die Schulklassen mal kurz vor Ferienbeginn auf einem Hof vorbeischauten und Lehrer, die wenig Interesse an Betriebsschauen zeigten, übers Kükenschreddern informierten und dazu aufriefen, kein Fleisch mehr zu essen. „Hört’s mal mit dem Sinus-Kosinus-Rechnen auf und schaut’s auf den Hof“, forderte Hartl. Nur ein Dutzend Ortsbauern waren zur Diskussion gekommen. Waren es das schöne Wetter, die erforderliche Anmeldung und die 3G-Regel? „Ich hätte mehr erwartet. Aber ich habe bei unseren Landwirten einen gewissen Fatalismus festgestellt“, meinte Maier.  

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