Gesprächsrunde im Bürgersaal: Zugeschaltet war Architekt Roland Gruber aus Kärnten.
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Gesprächsrunde im Bürgersaal: Zugeschaltet war Architekt Roland Gruber aus Kärnten.

Vortrag im Bürgersaal

„Veränderung soll Freude auslösen“: Fraunberg laut Experte auf gutem Weg zur nachhaltigen Gemeinde

  • Friedbert Holz
    VonFriedbert Holz
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Fraunberg – Wie könnte sich die Gemeinde Fraunberg nachhaltig entwickeln? Das war Thema am Montagmittag bei einem Vortrag im Bürgersaal.

„Es geht uns nicht nur darum, Bewusstsein für eine Problematik zu schaffen. Wir wollen zugleich Impulsgeber sein für die Bevölkerung unserer Gemeinde, wollen und müssen hier letztlich auch Konkretes umsetzen“: Diese Botschaft gaben die Sprecher der Projektgruppe für Klimaschutz und Nachhaltigkeit, Florian Ott, 22, und Florian Bachmaier, 21, beim Vortrag zum Thema „Nachhaltigkeit und Zukunftsorte“.

Die beiden jungen Männer, die Umwelt- und Maschinenbau hin zum jeweiligen Ingenieurstitel studieren, hatten dazu den Soziologen Dr. Klaus Zeitler eingeladen, der Fraunberg schon seit vielen Jahren bei der Gemeindeentwicklung unterstützt. Außerdem war Architekt Roland Gruber aus Moosburg in Kärnten online zugeschaltet: Er ist 2. Bürgermeister seiner Gemeinde und zudem Mitglied einer Architektur-Initiative aus Rosenheim und Vorsitzender von LandLuft. Dieser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Baukultur in ländlichen Räumen zu fördern.

„Wir können beobachten, dass zur Zeit ein Trend läuft, der Städte ländlicher und das Land urbaner gestalten möchte. Auch stellt uns die veränderte Demografie vor neue Herausforderungen, selbst die Mobilität ändert sich grundsätzlich. Zusätzlich beobachten wir den so genannten Donut-Effekt, das heißt, dass viele Ortskerne sich zunehmend leeren. Also benötigen wir den Krapfen-Effekt, der dieses Vakuum wieder füllt“, sagte Gruber. Der Architekt aus Österreich sieht generell die Notwendigkeit, „Altes zu verlernen und Neues zu entdecken. Es geht darum, schon jetzt ans Übermorgen zu denken“.

Fraunberg als Gemeinde sieht der Experte diesbezüglich bereits auf einem guten Weg. „Hier lässt sich erkennen, dass durch das Instrumentarium des Gemeinde-Entwicklungsvereins schon Aktion im Gange ist. Dieses Forum als offener Stammtisch für alle Gruppen in der Bevölkerung ist sehr wichtig. Elementar muss aber auch sein, dass Veränderung Freude auslösen soll, Motivation ist unabdingbar. Schließlich gilt es, so genannte Kümmerer-Strukturen zu finden, die das Angedachte auch konkret umsetzen.“ Was in jedem Fall vor der Umsetzung, zum Beispiel einer veränderten Ortsmitte, helfe, sind laut Gruber gute Beispiele von andernorts und engagierte Protagonisten.

Bürgermeister Hans Wiesmaier konnte eine für den Ort positive Entwicklung bestätigen. „Schon seit 2003 haben wir das Projekt der Bürgerbeteiligung gestartet, mit großem Erfolg. Denn wir wollen weg von einer Kultur des Vorwurfs hin zum aktiven Prozess. So planen wir beispielsweise gegenüber dem Gemeindezentrum eine Markthalle der Ideen, bei der sich alle einbringen können.“

Auch Klaus Zeitler stellte fest, dass sich viele in Fraunbergs Bevölkerung schon engagieren: „In enger Zusammenarbeit mit dem Amt für ländliche Entwicklung können wir so neue Projekte bald angehen – immer aber auf der Basis eines Konzepts, das zuvor sorgfältig entwickelt worden ist.“ Um die Bürger mitzunehmen, darauf legt Rathauschef Wiesmaier großen Wert, „muss auf Augenhöhe gesprochen werden. Es braucht dafür, wie hier bei uns, einen realen Bezug zum jeweiligen Projekt, ganz klar aufgezeichnet. Wir wollen auf die Menschen am Ort keinen Druck ausüben, um etwas zu verändern. Das Motto heißt deshalb bei uns, die Leute zu überzeugen statt sie nur zu gängeln“.

Der Veränderungsprozess wird von den Mitgliedern der Projektgruppe aktiv voran getrieben. „Wir müssen im Moment zwar noch auf viel digitale Kommunikation setzen und treffen uns alle zwei Wochen online. Dadurch haben sich schon viele Ideen angesammelt, die sich, wie wir hoffen, auch bald umsetzen lassen. Es wäre natürlich schön, wenn wir uns mit der Bevölkerung zeitnah treffen und Vorschläge unterbreiten könnten“, sagte Florian Ott. Die Reihe der Online-Vorträge läuft jedenfalls bis Ende Juli weiter, mit interessanten Themen zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

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