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Die Wallfahrt von 1854: Das Votivbild, das sich in der Wallfahrtskirche befindet, zeigt den Fußmarsch von der Pfarrei Reichenkirchen zur Heiligen Jungfrau Maria nach Thalheim vor 165 Jahren.
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Der Holunderstrauch ist eine botanische Besonderheit. Vor ihm steht eine Immaculata-Figur von 1884.
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Die Souvenirs präsentierten (v. l.) Hans Wiesmaier, Christian Pastötter und Ulrike Scharf.

Wallfahrt in den Ort wird 600 Jahre alt

Alle Wege führen nach Maria Thalheim

Der älteste Marien-Wallfahrtsort im Erdinger Land feiert heuer großes Jubiläum. Anno 1419, also vor genau 600 Jahren, war Maria Thalheim urkundlich nachgewiesen jedenfalls schon ein bekannter und von Weitem besuchter Wallfahrtsort. Bis heute pilgern jedes Jahr tausende Menschen in den kleinen Ort mit 556 Einwohnern und seiner Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt.

VON THOMAS OBERMEIER

Maria Thalheim – Die Bittgänger nehmen lange Wege und Strapazen auf sich, um ihre Sorgen und Anliegen, aber auch ihre Freude dorthin zu tragen, um eine heilsame Besinnung zu erfahren oder bei einer Liturgiefeier im Glauben bestärkt zu werden. „Allein in den vier Hauptpilger-Monaten von Mai bis August herrscht in und rund um die Wallfahrtskirche mit vielen Maiandachten und knapp 30 Wallfahrtsgottesdiensten Hochbetrieb“, sagt Diakon Christian Pastötter. Dazu kommt zum 67. Mal die jährliche Landkreiswallfahrt, die am Sonntag, 23. Juni, mit dem Münchner Regional-Weihbischof Rupert Graf zu Stoltenberg um 10 Uhr stattfindet und bis zu 1500 Gläubige nach Maria Thalheim lockt. „Heuer im Jubiläumsjahr könnten es noch mehr werden“, meint der Diakon der sogar ein Wallfahrtsgebet zum Jubiläum geschrieben hat (siehe unten).

Wundersame Erscheinungen

Der Legende nach verehrten die Gläubigen in früheren Zeiten ein Marienbild unter einem Hollerstrauch. Dann erbauten sie auf einem Hügel in der Nähe von Thalheim eine Kapelle zu Ehren Mariens. Das Bild wurde in feierlicher Prozession in die neue Kapelle gebracht, doch über Nacht war es wieder an seine ursprüngliche Stelle in der Hollerstaude zurückgekehrt. Nachdem sich diese wundersame Erscheinung mehrmals wiederholt hatte, deutete man das als Zeichen, dass die Gottesmutter an ihrem ursprünglichen Platz bleiben wollte und erbaute die Wallfahrtskirche am Hollerbusch.

Der Holunder an der Nordseite der Kirche ist bis heute auch botanisch eine Besonderheit. Er trägt keine sichtbaren Blüten und nur grüne Früchte. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde wegen des großen Wallfahrerzustroms eine Kirchenvergrößerung notwendig. Anfang des 16. Jahrhunderts baute man im Friedhof eine dem Heiligen Michael geweihte Speiskapelle, um der großen Zahl der Kommunionempfänger bei den Wallfahrtsfesten Herr zu werden.

Reformation und Dreißigjähriger Krieg scheinen an Maria Thalheim schonend vorübergegangen zu sein, jedenfalls war die Pfarrei mit einem Vermögen von 19 342 Gulden die reichste von über 100 Kirchen und Orden, die ihre Rechnung 1629 beim Pfleggericht Erding vorlegen mussten. Etwa 1660 errichtete man zur Erfrischung und Reinigung der Wallfahrer einen Brunnen, der sogenannte „Röhrlbrunnen“. Sein Wasser gilt als heilkräftig, und viele Wallfahrer berichteten von Gebetserhörungen und wundersamen Heilungen. In sogenannten Mirakelberichten wurden von 1749 bis 1762 immerhin 1414 Gebetserhörungen aufgeschrieben.

In die Blütezeit der Wallfahrt fiel die Übertragung des Gnadenbildes vom Seiten- zum Hochaltar am 15. August 1753. Im Verlauf der achttägigen Feierlichkeiten sollen viele hohe kirchliche Würdenträger und fast 40 000 Wallfahrer nach Thalheim gekommen sein.

Unter König Ludwig I. ging‘s wieder bergauf

Während der Aufklärung wurde 1785 auch in Bayern das Wallfahren an fast allen Werktagen verboten sowie an Sonn- und Feiertagen auf die nächstgelegene Pfarr- oder Filialkirche beschränkt. Dadurch kam die Wallfahrt fast vollständig zum Erliegen. Erst unter König Ludwig I. erholte sie sich wieder.

Der 600. Geburtstag heuer ist ein guter Grund für die Wallfahrtskuratie, gebührend zu feiern. Ab sofort können Pilger, Gläubige und Fans der Kirche als Andenken Souvenirs erwerben. Vom Kunstverlag Peda aus Passau gefertigte Kunstkarten in verschiedenen Formaten, Altar-Aufstellkarten mit Wallfahrtsgebet und Gnadenbild-Fotomagneten hat kürzlich der Förderverein zusammen mit der Kuratie vorgestellt. Auch Rosenkränze gibt es. Die Preise liegen bei einem bis drei Euro zugunsten der Renovierung der Wallfahrtskirche.

Begehrtes Weihwasser

Sehr begehrt ist auch das Weihwasser, das schon seit einigen Jahren in einer Flasche zum Mitnehmen angeboten wird. Dessen Bestände wurden soeben aufgefüllt. Souvenirs und Weihwasser gibt es am Haupteingang der Wallfahrtskirche.

Als Höhepunkt der Feierlichkeiten steht am Sonntag, 28. Juli, eine gemeinsame Fußwallfahrt mit gut 30 Gemeindevereinen auf dem Programm. Mit Fahnenabordnungen und Mitgliedern in Vereinskleidung geht es von Fraunberg nach Maria Thalheim zum Jubiläumsfestgottesdienst um 10 Uhr in der Wallfahrtskirche. Startpunkt ist das Fraunberger Sportgelände, wegen der guten Parkmöglichkeiten.

Der Thalheimer Vereinssprecher, Kriegerchef Franz Obermaier, selbst erfahrener jahrelanger Wallfahrer nach Tuntenhausen, hat sich zusammen mit den anderen Thalheimer Ortsvereinen (Feuerwehr, Schützen, TSV, Gartenbauverein, SSV und Heislleit) bereit erklärt, die Organisation vor Ort zu übernehmen. „Nach Tuntenhausener Vorbild werden wir mit Würstln und Getränken schnell fürs leibliche Wohl der Pilger am Dorfplatz sorgen“, sagt Obermaier. Gegen Hitze oder Regen werden dort Zelte aufgestellt, zur Unterhaltung soll eine Blaskapelle aufspielen.

Am Sonntag, 7. Juli, ist mit einem Jugendchorkonzert unter Leitung von Hubert Bart in der Wallfahrtskirche die nächste Jubiläumsveranstaltung geplant. Ein weiterer großer Festakt ist der Besuch von Landtagspräsidentin Ilse Aigner am Mittwoch, 14. August, dem Vorabend zum Patrozinium, dem Hochfest Mariä Himmelfahrt. Nach einer Andacht in der Wallfahrtskirche mit Lichterprozession hält Aigner im benachbarten Pfarrheim einen Vortrag zum Thema „Gedanken zur Wallfahrt in Bayern“.

Den Abschluss des Jubiläumsjahrs macht am Sonntag, 27. Oktober, ein großes Konzert des Gemeindeorchesters unter der Leitung von Ute Auf dem Hövel und den vereinten Chören des Pfarrverbands in der Wallfahrtskirche.

Auszug aus dem Gedicht von Diakon Pastötter:

„Maria, wir gehen durch das Leben. Wir grüßen dich hier im Heiligtum von Maria Thalheim. Du bist uns als Schutzfrau gegeben, segne die Menschen, das Land und unser Heim. Maria, du Schutzfrau mit Zepter und Krone, du zeigst uns, nur Liebe hat wirkliche Macht. Du hast uns in Jesus, dem göttlichen Sohne, die Liebe des Vaters ganz nahe gebracht.

Maria, schenk uns deinen Segen, dein Sohn ist der Weg, mit ihm woll’n wir geh’n. Er führt uns mit dir dem Himmel entgegen, dort werden wir ihn in Herrlichkeit sehn’n.“

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