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Spannende Debatte: Redaktionsleiter Hans Moritz diskutierte mit den Landwirten, darunter BBV-Kreisobmann Jakob Maier und Ortsobmann Michael Eberl (v. l.).

Verhältnis von Landwirtschaft und Medien

Was den Bauern gewaltig stinkt

Landwirte sehen sich in den Medien oft nicht gut dargestellt. Aktuelles Beispiel ist das Thema Glyphosat. Wie der Dialog zwischen Presse und Bauern funktionieren kann, das diskutierten Landwirte zusammen mit dem Redaktionsleiter unserer Zeitung.

von Klaus Kuhn

Grucking – Unter dem Druck bestimmter Parteien und Organisationen sieht sich die konventionell betriebene Landwirtschaft in der Defensive. Warum wird die Landwirtschaft in den Medien oft so negativ dargestellt? Diese Frage stellten die BBV-Ortsverbände Fraunberg, Reichenkirchen und Maria Thalheim bei einer intensiven Diskussionsrunde mit Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Es gab einen aktuellen Anlass: Glyphosat (siehe unten). Daran kamen die Diskussionsteilnehmer nicht vorbei. Aber es zieht schon die nächste dunkle Wolke am Landwirtschafts-Himmel auf: Die Schweinepest droht, und da sind gewisse Erinnerungen Moritz’ mindestens genauso finster: Bei BSE hätten die Medien teilweise versagt und Betriebe kaputt geschrieben, gab er zu: „Sowas darf sich nicht wiederholen.“

Ob es aber, sollte eine solche Katastrophe über die Schweinemastbetriebe hereinbrechen, gelinge, sich dem medialen „Herdentrieb“ zu entziehen, musste Moritz in Zweifel ziehen. Es gebe eben nicht nur die örtlich dominierende Tageszeitung. „Wenn alle darüber berichten, wenn im Kreis was vorfällt, und wir tun das nicht, dann verlieren wir an Glaubwürdigkeit.“

Die rund 20 Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes, die der Einladung gefolgt waren und sich teilweise energisch an der vom Reichenkirchener Ortsobmann Michael Eberl geleiteten Diskussion beteiligten, gaben Fehler zu. Vor allem den, oftmals nicht offensiv und selbstbewusst genug aufzutreten und zu informieren. Eberl: „Wir produzieren Lebensmittel so gut wie noch nie, und wir werden geschimpft wie noch nie.“ Ausgleichszahlungen bezeichnete er als Subventionen für die Lebensmittel, denn würde es diese nicht geben, wären die Lebensmittel im Supermarkt ganz sicher teurer.

Ein Ergebnis der Debatte: Die örtliche Tageszeitung kann ihre Stärke dann ausspielen, wenn sie mit den Betroffenen im Gespräch bleibt, Hintergründe erfährt, Sachinformationen einbringen kann. Schnittstelle wäre Kreisobmann Jakob Maier aus Niederding, der deutlich machte, zum Dialog mit den Medien entschlossen zu sein.

Nach der über zweistündigen Diskussion sprachen beide Seiten sogar von einer „Win-Win-Situation“. Ihr Fazit: Die Landwirte müssen deutlicher machen, dass es ohne sie einfach nichts zu essen gibt. Sie haben darum Grund zu mehr Selbstbewusstsein. Und die Medienvertreter müssten lernen, dass sie eben keine Landwirtschafts-Experten sind.

Glyphosat ist nur der Anlass einer neuen Debatte über die Landwirtschaft. Die bei vielen populäre Unterscheidung zwischen den „guten“ Ökobauern und den „bösen“ konventionellen Landwirten wird wieder aufgewärmt. Das stinkt den Mitgliedern des Bayerischen Bauernverbands gewaltig. Aber sie haben den Appell von EA/DA-Redaktionsleiter Hans Moritz wohl verstanden und warteten mit einem ganzen Bündel Informationen zum Einsatz des umstrittenen Mittels auf. Dieses sei, betonten gleich mehrere Bauern, letztlich nur die „Feuerwehr“, aber die brauche man eben. Ortsobmann Michael Eberl verwies auf Überschriften wie „Giftige Pestizid-Debatte“ auch in unserer Zeitung und hielt dagegen: „Pflanzenschutzmittel mit Totenkopf drauf habe ich seit Jahren nicht mehr in den Händen gehabt. Wir werden als Umwelt- und Menschenvergifter hingestellt. Das finde ich nicht richtig.“ Die Deutsche Bahn AG setze, so Kreisobmann Jakob Maier, deutlich mehr von dem Mittel ein als die Landwirte. 80 Prozent des deutschlandweit eingesetzten Mittels kämen an den Gleisen zur Entkrautung zum Einsatz. Martin Hintermaier aus Harham wurde noch deutlicher: Glyphosat sei in Bayern bei der kleinräumiger strukturierten Landwirtschaft gar nicht so sehr das Thema wie in anderen Teilen Deutschlands. Sein Satz „Uns täte das gar nicht so weh“ über ein mögliches Glyphosat-Verbot blieb ohne Widerspruch. Glyphosat ist ein Mittel, das die Photosynthese hemmt und damit die Pflanze zum Absterben bringt. Das Mittel ist zunächst einmal für weitere fünf Jahre zugelassen. Maier: „Chemische Alternativen zu Glyphosat gibt es bis jetzt nicht. Um eine ähnliche Wirkung zu erzielen, müssten Landwirte auf Wirkstoffmischungen zurückgreifen. Durch das engere Wirkstoffspektrum steigt das Risiko von Resistenzen.“

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