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„Wir werden das Klima der nördlichen Toskana bekommen“

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Bildungsarbeit unter Bäumen: Bei dem herbstlichen Waldbegang mit Marcus Nißl (r.) gab es viele Sachinformationen zum Waldbau der Zukunft.
Bildungsarbeit unter Bäumen: Bei dem herbstlichen Waldbegang mit Marcus Nißl (r.) gab es viele Sachinformationen zum Waldbau der Zukunft. © Klaus Kuhn

Kalt war’s, feucht war’s von unten – von oben glücklicherweise nicht. Die Waldbesitzervereinigung Erding hatte zu einer Lehrveranstaltung eingeladen, stapfte mit einer ansehnlichen Gruppe, dem Kreisvorsitzenden Rainer Mehringer und Revierförster Marcus Nißl an der Spitze durch den Wald in der Nähe des Waldbads von Maria Thalheim, der der Heiliggeist-Spitalstiftung Erding gehört.

Maria Thalheim - „Herbstlicher Waldbegang“ stand in der Ankündigung, aber das war eine Mogelpackung. Es ging vielmehr um konzentrierte Sachinformation, unter anderem zum Zukunftsthema klimafester Waldumbau.

Für Mehringer steht nach allen bekannten Vorausberechnungen fest: „Wir werden hier das Klima der nördlichen Toskana bekommen.“ Dabei dachte der Kreisvorsitzende allerdings in den Zeiträumen, die ein Waldbesitzer im Auge haben muss: 50 bis 100 Jahre. Klar: So lange brauchen Bäume, bis sie hiebsreif, also bereit zum Ernten, sind.

Einige Kernaussagen: Die Fichte ist inzwischen eine Hochrisikobaumart und wird in den genannten Zeiträumen mehr oder weniger verdrängt sein. Der Brotbaum der Vergangenheit wird, da waren sich Mehringer und Nißl einig, in weiten Teilen von der Tanne verdrängt werden. Die aber „hochzubringen“, sei ein schwieriges Thema, wie bei der Exkursion deutlich wurde. Die Tanne ist nämlich nicht nur bei Waldbesitzern und Förstern sehr beliebt, sondern auch bei Rehwild. Und das hat Folgen. Behandlungen gegen Wildverbiss müssen sein. Es ist die weiße Farbe, die dem Wild nicht schmeckt. Nißl sprach von einem „Vergrämungsmittel“, das absolut ungiftig sei, aber trotzdem unter das Pflanzenschutzgesetz falle.

Was dieses Mittel nicht verhindert, bekamen die Teilnehmer an der Runde drastisch vorgestellt: Sogenannte Fegeschäden entstehen, wenn Rehwild an den Bäumchen versucht, den Bast vom jungen Gehörn loszuwerden. Dabei können die Bäumchen dermaßen ramponiert werden, dass sie als Totalausfall gelten.

„Na, des is ja sauber aufgearbeitet!“ Mehringer kratzte sich am Kopf, als er das Desaster bestaunen musste. Nißl wusste Rat: Wenn man auf großen Flächen arbeitet, viele verschiedene Baumarten hat, ist nach seinen Erfahrungen der Druck auf die einzelnen Baumarten wie eben die Tanne nicht so groß. Die Tanne habe andere Anforderungen an den Standort als die Fichte. „Sie kann mit dem Licht spielen“, meinte der Förster. Soll heißen: Wenn von den großen Bäumen, unter denen die Tanne aufkommen soll, der eine oder andere geerntet wird, kommt mehr Licht nach unten. Gras und Brombeere sollen aber nicht so groß werden. „Sonst haben wir wieder die Mäuse.“

An anderer Stelle hat die Stiftung die Flatteresche in größerem Stil angebaut und auch schon schön hoch bekommen. Wiederum an anderer Stelle konnten die Teilnehmer bestaunen, wie es auch geht, wenn keine Naturverjüngung möglich ist: Buchen in Reihen unter den Fichtenbestand gepflanzt. Die Entnahme der Fichten ist dann allerdings eine „hohe Kunst“, so Nißl. „Das sollten Sie dann wirklich den Fachfirmen überlassen.“  

Klaus Kuhn

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