Transportfertig gemacht wurden die Heiligen Hilarius (vorne ) und Florentino von Judith Schekulin vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Irmgard Schnell-Stöger (Fachleitung Restaurierung), Andreas Scheuch (Möbelrestaurator), Uta Ludwig (Restaurierung Heilige Leiber) und Diakon Christian Pastötter.
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Transportfertig gemacht wurden die Heiligen Hilarius (vorne ) und Florentino von Judith Schekulin vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Irmgard Schnell-Stöger (Fachleitung Restaurierung), Andreas Scheuch (Möbelrestaurator), Uta Ludwig (Restaurierung Heilige Leiber) und Diakon Christian Pastötter.

Wallfahrtskirche Maria Thalheim: Gebeine von Hilarius und Florentino erstmals restauriert

Zwei Heilige auf Reisen

Erstmals seit 1756 verließen der Heilige Hilarius und der Heilige Florentino ihre gläsernen Schreine in der Maria Thalheimer Wallfahrtskirche. Sie werden restauriert.

Maria Thalheim – Der Heilige Hilarius und der Heilige Florentino gehören fest zur Wallfahrtskirche Maria Thalheim. Seit dem 18. Jahrhundert werden ihre Gebeine dort verwahrt und verehrt. Erstmals seit 1756 verließen die Reliquien am Dienstag ihre gläsernen Schreine. Die Heiligen Leiber werden restauriert. Fachleute trafen sich in der Kirche für eine besondere Mission. Zusammen mit Diakon Christian Pastötter öffneten sie die Schreine. Anschließend wurden die gebrechlichen Reliquien von den Spezialkräften unter großer Sorgfalt transportfähig gebettet und eingepackt.

„Es ist heute das Tüpfelchen auf dem i im Gesamtblick der Innenrenovierung“, freut sich Pastötter, der seit über zehn Jahren die Renovierungen in der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt mit viel Herzblut anschiebt.

Die Kosten dieses Schritts belaufen sich auf 20 000 Euro, die die Bramenkamp Kulturstiftung aus Landau an der Isar dankenswerterweise übernommen habe, so der Geistliche. „Unser Wunschgedanke wäre es, dass die restaurierten Leiber zum Festtag des Kirchenpatrozinium Maria Himmelfahrt am 15. August wieder zurück sind und wir sie an diesem Festtag offiziell enthüllen könnten“, sagte er. Laut Restauratorin Uta Ludwig ist dies zeitlich zwar möglich, versprechen könne sie es jedoch nicht.

Mit einem Gebet vom Diakon und läutenden Kirchenglocken wurden die Heiligen Leiber verabschiedet und in einen Transporter verladen. Manfred Stöhr, Geschäftsführer und Chauffeur von der Kunsttransport-Spedition Art Handling, überführte anschließend die beiden Heiligen für etwa zwei Monate nach Unterwössen im Landkreis Traunstein, wo sie von Ludwig restauriert werden. Um die Stoffe kümmert sich Johanna von Waldburg, Stoffrestaurateurin aus Fürstenfeldbruck.

Die augenscheinlich vollständig erhaltenen Gebeine der beiden Heiligen sind symmetrisch zueinander und auf nahezu identische Weise in den Reliquienschreinen auf mit Borten und Quasten verzierten Liegen und Kissen gebettet. Sie sind reich mit hoch qualitätvoller Klosterarbeit und aufwendig gearbeiteten Brokatstoffen geschmückt. Als Zeichen ihres Martyriums halten sie je einen goldenen Palmzweig in Händen. Ihre Schädel sind mit Lorbeerkränzen aus Metallblech und Perlen bekrönt.

In beiden Schreinen hängt mittig von der Decke ein silbernes Rauchfass, im Schrein des Heiligen Florentino zusätzlich auf dem Kissen neben seinem Kopf ein silberfarbener Weihrauchbehälter. Die Fachleute gehen davon aus, dass beide Reliquien nie verändert oder überarbeitet wurden. Das Gewebe von Bekleidung und Decken sei augenscheinlich identisch ist und datiere wohl aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Mitte des 16. Jahrhunderts hatten die Kirchenoberen auf dem Konzil von Trient ihre Rechtmäßigkeit grundsätzlich bestätigt und festgelegt, dass „die heiligen Leiber der heiligen Märtyrer und anderer, die mit Christus leben“ von ihm zum ewigen Leben auferweckt werden und deshalb von den Gläubigen zu verehren sind.

„Was den Protestanten als pietätlose Zurschaustellung galt, war den Katholiken die Verheißung der himmlischen Herrlichkeit“, erläutert Pastötter. Mit der Gegenreformation und einem Zufallsfund nahe Rom sei das Wetteifern um Reliquienschätze neu angekurbelt worden. „Die dort gefundenen Skelette wurden pauschal zu frühchristlichen Märtyrern erklärt und bald als Katakombenheilige hoch gehandelt. Klöster und Stifte, Wallfahrtsorte, wie auch Maria Thalheim, scheuten keine Kosten und Mühen, um in den Besitz der prestigeträchtigen Großreliquien zu gelangen“, berichtet der Diakon.

Der Heilige Leib des Hilarius wurde 1708 nach einer achttägigen Feierlichkeit im ersten südlichen Seitenaltar, dem Anna-Altar, der Wallfahrtskirche eingesetzt. Nach einem Brand 1726 fanden verschiedene Um- und Ausbauten in der Kirche statt. Im Zuge dieser Erneuerung wurde die heute noch beeindruckende Gesamtausstattung durch die drei hervorragenden Künstler geschaffen.

In seinem gläsernen Schrein liegt sonst der Heilige Florentino am nördlichen Seitenaltar der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt.

Um 1753 wurde auch für den nördlichen Seitenaltar ein Heiliger Leib angeschafft, der Heilige Florentino, den der örtliche Kramer Franz Anton Neff aus Rom hatte kommen lassen. An der Seitenwand des Altars ist heute noch in vergoldetem Rahmen die dazu gehörige Steinplatte mit Inschrift angebracht. Die Schreine für die beiden heiligen Leiber sind mit vorgesetzten vergoldeten und ornamentierten Zierrahmen identisch gearbeitet und entstammen derselben Werkstatt.

Thomas Obermeier

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