Gemeinderat Neuching

Bauland für den schmalen Geldbeutel

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Auf verbilligte Grundstücke dürfen potenzielle Bauherren in der Kommune Neuching hoffen. Der Gemeinderat hat neue Richtlinien für die Vergabe von Bauland beschlossen.

Oberneuching – Im Volksmund sind die Vergabekriterien für günstigeres Bauland als Einheimischenmodell bekannt. So darf aber laut der EU das Regelwerk nicht mehr heißen. Deshalb hat der Gemeinderat Neuching in seiner Sitzung am Dienstag neue Vergaberichtlinien beschlossen – und das einstimmig. Wichtigste Änderung: Bewerben darf sich jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist. Bürger der Gemeinde muss man nicht mehr sein. Bewerben kann man sich ab sofort für 15 Bauplätze bei Niederneuching, die die Kommune nach den neuen Richtlinien vergeben wird.

Als Zuckerl für Einheimische gibt es aber Pluspunkte, wenn der Hauptwohnsitz schon in der Gemeinde ist – von einem Punkt bei einem Jahr bis zu 15 bei mindestens fünf Jahren. Extra-Punkte locken außerdem, wenn der Antragsteller seit mindestens drei Jahren in der Gemeinde arbeitet.

Zuerst aber geht es ums Geld. Das Jahreseinkommen eines ledigen Bewerbers darf nicht mehr als 51 000 Euro betragen. Bei einem Paar zählt die doppelte Summe. Fällt der Verdienst höher aus, ist der Bewerber schon aus dem Rennen. Denn der Kauf von Bauland soll vor allem einkommenschwächeren Personen ermöglicht werden. Auch wer bereits Wohneigentum hat, wird nicht berücksichtigt.

Je mehr Punkte ein Bewerber sammelt, desto bessere Chancen hat er auf ein Grundstück. Das Punktekonto wird aufgefüllt, je weniger Geld aufs Bankkonto fließt. Wird die Obergrenze des Jahreseinkommens um mindestens 15 000 Euro unterschritten, wird das mit 15 Zählern belohnt. Zu viel Vermögen bedeutet wenig Punkte. Wer nur bis 20 Prozent des Grundstücksverkehrswertes besitzt, darf sich über 15 Zähler freuen, bis 50 Prozent gibt es dagegen nur zehn Zähler. Ob dann das Einkommen zur Finanzierung des Grundstücks samt Immobilie reicht, steht auf einem anderen Blatt. Darüber wurde im Gemeinderat nicht diskutiert.

Dafür spielt das Alter des Bauwilligen eine Rolle. Wer unter 30 Jahre ist, erhält 15 Zähler als Bonus, von 30 bis 35 Jahren gibt es zehn. Die 35- bis 40-Jährigen bekommen noch fünf. Ordentlich punkten können kinderreiche Familien. Pro kindergeldberechtigtem Nachwuchs, der im Haushalt des Antragstellers lebt, gibt’s 15 Zähler.

Der Grad einer Behinderung beim Antragsteller oder eines Haushaltsangehörigen wird ebenfalls berücksichtigt. Das beginnt bei zehn Punkten bei 50-prozentiger Einschränkung und geht bis zu 15 Zähler bei 100-prozentiger Behinderung. Ähnlich ist die Situation beim Pflegegrad. Stufe zwei beginnt bei zwölf Punkten. Pro weiterem Grad gibt es einen Extra-Zähler. Behinderung und Pflegegrad dürfen punktemäßig nicht gekoppelt werden.

Wer am Schluss die meisten Zähler verbucht, hat gute Chancen auf verbilligtes Bauland. Ein Rechtsanspruch besteht jedoch nicht. Kommt ein Bewerber zum Zug, muss er das Grundstück innerhalb von sieben Jahren bebauen und es mindestens 20 Jahre besitzen. „Es gibt bereits viele Nachfragen in der Gemeinde“, sagte Bürgermeister Hans Peis (CSU). Umso erstaunter war er, dass kein Zuhörer in der Sitzung war.

von Daniela Oldach

Rubriklistenbild: © dpa

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