Wenige Tage nach der Operation: Der kleine Lenny im Arm seiner Mutter Sabine mit Vater Ronny (l.) und Professor Winfried Barthlen. Foto: Privat

Die Geschichte von Lenny: Das schönste Geschenk - ein geheiltes Kind

Dorfen - Unter dem Christbaum liegen heute Päckchen mit mehr oder minder schönen oder originellen Geschenken. Sabine Drenk und Ronny Neubert freuen sich über ein ganz besonderes Geschenk. Man kann dies für kein Geld der Welt kaufen. Ihr kleiner Sohn Lenny ist wieder völlig gesund.

Es ist der 23. Mai. Sabine Drenk ist im achten Monat schwanger. Drei Kinder hat die 39-jährige Dorfenerin schon auf die Welt gebracht. Es gab nie Komplikationen. Doch an diesem Tag fühlt sich die Mutter nicht wohl, es geht ihr nicht gut. Der Dorfenerin ist total übel. Sie beschließt noch am Morgen mit ihrem Vater Toni ins Krankenhaus nach Landshut-Achdorf zu fahren.

Dort haben die Ärzte zunächst den Verdacht auf eine Schwangerschaftsvergiftung. Das bestätigt sich jedoch bei der Untersuchung nicht. Doch dann entdecken die Mediziner, dass die Herztöne des Ungeborenen verändert sind. Sie raten der Mutter, in der Klinik zu bleiben. Am Nachmittag spitzt sich die Lage dramatisch zu: Die Herztöne des Kindes werden immer schlechter - die Ärzte führen sofort einen Not-Kaiserschnitt durch. Vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin kommt der Bub so unter dramatischen Umständen auf die Welt.

3600 Gramm bringt Lenny auf die Waage. Er ist 49 Zentimeter groß. Zunächst schnaufen Eltern und Ärzte durch. Alles scheint in Ordnung zu sein. Doch bei der Blutzuckerkontrolle des Babys werden die Ärzte stutzig: Lenny hat mit 7 mg/dll einen sehr niedriger Wert. Das Baby bekommt sofort intravenös hochdosiert Glukose verabreicht. Der Wert steigt dadurch in den unteren Normalbereich. Es folgten viele Untersuchungen. Doch der Blutzuckerwert bei Lenny fällt trotz hoher Glukosezugaben immer wieder in den Keller.

Die Arzte vermuten zunächst eine Anpassungsstörung durch die verfrühte Geburt oder auch Schwangerschaftsdiabetes. Vergeblich werden Lenny wochenlang Infusionen am Kopf, an den Armen und Beinen gegeben. Es stellt sich dennoch kein Erfolg ein. Neue Medikamente werden eingesetzt, die ebenfalls keine Besserung erwirken. Lenny muss vier Mal täglich gespritzt werden - die Arzneien haben extreme Nebenwirkungen.

Lenny muss zudem alle drei Stunden über eine Sonde Nahrung zugeführt werden, um die Blutzuckerwerte stabil halten zu können. Nach vielen weiteren Untersuchungen kommt dann die schreckliche Diagnose: Hyperinsulinismus. Das ist die vermehrte Bildung von Insulin, wodurch der Insulinspiegel im Blut sich stark erhöht. Verantwortlich für die Überproduktion sind Zellen auf der Bauchspeicheldrüse. Die Folge ist eine Unterzuckerung. Lennys Leben scheint damit vorgezeichnet: schon als Baby schwerst zuckerkrank. Doch Mutter Sabine will sich mit der Diagnose nicht abfinden. „Ich war mir sicher, dass es eine Lösung geben musste.“

Sabine Drenk surft unendlich lange Zeit im Internet, meldet sich in diversen Foren an, um sich mit Eltern zuckerkranker Kinder auszutauschen, Ratschläge einzuholen und sich auf das Leben mit ihrem kranken Buben vorzubereiten. In einem dieser Foren wird der Dorfenerin Prof. Barthlen empfohlen. Mit ihm nimmt die Mutter Kontakt auf. Der Mediziner schlägt der Dorfenerin für ihren Sohn eine Positronen-Emissions-Tomographie (PET) vor. Ende Juli fliegen Mutter und Sohn dann nach Berlin. Neben den Ärzten von der Sana Klinik sind auch Prof. Klaus Mohnike aus Magdeburg und Prof. Winfried Barthlen aus Greifswald bei der Untersuchung dabei. Barthlen hat sich als Kinderchirurg auf die Behandlung des Pankreas, der Bauchspeicheldrüse, spezialisiert. Den Eltern wird aber von vorneherein nicht allzu viel Hoffnung gemacht. Prof. Barthlen verspricht aber, sein Möglichstes zu versuchen, um Lenny zu helfen.

Die Diagnose nach dem Ende der Untersuchung ist dann für Lennys Eltern ein erster Silberstreif am Horizont: Der Mediziner signalisiert, dass es sich bei der Krankheit des Buben um eine operativ zu behandelnde Form handelt. Bei dem so genannten fokalen Hyperinsulinismus ist nur eine begrenzte Anzahl an beschädigten Betazellen auf der Bauchspeicheldrüse betroffen. Die Reise führte Familie Drenk dann weiter zum Universitätsklinikum Greifswald, wo Professor Barthlen Lennys Operation für Anfang August angesetzt hat. „Der Professor sagte uns, dass für Lenny eine 50:50 Chance zur Heilung bestünde.“ Aber er machte auch deutlich, dass es ein sehr schwerer Eingriff werden würde. Sabine Drenk: „Ausschlaggebend, dass mein Partner und ich der Operation zugestimmt haben, war die Versicherung des Professors, dass er jede OP so durchführe, als wären es seine eigenen Kinder.“

Stundenlang dauert die Operation. Für die Eltern eine schier nie vergehen zu wollende Ewigkeit - zwischen Hoffen, Bangen und Angst. Dann kommt die Erlösende Nachricht: „Die OP ist gut verlaufen.“ Etwa 30 Prozent der Bauchspeicheldrüse Lennys werden dabei entfernt. Vier Monate nach der Operation steht heute fest: Lenny ist geheilt! Der Bub muss keine Medikamente mehr nehmen, muss kein Insulin mehr spritzen. Die Eltern, die Geschwister, die Großeltern Toni und Edith Ertl, alle sind nur unendlich glücklich.

Sabine Drenk kann ihr Glück noch immer nicht fassen, dass Lenny geheilt ist: „Was die Professoren Barthlen und Mohnike und das gesamte Team für uns getan haben, ist einfach wundervoll. Ich würde immer wieder meine Kinder in ihre Hände geben.“

Die Familie Drenk ist mit den Kliniken in Magdeburg und Greifswald immer noch in Kontakt - und wird es auch bleiben. Das aber nicht aus medizinischen Gründen. Sabine Drenk: „Das sind alles einfach sehr, sehr liebe Menschen!“ Und ganz besonders dankt Sabine Drenk ihren Eltern: Sie haben sich während der schweren Zeit rührend um die Geschwister Lennys gekümmert.

Übrigens: Lenny ist das jüngste Kind, das in Deutschland von Hyperinsulinismus geheilt wurde.

Anton Renner

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