Die Bebauung schreitet voran: Im Gewerbegebiet Erding-West wird gerade das Fachmarktzentrum (oben, Mitte) zwischen Obi und Lidl an der Sigwolfstraße errichtet. Zwischen Feneberg und E + C ist Platz für ein Hotel. Foto: seeholzer

Gewerbegebiet Erding-West: Neue Läden, alter Ärger

Erding - Nicht nur die umliegenden Gemeinden blicken argwöhnisch auf die großen Gewerbegebietsausweisungen im Westen Erdings. Auch im Stadtrat will die Kritik daran nicht verstummen.

Auf dem Teilstück 168/II des Gewerbegebietes Erding-West an der Sigwolfstraße laufen die Bauarbeiten derzeit auf Hochtouren. Zwischen Obi und E + C sollen neben dem bereits gebauten Feneberg-Markt und Discounter Lidl ein Fachmarktzentrum und ein Dehner-Gartencenter mit angeschlossenem Zoofachmarkt entstehen. Gesamtverkaufsfläche: 23 000 Quadrameter. Außerdem plant Investor Georg Scharl aus Dorfen dort ein 150-Zimmer-Hotel, das eine große internationale Kette betreiben soll.

Vor allem das Sortiment im Fachmarktzentrum führte im Planungs- und Umweltausschuss des Stadtrates am Dienstagabend erneut zu einer hitzigen Debatte. Auslöser war die negative Stellungnahme der Stadt Dorfen dazu, die durch die Mehrung der Verkaufsflächen in Erding ihre eigene Kaufkraft und die gewachsenen Strukturen erheblich geschwächt sieht (wir berichteten).

Während sich die Mehrheit im Stadtrat mit Bürgermeister Max Gotz (CSU) an der Spitze auf die landesplanerische Beurteilung der Regierung von Oberbayern beruft, wonach das Gewerbegebiet keine Auswirkungen auf das Einzelhandelsgefüge in Erding und den umliegenden Gemeinden habe, monierte Hans Egger (Erding Jetzt) die zunehmend kleinteiliger werdende Nutzung auf dem Areal. Dort, wo einst ein Möbelmarkt geplant gewesen sei, entstünden nun Bekleidungsgeschäfte, Drogerie, Metzgerei, ein Schuh- und Sportgeschäft. „Große Bereiche davon sind innenstadtrelevant. Deshalb werde ich dem Satzungsbeschluss nicht zustimmen“, sagte Egger. Dies heiße aber nicht, dass seine Fraktion alles andere auch ablehne - wie etwa das Garten-Center. Das Kontra kam von Burkhard Köppen (CSU), der Eggers Ansatz völlig verkehrt fand. „Wen wollen Sie denn in der Innenstadt schützen? Die Mobilfunk-Läden, in denen schon Jugendliche teure Verträge abschließen, die zu Überschuldung führen? Langsam gleiten wir in eine altsozialistische Planungspolitik ab“, empörte er sich.

Gotz betonte: „Die wesentliche Verantwortung in der Innenstadt liegt bei den Hauseigentümern, die mit der Höhe der Miete und der Auswahl der Mieter das Stadtbild beeinflussen.“ Sie würden mit der Gestaltung ihres Umfeldes zum Branchenmix beitragen. Egger pflichtete ihm bei, meinte aber auch: „An den Mieten scheitern die Unternehmer nicht, sondern, weil es am Umsatz mangelt.“ In gewisser Weise sei das Sortiment im Fachmarktzentrum vergleichbar mit dem SB-Warenhaus Globus, gegen dessen Ansiedlung sich auch die Kommunalpolitik sträube. „Warum hier nicht“, fragte Egger.

Rainer Mehringer (UWE) erinnerte an die Arbeits- und Ausbildungsplätze, die im Gewerbegebiet entstanden und entstehen. Er räumte ein, dass keiner über die großfläche Entwicklung dort draußen glücklich sei, aber die Stadt habe sich damals dem Druck nicht entziehen können, „sonst hätten sich andere auf unsere Kosten entwickelt“. Dass künftige Änderungswünsche bei der Nutzung noch unbebauter Flächen vom Stadtrat kritischer gesehen werden, ließ auch Gotz durchblicken.

Für das Geviert 168/II ging es am Dienstag nur noch um den Satzungbeschluss. Diesen fassten die Stadträte gegen die Stimmen von Egger und Günther Kuhn (Grüne) dann auch mehrheitlich.

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