1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding

„Es gibt Regionen, da überlebst du als Europäer keine Stunde“

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Von der großen Not in Pakistan berichteten Stephan Zobel, Wolfgang Wagner und Walter Unger (v.l.). Foto: kuhn
Von der großen Not in Pakistan berichteten Stephan Zobel, Wolfgang Wagner und Walter Unger (v.l.). Foto: kuhn © AUTO_ERD

Flughafen - Stephan Zobel berichtet von seinem Einsatz für Navis im Katastrophengebiet von Pakistan.

„Nach meiner Einschätzung dauert es sechs bis sieben Jahre, bis das Land wieder einigermaßen auf die Füße kommt.“ Stephan Zobel, nach 14 Tagen auf Erkundung für weitere Einsätze von Navis im Katastrophengebiet von Pakistan, hat immer noch Mühe, das Ausmaß der Überflutungen zu begreifen: „3000 Kilometer lang und 40 Kilometer breit. Und alles nass! Das ist eine Fläche so groß wie Italien.“

Wie berichtet, waren die beiden Flughafen-Feuerwehrler mit der Hilfsorganisation Navis im Süden Pakistans, Zobel war Teamchef in diesem Gebiet. Die beiden mussten erst mal mit den Besonderheiten des Landes klar kommen: „Es gibt Regionen, da überlebst du als Europäer keine Stunde. Da geht man dann besser nicht hin“ ,erzählte Zobel. Arbeiten und eine Wasserversorgung installieren für 15 000 Menschen im Bereich der Stadt Tatagurmani im Südosten des Landes konnte das Navis-Team dann aber doch.

„Es gibt zehn bis 15 große Familien, und das ist Pakistan. So läuft das da“, sagte Zobel zu den Machtverhältnissen. Mit einer dieser mächtigen Familien haben sich die Helfer aus Deutschland arrangiert, haben das Feldlazarett zum Laufen gebracht, haben zwei Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung installiert. Die eine haben sie selbst mitgebracht, die andere hat die Firma Süd-Chemie aus Moosburg von Südafrika her ins Land gebracht. Zusammen werden 2000 Liter pro Tag gewonnen, und das war für ihn wie für Walter Unger zentral. „Sauberes Trinkwasser, das ist das Wichtigste“, zeigten sie sich überzeugt. Nur so ließen sich Infektionskrankheiten einigermaßen eindämmen, auch wenn gegen Mückenschwärme nichts unternommen werden könne. „Wenn das Wasser jetzt zurück geht, dann bleiben Tümpel zurück, aber die haben gleich die Größe vom Ammersee. Ideale Brutstätten für Mücken, und prompt steigt die Malaria-Gefahr.“

Die beiden haben den Kampf gegen Besonderheiten der Bürokratie geführt und gewonnen, etwa unter Zuhilfenahme der UNO. Über den Berg ist das gebeutelte Land nach Überzeugung der beiden Helfer noch lange nicht: „70 Prozent der Reisernte sind vernichtet, 100 Prozent der Baumwollernte, 40 Prozent der Zuckerrohrernte“, zählte Zobel auf. Die Aussaat der Folgefrucht auf den Reisfeldern sei ernsthaft gefährdet. Es drohe jetzt eine Hungerkatastrophe. In den nächsten Tagen reist ein weiteres Team von Helfern ab: Dr. Ekkehard Michel, Florian Hölzl (beide vom Klinikum Freising), Christian Pickal, als Sanitäter, Benjamin Bäcker als Techniker, sowie die Psychologin Karsta Feuchta zählte Pressesprecherin Tanja Voges auf. Sie werden zwei Wochen da bleiben. Klaus Kuhn

Auch interessant

Kommentare