Grundstücks-Coup vor traurigem Ende

Lengdorf - Eine Anzeige im Lengdorfer Mitteilungsblatt, dass die Gemeinde elf Hektar landwirtschaftliche Fläche verkaufen will, lässt derzeit die Gerüchteküche brodeln.

Der Grund in der Flur Biberg war vom ehemaligen Bürgermeister Siegfried Rübensaal gekauft und mangels Eigenkapital über Bayerngrund finanziert worden – trotz bestehender Gemeindeschulden. Besonders der versprochene Erlös von einer Millionen Euro erhitzt die Gemüter der Bürger, denn das Grundstück ist laut gut informierten Kreisen nicht einmal die Hälfte wert.

Auch in der jüngsten Gemeinderatssitzung gab die Ackerfläche Anlass zur Diskussion. Ohne dass der frühere Gemeindechef vorher darüber informiert hätte, habe er den Grund zu einem Preis von 230 Euro pro Hektar verpachtet. Üblich sei für hochwertige Ackerfläche aber bis zu 400 Euro. Besonders pikant: Nutznießer dieser Regelung war unter anderem der Sohn des damaligen Zweiten Bürgermeisters Martin Hartl. „Jetzt stehen jährlich 18 000 Euro Zinsen, die wir zahlen müssen, zirka 2000 Euro an Pachteinnahmen gegenüber“, klärt Bürgermeisterin Gerlinde Sigl im Gespräch mit der Heimatzeitung über die Gründe für den Verkauf auf.

Kein Verständnis hat Siegfried Rübensaal für die Verkaufspläne seiner Nachfolgerin. „Das Grundstück war als Tauschgrund für die Deutsche Bahn geplant, im Fall, dass die Walpertskirchener Spange gebaut wird.“ Vorher habe es sich laut Rübensaal bei den elf Hektar um einen „Fleckerlteppich“ gehandelt, aus dem er im Rahmen eines Bereinigungsverfahrens eine zusammenhängende Fläche gemacht habe. Dieses vom ehemaligen Rathaus-Chef als Verkehrsgrund deklarierte Land hätte dann vom Freistaat Bayern gekauft und in den Vermögensstock des Landes aufgenommen werden sollen. Dies sei, vermittelt vom Landtagsabgeordneten Jakob Schwimmer (CSU), mit dem ehemaligen Staatssekretär und jetzigen Finanzminister Georg Fahrenschon abgesprochen gewesen. Als Verkehrsgrund hätte Rübensaal für die Immobilie den gleichen Preis verlangen können wie bei Landkäufen für den Autobahnbau. „Einige haben bis zu 8,50 Euro bekommen. Das wären dann 935 000 Euro gewesen“, rechnet Rübensaal vor. „Und jetzt will sich keiner mehr daran erinnern, und der Staat will das Land nicht kaufen“, ist er erbost. „Das Land wird verschleudert. Ich verstehe nicht, dass man sich so über den Tisch ziehen lässt und unfähig ist, seine Rechte durchzusetzen.“

Gerade für die geplante Trasse der Walpertskirchener Spange sei vorauszusehen, dass einige Grundbesitzer einem Verkauf nicht zustimmen, verteidigt Rübensaal seinen Plan. Im Rahmen einer Besitzeinweisung könnten diese dann eine finanzielle Entschädigung ablehnen. „Wenn aber ein gleichwertiger Grund in der Nähe des Hofes zum Tausch zur Verfügung steht, dann muss der Besitzer annehmen.“ Dass die Regierung jetzt nichts mehr von dem Plan wissen will, dahinter vermutet Rübensaal genau diese Tatsache als Grund: „Vielleicht ist das ein Trick, um sagen zu können, sie kriegen nichts und können nicht bauen. So können sie den Ausbau verzögern.“

Auch zum Vorwurf der Bevorzugung seines Parteikollegen nimmt Rübensaal gegenüber der Heimatzeitung Stellung: „Da ich ja selber von dem Thema keine Ahnung habe, habe ich damals beim Landwirtschaftsamt nachgefragt, was man als Pacht für Ackerland nehmen kann.“ Um eine schnelle Verfügbarkeit der Grundstücke zu garantieren, würden diese auch immer nur im Rahmen von Jahresverträgen vergeben und nicht wie bei einem herkömmlichen landwirtschaftlichen Pachtvertrag für neun Jahre, was er auch mit dem ehemaligen Gemeinderat besprochen habe. „Denn sonst hätte man vielleicht auch 280 bis 300 Euro bekommen“, stellt er klar.

„Als reine Spekulation“ bezeichnet Bürgermeisterin Sigl dagegen die Geschäfte ihres Amtsvorgängers. Rübensaal habe fünf Jahre lang Zeit gehabt, in denen alleine 100 000 Euro Zinsen für die elf Hektar Land aufgelaufen seien, um das Land zu verkaufen. Mehrfache Nachfragen ihrerseits bei Bahn und Freistaat hätten allerdings ergeben, dass niemand Interesse an dem Land habe. „Ich kann nicht jahrelang warten, bis sich einer erbarmt und eine Million Euro zahlt“, bedauert sie die Ablehnung im Hinblick auf die finanzielle Situation der Gemeinde. Einige Kaufinteressenten hätten sich auf die Anzeige im Gemeindeblatt bereits gemeldet. Ob die eine Million Euro zahlen? Sigl: „Ich kann es mir nicht vorstellen.“ (dm)

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