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Horror, Gewalt, Blut: Diese Spielfilme sind aus Jugendschutz in Deutschland immer noch verboten

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Auf Horror- und Zombiefilme hat es der Jugendschutz besonders abgesehen
Auf Horror- und Zombiefilme hat es der Jugendschutz besonders abgesehen © PantherMedia / lighthouse

Warum werden Filme in Deutschland auch heute noch verboten? Ein Blick in die chaotischen Wirren unseres medialen Jugendschutzes

Film und TV – Erst diese Woche ging ein Raunen durch die deutsche Filmfan-Gemeinde: „Hostel 2“ ist ab sofort nicht mehr beschlagnahmt! Ganz recht: Ein Film, der im Rest der Welt seit 15 Jahren frei erhältlich im Handel ist, könnte dies künftig auch in Deutschland sein – in erstmals ungeschnittener Form. Zuletzt häuften sich derlei Erdbeben: Sowohl „Evil Dead“, (über 40 Jahre alt) als auch „Texas Chain Saw Massacre (fast 50 Jahre alt) und „Dawn of the Dead“ (44 Jahre alt) wurden von der berüchtigten Liste beschlagnahmter Filme gestrichen und können erstmals nach Jahrzehnten wieder frei verkauft werden.

Deutschland gehört zu den letzten Ländern Europas, in denen Spielfilme noch auf den Index gesetzt (indiziert) oder gar beschlagnahmt und damit einem Verkaufsverbot unterlegt werden können. Landet ein Film erst in jenem berüchtigten medialen ‚Giftschrank‘, ist es sehr schwer und mit hohen bürokratischem Hürden verbunden, ihn wieder zu rehabiliteren. Manche Filme werden wohl für immer ihr Dasein auf jener Liste fristen.

Wie kommt es dazu und welche Filme kann es erwischen?

Was die FSK-Freigaben wirklich bedeuten

Der deutsche Jugendschutz ist weitaus komplizierter, als es zunächst den Anschein hat. Für Kino- und Heimmedien greift die allbekante FSK, die einen Film von 0 bis 18 Jahren freigeben kann. Kompliziert wird es, wenn man bedenkt, dass für Kino andere Regularien gelten, als für DVD; für das Fernsehen wieder eine andere Einrichtung zuständig ist und eine FSK 18 tatsächlich nur die dritthöchste Einstufung ist, die Filme hierzulande erhalten können.

Aber der Reihe nach: Filme, die eine FSK-Freigabe erhalten, sind vor Indizierungen und Verboten geschützt. Wenn ein Horror- oder Actionfilm aufgrund der gezeigten Gewalt der FSK aber zu heikel ist, diese also eine Jugendgefährdung vermutet, verweigert sie die Freigabe. (FSK 18 Filme, die von vornherein nicht für Jugendliche freigegeben sind, dürfen in Deutschland also trotzdem nicht als jugendgefährdend eingestuft sein – kurios!)

Die nächsthöhere Instanz über der FSK ist die sogenannte ‚Spitzenorganisation der Filmwirtschaft‘ (kurz: SPIO) die sich den abgelehnten Filmen annimmt und diesen ein leichtes, oder ein schweres Siegel verpasst. Das bedeutet, die Filme tragen kein FSK-Logo, sondern den Aufdruck SPIO/JK. Sie dürfen zunächst weiterhin überall verkauft werden, können aber jederzeit von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert werden. Ab dann dürfen sie nur noch ‚unter der Ladentheke‘ verkauft werden und nicht mehr öffentlich ausliegen. Indizierte Filme können obendrein beschlagnahmt, also komplett mit einem Verkaufsverbot belegt werden.

Die logische Folge davon ist meistens, dass vom Verleih geschnittene Versionen angefertigt werden, die mit FSK-Siegel wieder frei in den Handel dürfen.

Die Regeln im TV

Noch einen Ticken verwirrender wird es bezüglich der Regularien im deutschen Free-TV. Hier ist nämlich nicht die FSK, sondern die FSF (Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen) zuständig. Diese orientiert sich zwar an den Freigaben der FSK, kann sich aber darüber hinwegsetzen und die Filme anderweitig einstufen.

Besonders bemerkenswert ist der Umstand, dass TV-Filme bei uns seit 1952 obendrein als ‚Nicht feiertagsfrei‘ eingestuft werden können. Das heißt, sie dürfen dann nicht an christlichen Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten ausgestrahlt werden. Die Horrorfilm-Reihe „Saw“ etwa wurde auf diese Weise gebrandmarkt, wie auch der ein oder andere Exorzismus-Film, der Terminator und sogar „Das Leben des Brian.“

Z wie Zensur: Zombiefilme haben in Deutschland keinen leichten Stand
Z wie Zensur: Zombiefilme haben in Deutschland keinen leichten Stand © PM

Extra-Regeln fürs Kino

Die FSK-Freigaben im Kino sind etwas weniger streng als für die Heimmedien, da die FSK davon ausgeht, dass in Kinos verbindliche Alterskontrollen durchgeführt werden. Hier dürfen auch Filme, die als jugendgefährdend eingestuft sind, eine FSK-18-Freigabe erhalten. Das Bizarre daran ist, dass jene Filme für die Heimkinoveröffentlichung dann unter strengeren Auflagen erneut geprüft werden müssen und mitunter keine Freigabe mehr bekommen. So geschehen etwa mit dem Actionfilm „Crank 2“ oder dem Zombie-Film „Planet Terror“: Im Kino ungeschnitten mit FSK 18, auf DVD hingegen mit selber Freigabe nur geschnitten. (Und ungeschnitten indiziert.)

Wo endet das Verständnis der FSK?

Zumindest dieser Aspekt ist in Deutschland weniger komplex als in anderen Ländern. Bei uns ist nach wie vor die klassische Gewalt für einen Großteil der Altersfreigaben verantwortlich. In den USA etwa fließen Elemente wie Schimpfwörter, Drogenkonsum oder Nacktheit sehr stark in die Kriterien ein. Gewalt ist dort weniger ein Problem. Und in England führen Kopfnüsse, Pferdestürze oder das Herumfuchteln mit Messern oder Wurfsternen (wohlgemerkt nur das Herumfuchteln – nicht das Zustechen) zu höheren Freigaben oder müssen entfernt werden. Es gibt auch Extremfälle wie etwa beim Film „Ninja Assassin“, wo in der Singapur-Version eine Autofahrende Frau herausgeschnitten wurde, da diese Handlung für muslimische Frauen (damals) verboten war.

Die Lücken im System

Die Praktik der indizierten/beschlagnahmten Filme kann man als Relikt der 1980er Jahre bezeichnen. Nie wurden mehr Filme in Deutschland geschnitten, als in jenem Jahrzehnt. Seitdem entspannt sich die Lage sehr langsam. Immer weniger Filme werden von der FSK abgelehnt – auch ein Produkt veränderter Sehgewohnheiten. Durch Serien wie „Spartacus“ oder „The Walking Dead“ oder Horrorfilme wie „Halloween Kills“ kam eine Gewalt im Mainstream an, die noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar in der deutschen Medienlandschaft gewesen wäre.

Moderne Streaming-Dienste wie Netflix beschleunigen diese liberale Entwicklung, da die Filme auf jener Plattform nicht von der FSK geprüft werden müssen. Indizierte Filme können dort mitunter problemlos gestreamt werden.

Jason und seine „Freitag der 13.“-Reihe waren unseren Prüfbehörden über Jahrzehnte hinweg ein Dorn im Auge
Jason und seine „Freitag der 13.“-Reihe waren unseren Prüfbehörden über Jahrzehnte hinweg ein Dorn im Auge © PM/Nomadsoul1

Eingesperrt, aber nicht vergessen

Zu den populärsten Filmen, die im Giftschrank der verbotenen Spielfilme schmachten und womöglich niemals in die Freiheit entlassen werden, gehören die Zombie-Komödie „Braindead“ des „Herr der Ringe“-Regisseurs Peter Jackson, „Halloween 2“ von 1981, diverse „Freitag der 13.“-Teile aus den 1980ern, der französische Horrorfilm „Inside“ von 2007 sowie der ebenfalls französische Zombie-Film „Die Horde“ – der im Ursprungsland Frankreich mit einer Freigabe ab 12 Jahren frei im Handel liegt. (Es lässt sich ein gewisser Hang zu Horrorfilmen auf der verbotenen Liste erkennen.)

Da eine Beschlagnahme per Gerichtsbeschluss einhergeht, muss eine „Freilassung“ jener Filme ebenfalls kosten- und zeitintensiv gerichtlich erstritten werden. Nimmt sich kein Label jener Mühe an, verbleiben genannte Filme bis ans Ende aller Zeiten auf dieser verbotenen Liste. Eine Indizierung hingegen läuft nach 25 Jahren automatisch ab, sofern sie nicht von der BPjM verlängert wird.

Wie andere Länder von Deutschlands Verboten profitieren

Die jahrzehntelange restriktive Freigabenpolitik Deutschlands führte zu einem neuen Absatz-Markt für umliegende Länder. So werden bei uns indizierte Filme in der Regel nur unter deutlichem Aufpreis aus Österreich oder England importiert. Horror- oder Actionfilme, die im Ausland an jeder Tankstelle für wenig Geld erhältlich sind, werden bei uns für das mitunter zehnfache gehandelt.

B- oder C-Filme, die aufgrund mangelnder Qualität im Ausland keinerlei größere Beachtung finden, erfahren in Deutschland einen regelrechten Hype aufgrund des bloßen Umstands, beschlagnahmt zu sein. Der Reiz des Verbotenen zieht also nach wie vor als Verkaufsargument.

Wer sich tiefer mit der ausufernden Thematik des Jugendschutzes und der Zensur in unseren Unterhaltungs-Medien befassen möchte, kann einen Blick auf die Internetseite www.schnittberichte.com werfen.

von Philip Heggmair

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