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22 Hektar groß soll das neue Industriegebiet zwischen Kaufland/Auer (l.), Dachauer Straße (oben) und Sigwolfstraße (r.) werden. Bis zur Realisierung werden aber noch viele Monate vergehen. Das Verfahren steht am Anfang. 

22 Hektar Landwirtschaftliche Fläche

Erding bekommt großes Industriegebiet

Erding - Erding schafft Gewerbe- und Industrieflächen im großen Stil. Dazu wird ein 22 Hektar großes Areal südlich des West Erding Parks überplant. Grundsätzlicher Flächenbedarf für mittelständische Betriebe wurde von den Stadträten erkannt. Dennoch gibt es allerhand Kritikpunkte.

„Bebauungsplan 225“ – hinter dieser fortlaufenden Nummer steht nicht weniger als ein städtebauliches Großprojekt, das in seinen Dimensionen dem ab 2007 entwickelten benachbarten Gewerbegebiet Erding-West kaum nachsteht. Vorgesehen ist allerdings keine Konzentration von Handelsflächen. Karin Hatt vom Stadtplanungsamt und Oberbürgermeister Max Gotz stellten im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt- und Verkehr (Stuva) vielmehr ein Industriegebiet vor.

22 Hektar ist der Planbereich, der die Fortsetzung der Gewerbebebauung im Westen der Kreisstadt bedeutet, groß. Bebaut werden soll das Areal östlich des Baumarktes Auer/Supermarkt Kaufland, südlich der Dachauer Straße und westlich der Sigwolfstraße. Bislang findet hier eine landwirtschaftliche Nutzung statt. Auslöser war der Antrag eines Investors.

5000 Quadratmeter für Recyclinghof

Hatt teilte mit, dass dort unter anderem ein Logistik-Dienstleister und so genannte leichte Industrie Platz finden sollen. Bei letzterer handle es sich um Unternehmen, die Konsumgüter fertigen, etwa die kunststoff- oder metallverarbeitende beziehungsweise elektrotechnische Branche. Vorstellbar, so Hatt weiter, seien mittelständische Produzenten und Handwerksbetriebe beziehungsweise Handwerkerhöfe. „So könnte eine Vielzahl an unterschiedlichen Arbeits- und Ausbildungsplätzen geschaffen werden“, warb Hatt um Sympathien für das Großprojekt.

Erste Entwürfe gibt es auch für die Verkehrserschließung. „Sie soll vor allem über die Dachauer Straße erfolgen“, sagte Hatt. Die Kreisverkehre könnten ertüchtigt werden. Auch sei eine eigene Anschlussstelle auf die Flughafentangente Ost denkbar.

Für die Stadt besonders wichtig: Hier soll endlich Platz geschaffen werden für einen großen neuen Recyclinghof als Ersatz für die beengte und gefährliche Anlage am Rennweg. Die Rede ist von 5000 Quadratmetern.

Gotz warb um Zustimmung: „Wir können heute das Signal setzen, dass wir Gewerbe bei uns entwickeln wollen.“ Der Bedarf sei da. Viele Handwerksbetriebe seien auf der Suche nach Expansionsflächen. „So können wir Abwanderungen verhindern“, sagte der OB. Zudem gebe es hier auch viele gute Jobchancen für Mittelschüler. In diesem Zusammenhang erinnerte er an die Pläne, auf dem Fliegerhorst Gewerbe anzusiedeln. „Wir haben unterdessen aber schriftlich, dass das Areal sicher nicht vor 2021 frei wird. So lange können wir nicht warten. Der Bedarf ist jetzt da.“

Kritiker warnen vor Krach und Verkehr

Im Ausschuss gab es eine lebhafte und kontroverse Debatte, an deren Ende die Aufstellung mit breiter Mehrheit beschlossen wurde. Nur Günther Kuhn (Grüne) und Stephan Treffler (ÖDP) stimmten dagegen. Kritik kam aber auch aus anderen Fraktionen. Unstrittig war lediglich der neue Recyclinghof.

CSU-Fraktionschef Jakob Mittermeier erklärte: „Mit größeren zusammenhängenden Gewerbeflächen ist Erding nicht gesegnet. Es gibt allenfalls Lückenschlüsse.“ Es müsse verhindert werden, dass vor allem Handwerksbetriebe absiedelten, weil sie in der Stadt nicht mehr wachsen können. Horst Schmidt (SPD) sprach von einer „grundsätzlich vernünftigen Idee“. Allerdings müsse man wachsam sein, denn ein 24-Stunden-Logistik-Betrieb, lärmintensive Betriebe sowie Schwerlastverkehr könnten eine große Belastung mit sich bringen.

Gegen das neue Industriegebiet sprach sich Kuhn aus. Er zeigte sich verwundert, warum jetzt der Startschuss fallen solle, wo man doch erst Mitte 2016 die Ergebnisse einer großen Studie über die Zukunft des Erdinger Gewerbes vorliegen habe. „Erst danach sollten wir entscheiden, was wir brauchen, und was wohin soll.“ Einen weiteren Logistiker lehnt Kuhn strikt ab. Insgesamt sei er „sehr verwundert“, warum einerseits beklagt werde, dass man immer mehr im Verkehr ersticke, und dann Entscheidungen gefällt werden, die mit noch mehr Verkehr verbunden seien.

Neuer Standort für ein Feuerwehrhaus?

Er erinnerte auch an die Expansionpläne der Therme. „Wir verschärfen die Lage“, so Kuhn. Die Ansiedlung von Handwerk trage er mit, „aber ich weise darauf hin, dass es in Erding-West noch viele freie Flächen gibt“.

Gotz erwiderte, Erding dürfe nicht nur als Wohnstadt wachsen. „Es geht um viele neue Arbeitsplätze.“ Zu Erding-West merkte er an: „Hier ist es uns gelungen, viel Kaufkraft zurückzuholen.“

Skeptisch war auch FW-Fraktionssprecherin Petra Bauernfeind: „Wir haben wegen des West Erding Parks bereits eine erhöhte Verkehrsproblematik. Die dürfte verschärft werden.“ Zudem äußerte sie die Sorge, dass Flächen für Handwerksbetriebe und Handwerkerhöfe reserviert würden, die im Falle mangelnden Interesses dann doch wieder anders genutzt würden. Das erlebe man auch in Erding-West. Bauernfeinds Fraktionskollegin Johanna Heindl ergänzte, „dass sichergestellt sein muss, dass nicht auch Konkurrenz zur Innenstadt geschaffen wird“.

Treffler erinnerte daran, „dass es doch politischer Konsens ist, dass wir maßvoll wachsen wollen“. Pläne wie der für das Industriegebiet passten dazu nicht. Er verwies auf den Weltklimagipfel in Paris und kritisierte die Wachstumshörigkeit. „Wenn wir für die Umwelt etwas tun wollen, müssen wir auch hier umdenken.“ Damit erntete er Gotz’ Widerspruch. „Die Nachfrage ist da. Wenn wir es nicht machen, machen es andere.“

Josef Biller (CSU) unterstützte diesen Gedanken und sah neue Chancen für Berufsschüler. „Denn im Bereich Elektrotechnik sowie Metall- und Kunststoffverarbeitung haben wir Nacholbedarf“, so der frühere Berufsschulleiter. „Wer in diesem Bereich arbeitet, muss bis dato pendeln. Das erzeugt auch Verkehr.“

Walter Rauscher (CSU) regte an, nicht nur den Wertstoffhof zu verlagern, sondern auch gleich den beengten Stadtbauhof und das Stadtwerke-Lager. Zudem sollte erwogen werden, hier den Standort für ein neues Feuerwehrhaus zu untersuchen.

Am Ende einer langen Debatte gab sich Mittermeier kämpferisch: „Warum immer Angst und Skepsis? Sehen wir es positiv. Vor dem Bau der Therme gab es auch viele Kritiker. Hätten Stadt und Landkreis damals nicht Mut und Zuversicht bewiesen, hätten wir heute die Therme nicht.“

Hans Moritz

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